Den westlichen oder den östlichen Weg gehen?


Gegen den Konservatismus und die Veröstlichung Europas!

Von der nötigen Qualität einer Rezension

Reaktion auf Michael Kumpanns Rezension[i] von Peter Töpfer: Max Stirner und die Tiefenwahrheit als post-psychotherapeutisches Selbstermächtigungsverfahren. Bernd A. Laskas LSR-Projekt und die Weiterentwicklung der im Kognitiven, Affektiven und Korporellen operierenden Neuen Aufklärung (2025[ii])

Michael Kumpmanns Erwiderung auf meine Reaktion auf seine Rezension.

Dugin kritisiert in jüngster Zeit den Westen sehr scharf – völlig zurecht und nur mit seiner riesigen Enttäuschung zu erklären, denn er liebt eigentlich den Westen. Der Westen hat sich verloren und aufgegeben. Jetzt gilt es, zu den Grundlagen des Westens zurückzukommen, diese aber zu radikalisieren, auf daß diese Resignation und Verlorenheit nie wieder kommt. (Vgl. meine Rede „Den Westen retten!“ auf der Internationalen Konferenz „Review of the Holocaust: Global Vision“, 11./12. Dezember 2006 in Teheran“[iii])

Ich mag die freie, sprudelnde, assoziative Art, wie Michael Kumpann schreibt. Damit erfüllt er ganz das Denken aus dem Chaos heraus, wie es Alexander Dugin vorschlägt, und macht diesem Denken höchste Ehre.

Dugin – Chaos – Ordnung
Dugin – Chaos – Ordnung

Da werden apollonische Vernunft, reine Vernunft, Gefühle, Triebe, Logik, Peak Boomertum, Schlomo Finkelstein, Religion, Werte, ekligste Internet-Pornos, Hook-up-Culture, Schlampenlook für Schülerinnen, CSD, Laissez-faire, Xenogender, Butlers Queer-Theorien, Fortpflanzung, Limonow, Evola, Sexmagie, Aleister Crowleys, Lebensenergie, Fleischbeschau, schöne Kleidung den Menschen, Bikinis statt Burkas, Jeffrey Epstein, Voltaire, Adorno durcheinandergewirbelt und auf den Tisch gewürfelt, daß es eine helle Freude ist.

Leider aber entwickelt Kumpmann dieses Denken nur ungenügend weiter bis zur Herstellung der Ordnung – zumindest nicht, was den Zusammenhang der genannten Elemente mit dem Gegenstand seiner Rezension betrifft. Ihm gelingt es nicht, das Wesentliche als ordnendes Prinzip zu erfassen. Deshalb muß ich als Anarchist, der „die Ordnung so sehr liebt, daß er ihre Karikatur nicht erträgt” (Antonin Artaud), ordnend eingreifen, Kumpmann sozusagen zur Ordnung rufen, auf das Wesentliche meines Buches verweisen und Kumpmanns Aussagen mit einigen groben Pinselstrichen richtigstellen.

Kumpmann stellt einen falschen und irreführenden geistesgeschichtlichen Zusammenhang her: Töpfers Buch hat aber so gut wie nichts mit Heiner Geißler, den Stuttgart-21-Protesten, Entfremdung der Bürger von der Politik, Kapitalismuskritik, Fukushima-Katastrophe, Finanzkrise, vergiftete Babynahrung, Bürgerbeteiligung, direkter Demokratie und auch nicht mit Politik generell zu tun. Diese Elemente aus Kumpmanns Denkchaos – dieser Begriff ist positiv gemeint! – versperren die Sicht auf das Wesentliche, das wie der Wald vor lauter Bäumen unsichtbar bleibt.

Doch dann ringt sich Kumpmann in unscheinbaren Winkeln seines Textes doch noch etwas zum Synthetischen durch und nähert sich der Thematik von Töpfers Buch: Heiner Geißler wolle „verhindern, dass nihilistische, verzweifelte Massen aus Frust über ein ignorierendes System alles blockierten“. – Es geht dem Sinne nach in Töpfers Buch tatsächlich auch um Frust und Nihilismus (besser gesagt: Nihilisierung, Vernichtung) und Verzweiflung – nicht aber der Massen, sondern der „Einzigen“ (Stirner).

Töpfers Buch hat im weiteren auch nichts mit Liberalismus 2.0, klassischen Liberalen, postmodernen Linksliberalen, den Grünen, FDP-Witzen in der „Heute Show“, Stefan Raab, Philipp Rösler und Xavier Naidoo zu tun – wie überhaupt nichts mit Ideologien und nur tertiär mit Politik –, und Kumpmann läßt den Leser jetzt definitiv sich im Chaos verirren. (Betreibt Kumpann eine Art von Name-und-Begriffs-Dropping?)

Vielleicht hat Töpfers Buch schon eher ein wenig mit dem FDP-Politiker Hasso Mansfeld und dessen „Liberalem Glaubensbekenntnis“, „dummen, willenlosen, triebgesteuerten Schizo-Massen“, „aus diesem Kontext viele Bekenntnisse zur ‚neuen Aufklärung‘ in der deutschen Politik stammen“, die aber alle, so Kumpann, „oberflächlich blieben und substanzlos waren“, zu tun. Es habe, so kritisiert Kumpann Mansfeld, keine „grundsätzliche Auseinandersetzung mit politischen Fragen“ gegeben.  

Kumpmann insinuiert nun immerhin, daß Töpfers Buch schon eher als Hasso Mansfeld etwas mit einer „grundsätzlichen Auseinandersetzung“ zu tun hat, aber er vergißt zu sagen, daß sich diese bei Töpfer nicht nur kaum im Politischen, sondern auch nicht wirklich im Philosophischen abspielt, denn die „Neue Aufklärung“, wie sie Töpfer versteht, ist etwas Post-Philosophisches und geht mit einer „Unterwindung“ der Philosophie einher, wie sie von den Linkshegelianern erträumt, aber nur von Stirner ansatzweise realisiert worden ist.  

Die „grundsätzliche Auseinandersetzung“ findet nun aber bei Töpfer nicht nur nicht im Philosophischen und Psychologischen statt, wie man es von Kumpmann fälschlich angedeutet bekommt (Töpfers „Fokus“ sei ein „psychologischer“), sondern im Post-Psychologischen, wie es schon dem Titel von Töpfers Buch zu entnehmen ist. In Töpfers Buch steht wiederholt ganz klar, daß er bei der „Selbstermächtigung“ keine psychologische, sondern eine minimal-primitive und post-philosophische Herangehensweise empfiehlt. Der positive Effekt, den das Aussprechen der Wahrheit für die Identität – das Mit-sich-identisch-fühlen – hatte, blieb manchen Psychologen manchmal nicht ganz verborgen. Sie ließen nun das Bedürfnis danach, die Wahrheit zu sagen und sich von dieser steuern zu lassen, teilweise gelten. Töpfer erkennt das Aussprechen der Wahrheit samt seines emotionalen Aspekts aber als das einzig Relevante; nur kultiviert und radikalisiert er es weit unter die nur kognitive Oberfläche hinab. Darin liegt der himmelweite Unterschied von Psychotherapie und Töpfers Tiefenwahrheit; Kumpmann aber amalgamiert diese bedenkenlos.

Wenn schon die Geistesgeschichte von ordnender Hilfe sein kann, dann hätte Kumpmann hier unbedingt den Bezug zu den linken Hegel-Schülern des 19. Jahrhunderts herstellen müssen, die nach dem fleißigen Studium des Meisters plötzlich erkannten, daß die Ideen, Begriffe usw. einen kapitalen Dachschaden ihres Meisters widerspiegeln, dem sie nun nicht mehr folgen wollten. Diese Junghegelianer machten aber hier nicht halt, sondern wollten, wenn sie einmal bei ihrer „kritischen Kritik“ waren, gleich noch viel mehr: nicht nur die die hegel’sche, sondern überhaupt und generell die Philosophie abschaffen (bei Marx sollte sie, wie der Staat, am utopischen Sankt-Nimmerleins-Tag absterben).  

Doch nur ihrem radikalsten Vertreter, Stirner, gelang das auch ansatzweise: Er verabschiedete sich mit einem letzten Gruß in Gestalt seines Buches „Der Einzige und sein Eigenthum“ aus der Philosophenschar, weswegen man es als das erste post-philosophische Buch nennen muß. Seine linkshegelianischen Ex-Kollegen blieben bewundernd und sprachlos zurück – so hatten sie nicht gewettet, das hätten sie nicht erwartet, damit hatten sie überhaupt nicht gerechnet: daß jemand ernst machen und tatsächlich in die Praxis vorstoßen könnte. Denn Stirner wollte gar nicht die Ideen und Begriffe und deren Bezugsystem untereinander auf Falschheit oder Richtigkeit, „sondern“ – da scheint plötzlich ein ordnend-weisender Juwel aus Kumpmanns Chaos auf – daraufhin „prüfen, ob sie von mir kommen“.

Kumpmann fügt dem noch hinzu: „ – falls nicht, woher?“ Aber er verweist von Töpfers Buch weg ins Nebensächliche: Warum soll es mich noch interessieren, woher ein Gedanke, der nicht der meinige ist, stammt und wo ich ihn aufgeschnappt und verinnerlicht habe? Natürlich spielt das – von einer Metaebene aus betrachtet – bei der „Selbstermächtigung“ (Laska) eine Rolle: Ich sehe die biographische Station ganz genau vor mir, regrediere prüfend zu der Stelle, als ich mir diese nicht eigentlich zu mir gehörende Idee eingefangen habe. Aber wenn ich das wirklich praktisch an mir vollziehe, kann ich das nur aus dem Hier & Jetzt heraus und vergesse sogleich dieses „Woher?“ – Es ist von keinerlei Interesse und spielt bei Töpfer keine Rolle. Diese Metaebene kommt nur bei Wissenschaftlern zustande, die eine Erklärungsnot und ein übersteigertes Kausalitätsbedürfnis haben. In einer Tiefenwahrheitsstunde fällt einem dieses Wissen einfach als Kollateralprodukt zu.

Töpfer zeigt aber in seinem Buch deutlich, daß seine „minimal-primitive und post-philosophische Herangehensweise“ eigentlich nichts mehr weder mit den Linkshegelianern noch mit Philosophiegeschichte allgemein zu tun hat, sondern nur noch mit möglichst klaren Überlegungen eines Einzigen unmittelbar zu seiner existenziellen Lage ohne jeglichen ideell-ideologische Filter. Das geht aus dem Zweiten Teil seines Buches (die Wiedergabe einer Stunde der Tiefenwahrheit) klar hervor. Kumpmann hält das nicht für erwähnenswert.

Töpfer geht es nur noch um diesen praktischen Vollzug. Damit erfüllt er die Forderung und die Verheißung der Linkshegelianer, die Philosophen müßten „praktisch werden“. Welche Ideen, welcher „Spuk“ und welche „Sparren“ (Stirner) es sind, die ich mir eingefangen habe, ist vollkommen egal – Hauptsache, ich werde sie los, wende mich den Realien zu und stochere nicht länger in Symbolen. Solange ich noch an den Ideen herumkritisiere (die Junghegelianer) oder sie auch komplett dekonstruiere (Stirner), bin ich nach wie vor Philosoph, d.h. habe ich einen kapitalen Dachschaden.

Stirners Dekonstruktion war aber bereits auf kognitiver Ebene eine Vernichtung all jener nicht-eigenen Gedanken – also ein kognitives Massaker –, und es blieb von Philosophie nicht mehr viel übrig. Was nicht heißt, daß er zu denken aufhörte. – Nicht die Gedanken sind das Übel, sondern Gedanken müssen „von mir kommen“ (Kumpmann), müssen meine eigenen sein. Stirners Vernichtung war also – er als Hegels Meisterschüler – noch eine rein gedankliche. Dabei war ihm dann aber auch schon absolut klar, daß man es dabei nicht bewenden lassen könne, um ein „Eigner“ zu werden, und man Kognitionen – so sie denn in mir Fremdkörper sind und ich sie loswerden will – nicht mit (neuen, weiteren) Kognitionen vertreiben kann. Er eröffnete eine ganz neue Perspektive: Man müsse, so Stirner, sie „wegjauchzen“, sich einen „Ruck“ geben und dergleichen ins Nicht-Kognitive, ins Affektive weisende Ausdrücke mehr (neue, weitere Kognitionen – Transkognitionen – bedeuten Überwindung; Ciskognition bedeutet Unterwindung – so zentrale Begriffe bei Töpfer, die in Kumpmanns Rezension überhaupt nicht vorkommen).

Das aber, was Stirner uns hier sagt, hat mit der traditionellen Aufklärung, der Alten Aufklärung nichts mehr zu tun – das ist eine Neue, eine Zweite, eine Radikale Aufklärung. Aufklärung ist immer Wahrheit; die der Alten Aufklärung bezieht sich auf das Außen, die der Neuen Aufklärung auf das Innen. Diese letztere hatte, so Laska, bereits im 18. Jahrhundert mit La Mettrie begonnen, den die vermeintlichen Kollegen, also die Alten Aufklärer wie Diderot, Lessing usw. fanatisch und bis in den Tod bekämpften. Die Gegenaufklärer hatten demgegenüber eine etwas gelassenere Haltung – aber das kann hier nicht das Thema sein (siehe „Radikale Aufklärer und Gegenaufklärer – vereinigt Euch!“[iv]).

Worum es hier und bei Töpfers Buch geht, ist die radikalaufklärerische Praxis, also das, was der Neuaufklärer Laska „Selbstermächtigung“[v] nennt. Kumpmann ahnt natürlich den Braten und nennt es „Förderung der Freiheit“; das trifft die Sache nicht, es muß „Förderung der Eigenheit“ heißen. Denn Stirner war kein Liberaler – ein dezidiert Anti-Liberaler – und hat die Freiheit als etwas Wertloses gesehen bzw. als mystifizierende Waffe im Klassenkampf: Der Liberalismus tut so, als seien wir frei und deklariert uns als dies; wir ließen uns also freiwillig ausbeuten. Freiheit oder Unfreiheit ist ein Scheinproblem, einzig zählt die Eigenheit, das Aneignen, die tatsächliche instantane Beendigung von Ausbeutung und Verarschung. Die Marxisten wollen diese Beendigung über den Umweg des Klassenkampfes erreichen und schieben sie damit auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Der Verbund mit anderen – mit denen ich eine „Klasse“ bilde – hilft mir vielleicht, an mein Ziel zu gelangen. Voraussetzung ist aber, zum Ergebnis kommen zu wollen. Ich kann mich mit Millionen zusammentun – es wird nichts nützen; wir werden nur Schaum schlagen und die Sklaven im nächsten System sein. Mehr als die Sklavenklasse dient mir Stirners „Verein der Egoisten“. Der Liberalismus hat auf eine teuflische Art recht (das ist das Effektive an seiner Gaslighting-Propaganda): Es sieht so aus, als ließen wir uns freiwillig ausbeuten. Das stimmt aber nicht. Wir können einfach nicht frei sein; wir sind freiheitsunfähig. In uns reißen tausend Strippen an uns und halten uns vor der Freiheit zurück – eine Strippe ist die vom Traum von der Freiheit. Der ist nichts wert, solange der Wille zur Eigenheit nicht vorhanden ist, und wird instantan (aber sukzessive, das ist ein langer Prozeß, der nichts von den Versprechen von esoterischen Quacksalbern hat) verwirklicht, wenn der zerstörte Lebenswille wiederendeckt und -gefühlt wird.

Stirner war der Destruktor des Liberalismus und Dekonstruktor des Sparrens „Freiheit“ – im Unterschied zu konservativen Anti-Liberalen aber aus einer Warte der Produktivität, Kreativität und Vitalität. Sein Ausgang aus dem Liberalismus war positiv und lebenszugewandt und kein Rückzug ins Starre, keine Resignation. Er orientierte sich streng an den unmittelbar gefühlten und wahrgenommenen eigenen Interessen, er bejahte diese vehement, während der konservative, d.h. völlig veröstlichte Schopenhauer Verzicht übte und predigte. Ein solches Wahrnehmen hat die zwei Bedeutungen des Wortes.

Die Unterwindung nun der Philosophie und die Erringung der Eigenheit vollzieht sich praktisch durch Ciskognition – dem Moment des Absteigens in das Affektive unter strengster Beibehaltung des Kognitiven und sogar dessen deutlicher Verschärfung und Erklarung (es müßte „Verklärung“ heißen, wenn diese Vokabel nicht schon durch Mystiker besetzt wäre). Dabei stellen Stirners „Jauchzen“ und „Rucken“ freilich nur die allerersten zaghaften Schritte dar. Laska sagt über diese Ergänzung des Kognitiven durch das Affektive mit der Zwischenetappe der Ciskognition: „Stirners Postulat, die (alte) Aufklärung, die im kognitiv-rationalen Bereich operierte, sei am Ende ihrer Möglichkeiten  und deshalb durch eine neue, im affektiv-emotionalen Bereich operierende – und damit ‚praktisch‘ werdende – fortzusetzen …“[vi] (Laskas Wortwahl „kognitiv-rational“ ist falsch, weil es insinuiert, das Emotionale sei prinzipiell nicht rational; außerdem ist „affektiv-emotional“ doppeltgemoppelt.)

Das alles ist aber nur Töpfers Ausgangspunkt, von dem der Leser Kumpmanns Rezension überhaupt nicht erfährt – erst recht nicht von Töpfers rasanter Talfahrt einer dramatischen Radikalisierung von Stirner und Laska.

Kumpmann hätte sich wenigstens diesem Ausgangspunkt nähern können, indem er mindestens einen Anschluß an die aktuellen Diskussion hergestellt hätte und an etwas sinnverwandte Bestrebungen angeknüpft hätte wie beispielsweise den Vortrag „‘Du mußt Dein Leben ändern!‘ – Über Geschichte und Ertrag der Lebensreformbewegung“ von Erik Lehnert[vii]. Oder er hätte sich ordnend dem Wesentlichen seines Rezensionsgegenstandes nähern können, indem er einführend auf beim Publikum Bekanntes zurückgegriffen hätte – wie etwa den populären Nietzsche, der die „Selbstermächtigung“ wenigstens andeutet[viii]: „Wie man wird, was man ist“, „Die Rückkehr zu mir selbst“, „‘Menschliches, Allzumenschliches‘ ist das Denkmal einer Krisis. Ich habe mich mit demselben vom Unzugehörigen in meiner Natur frei gemacht.“ (Ecce Homo)

Michael Kumpmann hat es sich etwas sehr leicht gemacht. Er muß die 850 Seiten von Töpfers Buch im Schweinsgalopp durchgerammelt sein und sie in zehn Minuten überflogen haben, was ja absolut legitim ist. Daraus kann man aber keine Rezension machen, ohne seinen Leser zwangsläufig in die Irre zu führen; dann nützt es auch nichts mehr, den Gegenstand mit chaotischen Nebelkerzen einzudieseln. Kumpmann nimmt den Leser nicht ansatzweise auf eine Reise in die Gedankenwelt Töpfers mit, wie das etwa Heidegger in seiner Kommentierung eines schelling’schen Textes[ix] mustergültig vorexerziert: „Wir werden gezwungen, den Gang philosophischen Fragens nach- und mitzugehen.“[x] Heidegger betont: „Untersuchungen – nicht Darlegung und Mitteilung von Ergebnissen und Behauptungen oder lediglich eine Kennzeichnung eines Standpunktes“. Töpfers Buch ist eine minutiöse und akribische Untersuchung seiner eigenen, sich im Verlaufe seiner Biographie entwickelnden Ideen und eine eng an diese angelehnte Herleitung seiner schließlichen Behauptung vom Wert der Tiefenwahrheit. Denn Töpfers Buch ist am Ende mehr als ein „Gang philosophischen Fragens“; es kommt darin tatsächlich zu einer „Mitteilung von Ergebnissen“, die nicht nur für ihn selbst von Wert sind, sondern auch das Publikum interessieren könnten. Deswegen muß man sich an der heidegger‘schen Qualität messen lassen oder sonst seine Hände von Rezensionen lassen.

Wenn Töpfer selbst Rezensionen geschrieben hat, dann hat er es richtig getan:
– 1998: Exzeß der Ideengeschichte. Zu: Peter Bahn / Heiner Gehring: Der Vril-Mythos. Eine geheimnisvolle Energieform in Esoterik, Technik und Therapie, Düsseldorf 1997: https://nationale-anarchie.nationalanarchismus.de/Auseinander-_und_Zusammensetzu/Mit_Esoterikern/BahnGehring/bahngehring.html
– 1998: Selbstversuch. Zu: Peter Sloterdijk: Selbstversuch. Ein Gespräch mit Carlos Oliveira, 1996: https://nationale-anarchie.nationalanarchismus.de/Auseinander-_und_Zusammensetzu/MitHegelianern/Sloterdijk/sloterdijk.html
– 1999: Der Katechon als Selbstbremse. Zu: Bernd A. Laska: “‘Katechon‘ und ’Anarch‘. Carl Schmitts und Ernst Jüngers Reaktionen auf Max Stirner”, 1997: https://nationale-anarchie.nationalanarchismus.de/Auseinander-_und_Zusammensetzu/Mit_Reaktionaren/Laska/laska.html

Was aber nicht nur eine schlechte, sondern eine absolute Falschdarstellung und eine regelrechte Verkehrung Töpfers Position ist, ist, wenn Kumpmann schreibt: „Töpfer bringt einen interessanten Gedanken: Aufklärung und Gegenaufklärung dekonstruieren höhere Religionen und Ideologien, lassen nur reine Triebe übrig – die ebenso hohl sind.“ – Ich sage nicht nur nicht, daß „Triebe hohl“ seien, ganz im Gegenteil sage ich, daß „Triebe“ (ich verwende dafür den fast sinngleichen Begriff „Bedürfnisse“) nicht nur Fülle und Ausgefülltsein spenden, sondern uns den Sinn des Lebens verschaffen.

Kumpmann weiter: „Alles kommt aus dem Nichts und geht ins Nichts. Daraus entsteht nach Töpfer eine Leere, ein Gefühl des Nichts als Urgrund.“ – „Ein Gefühl des Nichts als Urgrund“ gibt es bei mir wohl, aber dieses Gefühl ist etwas Sekundäres, ist das des zerstörten „Eigners“ (Stirner). Des total entfremdeten Normalzivilisierten „Urgrund“ ist tatsächlich ein Gefühl des Nichts. Aber dieses Nichts ist keine ontologische Konstante, sondern das Resultat von Bedürfnisdeprivationen, die zur Zerstörung des „Eigners“ führen. Wir sind nicht Nichtse aufgrund kosmisch-esoterisch-essenzieller Betrachtungen, sondern sind auf irdisch-exoterisch-existenziell gut nachvollziehbare Weise Nichtse. Darin liegt wiederum keine Ontologisierung und keine Anthropologie, sondern reine Empirie.

Da Kumpmann Töpfer vollständig mißversteht (und schon von daher sein Buch gar nicht gelesen haben kann) und falsch, von der Bedeutung her gegenteilig wiedergibt, bringt er Töpfer nun folgerichtig mit einer esoterisch-philosophischen „Kyoto-Schule“ in Zusammenhang – ein weiteres Puzzlestück seines chaotischen Kopfes (das meine ich, ich wiederhole es, nicht unbedingt negativ). Diese „japanischen Philosophen verbinden Heideggers Existenzangst mit dem zen-buddhistischen ‚absoluten Nichts‘ (Sunyata) und unterscheiden zwischen relativem Nichts (das Fehlen von Etwas) und absolutem Nichts (das undefiniert ist)“.

„Kyoto“ und „Sunyata“ erinnern an „Advaita Vedanta“ – der „Weg“ einer indischen Schule –, mit dem Dugin per „Selbsttranszendenz“ das Nichts angehen will.[xi] Dazu schrieb ich an anderer Stelle: „Unser Gegenvorschlag lautet: anstatt Selbsttranszendenz (als das Über-sich-Hinweggehen: noch mehr Abgehobenheit) – radikale Immanenz. Unterwinden anstatt Überwinden.“[xii])

Jetzt ähnelt dieses „absolute Nichts“ tatsächlich jenem „Urgrund“ des Zivilisierten („Fragen nach Geburt, Tod und Sinn kreisen um dieses absolute Nichts, das Quelle allen Tuns und Seins ist“), aber dieser „Urgrund“ ist eben doch kein Urgrund. Unter ihm ist die wirkliche Quelle allen Tuns und Seins: das Etwas. Die „Undefiniertheit“ des „absoluten Nichts“ rührt nur von der Verdrängung seiner selbst durch Verdrängung des Urschmerzes her: Jetzt weiß der Zivilisiere nichts mehr, hat es mit sich selbst als etwas Diffusem zu tun. Die heidegger’sche „Existenzangst“ ist keine Angst vor der Existenz, sondern vor dem Urschmerz. Das „absolute Nichts“ ist funktionell identisch mit der Zerstörung des Eigners. Nur weil der Eigner zerstört ist, wird die Welt nicht zu einem Nichts; und der verdrängte Eigner kann auch wieder entdrängt werden und ein Etwas werden.

Daß Kumpmann Töpfer mit esoterischen Spinnern in Zusammenhang bringt, ist aber kein Wunder, da beide – Töpfer und die Spinner – eine Lösung vorschlagen und sich diese Lösung auf den ersten, oberflächlichen Blick sogar ähneln, aber eigentlich diametral entgegengesetzt sind. Bei den esoterischen Spinnern wird aus der Not der bereits gefühlten und schon vorhandenen „Leere“ und dem „Gefühl des Nichts“ über den Weg des „Akzeptierens“ – das in Realität aber nichts anderes als eine Resignation ist – einfach eine Tugend gemacht wird. Diesen Vorgang, der eine Scheinlösung des existenziellen Problems ist, nennt Töpfer „Überwindung“. Bei der angeblichen Zerstörung des Egos entsteht ein Über-Ego, in dessen Glanz sich der „Kyoto“-Schüler sonnt und für nirvanisiert hält. Kumpmann: „Töpfer gelangt zu ähnlichem Schluss.“

Aber Töpfer lehrt die „Unterwindung“ – also genau das Gegenteil. Auch er akzeptiert. Aber im Unterschied zu allen philosophischen, esoterischen und spirituellen Überwindern folgt aus diesem Akzeptieren hier, daß er jetzt das Gefühl zuläßt, das mit dieser Nicht-Identität einhergeht und unter dieser Leere liegt, weil es nun mal sein wahres Gefühl ist. Das ist der präzise Moment der Ciskognition. Und dieses Gefühl ist ein unangenehmes und qualvolles; es ist, je mehr man es zuläßt und wahrnimmt, Leid und am Ende purer Schmerz – Urschmerz: das Gefühl, das bei Vernichtung entsteht. Es ist zwar ein negatives Gefühl, aber eins, das als erstes instantan die Leere und das Nichts ausfüllt, gleichzeitig aber positive Gefühle ermöglicht. „Überhaupt Gefühle!“, lautet das Motto. Die schmerzliche Wahrheit führt in das Etwas zurück. Das Ego – das falsche Ich, das sich selbst verarscht und von den Liberalen verarscht wird – wird dabei in der Tiefenwahrheit nicht zerstört, weil in ihm der Rest-Eigner schlummert. Im Gegenteil wird es bejaht und fällt dann spontan weg, macht dem „Eigner“ Platz; dies nach dem Motto: Der Krug geht zum Brunnen, bis er zerbricht. Jetzt beginnt die Nichtung des Nichts.  

„Töpfer fordert“, so Kumpmann, „Affekte und Gefühle als der Vernunft ebenbürtig zu sehen.“ – Das ist nicht ganz richtig, weil es die Gefühle zwar in eine Ranggleichheit mit der Vernunft, aber in Opposition zur ihr stellt, was Töpfer nicht tut. Gefühle in Stellung gegen die Vernunft zu bringen, ist eine falsche Dichotomie. Töpfer sagt: Gefühle sind vernünftig und passen perfekt in das aus Kognitivem, Emotionalen und Korporellen bestehende Gesamtgeschehen einer Zielverfolgung (Bedürfnisbefriedigung, Interessenwahrnehmung). Sie werden nur irrational, wenn sie unterdrückt werden.

Kumpmann: „Töpfer meint, die neue Aufklärung solle nach Dekonstruktion des Irrationalen nichts Rationaleres aufzwingen, sondern lehren, mit der Leere zu leben.“ – Das mit dem Aufzwingen stimmt, aber alles andere ist eine Falschdarstellung Töpfers. „Mit der Leere zu leben“ ist der Weg („Dao“) der Esoteriker, besonders aber von Verzichtsphilosophen wie Schopenhauer. Die Neue Aufklärung geht den gegenteiligen Weg: Sie lehrt nicht, „mit der Leere zu leben“ (mit ihr „umzugehen“), sondern die Leere mit dem Etwas der Gefühle auszufüllen.

Kumpmann findet es „sinnvoll“, „mit der Leere zu leben“: „Wenn Werte subjektiv und Rationalisierungen von Trieben sind, ist rationaler Rat nur der Versuch, den ‚Patienten‘ für Triebe des ‚Therapeuten‘ zu lenken, statt Freiheit zu fördern.“ – Kumpmann versteht „Leere“ als Widerstand gegen die Heteronomie in Form von Präskriptionen und Normativismen seitens der Psychologen. Diese „Leere“ soll rein bleiben. Sein Impetus ist völlig richtig. Er will nichts Fremdes in sein Inneres eindringen lassen. Aber dieses Innere muß keine Leere sein. Noch mehr Widerstand gegen die Heteronomie und noch mehr Eigensinn erwächst aus beginnender Fülle, aus eigenen Gefühlen: Ich lasse mich nicht länger verarschen.

Wo aber Kumpmann durchaus recht hat, wenn er dem „mit der Leere zu leben“ einen Sinn zuspricht, ist: Das Wachstum des Etwas und des Eigners kann nur in der Wahrheit beginnen: beim Ist-Zustand. Und der ist das Nichts. Deshalb ist für Dugin der Tod auch völlig zurecht der Ausgangspunkt seiner Vierten Politischen Theorie.[xiii] Mit diesem Ist-Zustand muß sich hundertprozentig identifiziert werden; nur ihn ihm kann die zarte Pflanze des Minimal-Eigners anfangen, zaghaft zu sprießen, und dann nach und nach in weiteren Stunden der Tiefenwahrheit gedeihen. Die Leere birgt tatsächlich das Sinnvolle, nur kann der Sinn nicht durch Überwindung entstehen, sondern nur durch Unterwindung: wenn nämlich das Gefühl der Leere wahrgenommen wird: Ich bin ein Nichts – und das ist schlimm und ungerecht, ein Verbrechen; ich leide darunter, das darf nicht sein! Das mobilisiert den Willen, etwas und jemand zu sein oder wieder zu werden. Nur das „fördert die Freiheit“, wie Kumpmann es ausdrückt, und zwar hier gegen das „Lenken der Therapeuten“ – ein in der Tat verheerender Einfluß der Psychologie auf das Subjekt[xiv]. Wenn man dieses „mit der Leere zu leben“ als aktives Wahrnehmen der Leere und Akzeptieren dieser Wahrheit versteht, dann bin ich mit Kumpmann einer Meinung – aber nur, wenn auf dieses Akzeptieren eine Reaktion erfolgt. Die Daoisten predigen dagegen die Nicht-Reaktion, das Still-werden, die tödliche Ruhe, den endgültigen Verzicht.

Daß Kumpmann auf einem sehr guten Dao ist – nämlich auf einem des Nicht-Verzichts –, für den ich ihn schon in meinem Vorwort zu Dugins Buch „Eurasische Mission“[xv] gelobt habe, zeigt er hier: „Nach 15 Jahren Incel-Sein und fragwürdigen Ratschlägen von wegen Liebe sei unwichtig, baute ich mit Evola, Reich, Freud, Tantra ein Weltbild, wo Liebe Schlüssel zur Erleuchtung und Erlösung ist.“ – Der Schlüsselgedanke ist: „von wegen Liebe sei unwichtig“. Er läßt sich das Etwas und das Sinnvolle nicht länger ausreden, er läßt sich nicht länger verarschen – bravissimo! Sehr zurecht „mochte [Kumpmann] Aufklärung nicht; Kant schien Tyrann, der Menschen zu Robotern brechen wollte. […] Daher identifiziere ich mich mehr mit dieser neuen Aufklärung.“ Kumpmann sieht jetzt deutlich den Unterschied von Alter und Neuer Aufklärung – willkommen im Klub! Töpfer aber verdammt die Alte Aufklärung nicht, er lobt ihre kognitive Konsequenz und Rationalität, kritisiert nur an ihr, daß sie nicht auch die Rationalität der Gefühle sprechen lassen hat, daß sie die Integralität des Rationalen – das Pan-Rationale – nicht gesehen hat, daß sie das Kognitive nicht durch das Emotionale ergänzt hat, daß sie die Gefühle nicht ins Rationale integriert hat.

Leider nur verwässert Kumpmann seinen guten Dao („Pfad“) dann wieder, indem er Töpfer erneut falsch interpretiert und darstellt und dessen „Praxis“ zwar richtig als „linken Pfad“[xvi], dem der „Befreiung“ (ich als Antiliberaler würde sagen: Aneignung, ansonsten ist das absolut zutreffend), bezeichnet, sogleich aber von der „Befreiung“ als einer „vom Demiurgen durch Kontemplation und Mönchsweg“ spricht – „wie in koreanisch-buddhistischer Existenzialphilosophie: Erforsche gedanklich Leid (Haan), erkenne dich selbst dadurch, und befreie dich“. – All das verkehrt Töpfer ins Gegenteil: keine Kontemplation, keine Meditation, keinen Mönchsweg! Töpfer ist durch & durch Westler, nicht Ostler – im wahrsten Sinne des Wortes durch & durch (bis auf die Knochen und die Gedärme) Aufklärer und nicht Verklärer.

Kumpmann kritisiert an Töpfer dessen „starke Ablehnung von Religion und Tradition“[xvii]. Das ist nicht richtig: Ich bejahe beide und habe das immer wieder unter Beweis gestellt, u.a. in den drei Teilen „Das Heilige“[xviii] in meiner neunteiligen Video-Reihe „Dugin Heimat“[xix].

Ich lege abschließend großen Wert darauf zu sagen, daß ich nicht sage, daß Kumpmann falsch liegt und unrecht hat: Er geht eben seinen eigenen Pfad, und das ist richtig so. (Natürlich bewerte ich seinen eklektizistischen Mischungspfad, der ihn auf den west-östlichen Divan führt, aus meiner Sicht.) Ich sage nur: Er stellt mich und mein Buch in seiner Rezension falsch darf.

P.S.:

Kumpmanns Rezension ist am 3. März 2026 erschienen. Inzwischen hat es am 20. Mai 2026 anläßlich des Erscheinens meines Videos „Keto, Depression und Rettung des quasi-vernichteten Ichs durch Tiefenwahrheit. Gegen die endgültige Vernichtung des Rest-Ichs durch Spiritualität und die esoterischen Ideologien von Verzicht und Gleichgültigkeit“[xx] zwischen Kumpmann und mir eine produktive öffentliche Diskussion[xxi] gegeben, in deren Licht meine hier geübte Kritik an ihm etwas harsch und als zu relativieren und zu revidieren erscheint. Kumpmann „mißversteht“ Töpfer nicht „vollständig“, wie es weiter oben heißt; er ahnt meinen Ansatz durchaus, stellt ihm seinen entgegen; am Ende nähern wir uns einem gemeinsamen Nenner.

Kumpmann:
Liberalismus 1.0 nach dugin: die schizophrenisierung der postmoderne ist was schlechtes. Wir müssen die aufhalten.
Ich: das ist schon passiert. Wir können das nicht mehr aufhalten. Wir müssen mit buddhismus, Crowley etc. einen Weg finden damit zu leben und das gröbste einzudämmen.
Du [: es ist schon passiert aber mit psychoanalyse, Selbstverständnis und traumaarbeit können wir das ganze wieder rückgängig machen und sowohl den pflichtgesteuerten Automaten a la Kant als auch den schizophrenen a la deleuze überwinden

Töpfer:
Guter Versuch, die Dinge auf den Punkt zu bringen!, aber …:
Dugin: die schizophrenisierung der postmoderne ist was schlechtes. Wir müssen die aufhalten.
=> Absolut richtig, kann gar nicht oft genug betont werden!! Da hat Dugin mit dem „radikalen Subjekt“ einen extrem wichtigen Stichpunkt gegeben. Leider nicht mehr, hat sich dann schwerpunktmäßig auf andere Dinge verlegt. Ich habe die Sache mit der Radikalisierung des Radikalen Subjekts weiter verfolgt und eine ganze Video-Reihe mit sieben Teilen gemacht, leider völlig unbeachtet, genug gepredigt, Perlen vor die Säue.
Das ist schon passiert. Wir können das nicht mehr aufhalten. Wir müssen mit buddhismus, Crowley etc. einen Weg finden damit zu leben und das gröbste einzudämmen.
=> Trauriger Defaitismus (den ich aber verstehen kann). Das ist der völlig falsche Weg.
[Töpfer sagt angeblich:] Es ist schon passiert aber mit psychoanalyse, Selbstverständnis und traumaarbeit können wir das ganze wieder rückgängig machen und sowohl den pflichtgesteuerten Automaten a la Kant als auch den schizophrenen a la deleuze überwinden
=> Eben NICHT mit Psychoanalyse!! Du sagst immer, du siehst in meine Videos hinein; aber da müßtest du doch mal langsam kapieren, daß Tiefenwahrheit überhaupt nichts mit Psychoanalyse zu tun hat (höchstens mit dem ganz frühen Breuer). Und Überwinden findet in der Tiefenwahrheit schon mal gar nicht statt, nur Unterwinden. Das predige ich nun auch schon seit Jahren – umsonst.

Kumpmann:
Ich nutze hier Psychoanalyse eher als überbegriff für ne bestimmte Denkweise und nicht für Freuds konkrete Theorie. Freud ist bei dir höchstens ganz frühe Grundlage.
Trotzdem ist dein Ansatz, Trauma und Blockaden zu erforschen und so zu kapieren wer man ist und warum man so ist, schon im Grundsatz psychoanalytisch.
Du versuchst nicht über Lohn und Strafe verhalten umzuprogrammieren wie die behavioristen oder wie die kognitivisten Gedankenmuster umzuprogrammieren, um ne oberflächliche stimmungsaufhellung zu erzwingen. Stattdessen passt du trotzdem immer noch am ehesten in die Psychoanalyse. Jedoch mehr mit focus auf Gefühl und körpertherapie.
Grob würde ich sagen, dein therapeutisches „Grundproblem“ was du lösen willst ist auch de facto alexithymie (man hat Gefühle und Empfindungen die aber nicht total integriert und verstanden werden weil es eine art bruch zwischen Körper und Instinkt auf der einen und höherer hirnfunktion auf der anderen Seite gibt und du willst den bruch quasi reparieren.)

Töpfer:
Ich verstehe, wie du das meinst mit „Psychoanalyse“, und du liegst nicht ganz falsch. Aber das ist irreführend in meinem Falle; Tiefenwahrheit hat wirklich überhaupt nichts mit „bestimmten Denkweisen“ zu tun und ist überhaupt nur eine Praxis, keine Theorie; sie kommt gänzlich ohne jegliche Theorie aus; sie ist erst recht überhaupt nicht zu verallgemeinern oder theoretisch zu abstrahieren; es gibt so viele Tiefenwahrheiten, wie es Menschen („Einzige“, Stirner) gibt. Wenn es eine geistesgeschichtliche Verwandtschaft oder Kontinuität gibt, dann ist das viel eher Stirner und dann die Phänomenologie als Freud (ohne freilich das sinnlose Kauderwelsch Heideggers); das nenne ich im Buch „die (primitiv-)philosophische Herangehensweise“ in der Tiefenwahrheit. Niemand soll ich sich einer Therapie oder gar einer Psychoanalyse aussetzen oder an sich psychologisch herangehen, immer „(post-)philosophisch“. Nein, auch in dem von dir verwendeten Sinne ist die „Psychoanalyse“ nicht mein Ansatz; ich erforsche auch nicht Blockaden und Traumata, sondern bin nur im Hier & Jetzt (insofern viel eher bei Perls) und verschmerze Traumata unmittelbar, ohne „Forschung“ – in einer rein phänomenologischen Praxis.
Aber ich selbst stelle manchmal aus Gründen des Verständlich-machens Verbindungen und Parallelen zu Theorien her, das stimmt; du tust ja nichts anderes; man denkt eben oft in bereits existierenden Begriffen und will in ihnen bleiben. Man sollte aber kenntlich machen, daß man nur aus Verständnisgründen analogisiert, sonst subsumiert man es fälschlich unter etwas, wo es wirklich nicht hingehört.

Kumpmann:
Das klingt extrem gut.

# # #

Michael Kumpmanns Erwiderung auf meine Reaktion auf seine Rezension.


[i] https://www.geopolitika.ru/it/article/max-stirner-e-la-verita-profonda, https://www.multipolarpress.com/p/max-stirner-and-depth-truth

[ii] https://tiefenwahrheit.de/max-stirner-tiefenwahrheit-bernd-a-laskas-lsr-projekt-neue-aufklaerung/

[iii] Text: https://nationalanarchismus.de/Nationalanarchismus/teheran_holocaust_konferenz_1/den_westen_retten/den_westen_retten.html; auf russisch: https://blog.peter-toepfer.de/dokumente/peter-toepfer-den-westen-retten-vortrag-holocaust-konferenz-teheran-2006-russisch/; Video: https://www.youtube.com/watch?v=XN5O5EgkPH8 oder https://odysee.com/@toepfer-peter:7/peter-t-pfer-save-the-west-speech-at-the:f, https://blog.peter-toepfer.de/grundsaetzlich/holocaust-konferenz-teheran-2006/; siehe auch Töpfers Buch „Den Westen retten“ (2006): https://faultierfarm.net/produkt/den-westen-retten/

[iv] https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-radikale-aufklaerer-und-gegenaufklaerer-vereinigt-euch-20-8-2022/ 

[v] https://www.lsr-projekt.de/Max-Stirner-Psychologe.html

[vi] Bernd A. Laska: Ein dauerhafter Dissident, 150 Jahre Stirners „Einziger“. Eine kurze

Wirkungsgeschichte, Nürnberg 1996, S. 103/104

[vii] https://www.youtube.com/watch?v=wqJwD7p2_fw

[viii] https://blog.peter-toepfer.de/allgemein/was-ist-post-philosophie-was-ist-tiefe/, https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-das-radikale-subjekt-als-katechon-20-04-2022/, https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-post-philosophisches-vorwort-zu-tiefenwahrheit-in-aktion-teil-1-das-auftauen-aus-oedem-stumpfen-in-die-lebendigkeit-24-07-2021/

[ix] Friedrich Wilhelm Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände (1809)

[x] Martin Heidegger: Schellings Abhandlung über das Wesen der menschlichen Freiheit 1971.

[xi] Schriftliches Vorwort zur Video-Reihe „Rekonstitution und Radikalisierung des nihilisierten Subjekts“: https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-psychologie/individual-post-psychologie/peter-toepfer-schriftliches-vorwort-zur-video-reihe-rekonstitution-und-radikalisierung-des-nihilisierten-subjekts-31-07-2022/

[xii] https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-das-radikale-subjekt-als-katechon-20-04-2022/

[xiii] Der Tod als Ausgangspunkt für die Vierte Politische Theorie. Schriftliches Vorwort / Kommentar zu “Dugin Heimat” 9. Teil “Landschaft des Sterbens, Ort des Todes”: https://tiefenwahrheit.de/videos/video-reihe-dugin-heimat/kommentare-zur-video-reihe-dugin-heimt/schriftliches-vorwort-kommentar-zu-dugin-heimat-9-teil-landschaft-des-sterbens-ort-des-todes/

[xiv] Vgl. Objekt-orientierte Óntologie und Entfremdung. Der verheerende Einfluß der Wissenschaft – insbesondere ihrer Disziplin Psychologie – als Objekt-Orientierung auf das Subjekt. Für die Subjekt-Orientierung und darüber hinaus das Ón! (Hängt zusammen mit “Dugin Heimat” 5: Das Heilige (1) und seine Entweihung durch Technik: https://tiefenwahrheit.de/weitere-texte/text-fassungen-dugin-heimat/text-version-dugin-heimat-5-das-heilige-1-und-seine-entweihung-durch-technik/)

[xv] Das Radikale Subjekt als Katechon. Vorwort zu Alexander Dugin: Eurasische Mission, deutsche Ausgabe, London 2022: „Es ist die Verfaßtheit des Individuums, die an der Basis aller sozialen und politischen Geschehnisse durch die Geschichte hindurch liegt. Der Zusammenhang von Makro- und Mikrostrukturellem wird von den deutschen Duginisten Alexander Markovics und Michael Kumpmann in ihrem Video ‚Sinnsuche im Wahnsinn des Liberalismus 2.0‘ vorexerziert. Kumpmann geht dort ins Subjektivste und Intimste und bringt das dann sowohl mit seiner Stellung in der Gesellschaft als auch mit der Vierten Politischen Theorie in Verbindung, die ihn zu einer Verbesserung seiner Lage (größere Zufriedenheit) verholfen hat.“ Video „Sinnsuche im Wahnsinn des Liberalismus 2.0“: https://youtu.be/DTyzGdg_8OI?fbclid=IwAR32rTmHBEK-2ph0QT4MR2aNIeLNHkTmYabEpVBPt7HGsZCSugKRb6diL2E

[xvi] Töpfer: Alexander Dugin, das Große Erwachen und das Radikale Subjekt – die libertäre Linke meldet sich: bereit!, insbesondere Kapitel insbesondere Kapitel „Rußlands führende Rolle beim Great Awakening. Den Westen retten!“: https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-alexander-dugin-das-grosse-erwachen-und-das-radikale-subjekt-die-libertaere-linke-meldet-sich-bereit/

[xvii] https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-linker-traditionalismus/

[xviii] https://tiefenwahrheit.de/videos/video-reihe-dugin-heimat/kommentare-zur-video-reihe-dugin-heimt/kommentar-zu-dugin-heimat-5-das-heilige-1-und-seine-entweihung-durch-technik/, Siehe auch Töpfer: Das Heilige und das Authentische https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-psychologie/individual-post-psychologie/peter-toepfer-das-heilige-und-das-authentische-17-09-2022/

[xix] Töpfer: Rekonstitution und Radikalisierung des nihilisierten Subjekts. Das Entstehen von Zugehörigkeit – die Entdeckung der Heimat. Zu Alexander Dugin: >>Eurasische Mission, London 2022. Mit einem Vorwort „Das Radikale Subjekt als Katechon“ von Peter Töpfer“ (https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-philosophie-2/peter-toepfer-das-radikale-subjekt-als-katechon-20-04-2022/)<< (Kurz: „Dugin Heimat“: https://www.youtube.com/playlist?list=PLvnPNlSwjOOn2gUcwj8p0Xq7seuI90QMb, https://tiefenwahrheit.de/videos/video-reihe-dugin-heimat/, https://tiefenwahrheit.de/weitere-texte/text-fassungen-dugin-heimat/text-vorwort-zur-video-reihe-dugin-heimat/, https://multipolaristen.de/multipolaristen/post-psychologie/individual-post-psychologie/video-reihe-dugin-heimat/)

[xx] https://tiefenwahrheit.de/ketogene-ernaehrung-und-depression/

[xxi] https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid0NULmzN8NtR6W5azYGZswYoUsX7m5g4oAdtCNT7JaGJsTeS6TVsKY7nqb9A8htNAyl&id=100015611594058
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