Kompletter Text samt Überschriften (Kapitel und Abschnitte), Kommentaren und Analysen
Das ganze, unbearbeitete Video
Die Zusammenfassung der Liegung
Titel der Liegung:
2017_10_11 KI Nach Besuch der Freunde – Nicht-Wissen vs Wissen-wollen – einsichtsvolles langes Erörtern trotz überwältigender Angst und verinnerlichter böser Stimme – Zusammenhänge Angst Nicht-Wissen Entfremdung Traurigkeit nicht mehr nur Bauch – Rebellion Wut – Freunde als freundliche Fremdsteuerung wissen mehr als ich helfen geben mir Wissen
Formatierung zur besseren Lesbarkeit:
Überschriften:
Kapitel sind IN GROSSBUCHSTABEN
Abschnitte sind fett
Kommentare und Analysen sind (fett in Klammern gesetzt und kursiv)
Synchroschlag ?
Ah.
1.44 Beginn
Ronald: Ja, Ronald.
Ja, hörst du mich? Ja?
Ronald: Ist laut, ja?
Ja, es ist eher wieder zu laut, aber ist also okay.
Ronald: Gut, ja.
Gut. So, erstmal alles zurechtlegen hier jetzt schnell noch. Du hörst mich ja? Hallo?
(längere Pause) (Man hört die Katzen im Hintergrund) Technische Probleme
4.14 Neubeginn
Ronald: Ja, Peter, da war eine Unterbrechung bei dir
Ja plötzlich war es irgendwie weg. Gut.
Ronald: Ja, ich hab hier nichts gemacht, das muss bei dir gewesen sein.
Ich muß irgendwie dran gekommen sein hier an das Gerät. Du hörst mich noch gut, ja?
Ronald: Relativ gut, ja.
4.39
Okay. Ich habe das gleich mal ausgenutzt und hab meine Katzen erstmal rausgeschmissen. Die haben hier rumgemaunzt.
Ronald: Ja, das ist nicht gut, das musst du dann vorab machen bei der nächsten Sitzung. Die können wir dann auch ins Gerät springen oder so.
Nee, nee, nee, nee, die waren draußen, weißt du, aber durch die Tür habe ich sie gehört. Dann habe ich sie ganz aus dem Haus rausgesperrt.
Ronald: Jetzt ist die Verbindung wie so ein bisschen distanziert und leise. Ich höre dich zwar noch, aber nicht mehr so klar und deutlich.
Mmh, hallo? Komisch. Mhm.
So – ist es gut so?
Ronald: Ja, mach mal weiter so. Ich kann dich hören, ja,
Gut.
Ronald: Wenn ich dich gar nicht mehr hören kann, dann sage ich dir schon.
Gut.
(Ausatmen)
(Gähnen)
1. NICHT-WISSEN MIT TRAURIGKEIT
5.51 Grund des Anrufs (siehe 27.15)
(ziemlich sachlich, überlegt) Der Grund, warum ich anrufe, ist … (Atmen) – warte mal.
(Pause)
6.13 Schon wieder und wieder einmal keine Notizen auf Zettel gemacht!
Ah, ich hab alles so wieder …, ich hatte eigentlich alles gut parat, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich es aufschreiben muss. Ich dachte, das ist alles gut, aber jetzt, wo soweit ist, hätte ich mir doch mal aufschreiben sollen. Aber ich komme bestimmt wieder drauf zurück. (Atmen)
6.31 Dauerthema Nicht-Wissen
Na, es ist so: Ich weiß eigentlich gar nicht … – na ja, ist immer dasselbe, aber es ist egal –, ich weiß eigentlich …, ich weiß eigentlich gar nicht so genau, was mit mir ist, in welche Lage ich gekommen bin, was gut ist, was nicht gut ist für mich, was ich tun sollte, was ich nicht tun sollte.
(Pause)
7.00
Es ist so ein bisschen wie … (Pause) – na ja, ich muss es leider immer wieder, immer wieder dasselbe sagen, aber ich …
Ronald: Das ist okay, Peter, klar, solange es da ist, musst du es auch sagen immer wieder, ja.
Okay, (Lachen) es ist bestimmt furchtbar langweilig, aber es ist leider so.
Ronald: Nein, mir macht das nicht – im Gegenteil. Mmh, du musst mit dem raus, was da ist und was du hast.
Mhm, aber es ist immer dasselbe.
Ronald: Das ist bei meinem anderen Patienten, bei dem einen z. B. auch immer dasselbe.
Hm. (leicht traurig)
Ronald: Der fragt mich auch immer – auch eine andere Patientin von mir –, ob ich sie (sic, sie mich) langweile, weil sie immer das Gleiche ist. Ich sage: „Nee, das langweilt mich nicht.“ (Lachen) Und das bei dir ist das Gleiche. Das langweilt mich bei dir auch nicht.
Mhm. (Ausatmen)
(Pause)
(Gähnen)
8.01 Sitzung ja oder nein? (Siehe letzte Sitzung)
Ich könnte immer dann so weiterwursteln, weißt du? Es ist dann immer die Frage: Rufe ich an oder rufe ich nicht an? Und dann wurstele ich rum und habe was zu tun so ein bisschen und hier was im Garten und da irgendwas zu tun. (entlastendes Ausatmen)
8.25 Nur Gefühl Traurigkeit – Mißtrauen, Unsicherheit, Nicht-Wissen
Ich werde schon wieder traurig. (Weinen) Ah, und dann frage ich mich immer sofort wieder: Was ist denn das? Ist das …, spiele ich hier was, oder … (Weinen) (Vor-Urschmerz) oder bin ich wirklich traurig oder … Worüber bin ich überhaupt traurig? – Ich weiß es gar nicht.
9.00 Verstehen: Nicht-Wissen logisch (Gedanke blieb wohl unausgesprochen)
Aber das scheint ja irgendwie Sinn zu machen, dass ich das nicht weiß, weil das scheint ja mit dem …, das scheint ja dem zu entsprechen, was ich gerade sagen wollte: Dass ich überhaupt nicht … (Weinen), überhaupt nicht weiß …, überhaupt nicht weiß, was ich machen soll oder wer ich bin oder was ich tun sollte.
Traurig über ein bißchen Eigner, Fortschritt, …
Ich meine …, andererseits ist mir schon das klar, was wir letztens auch so sagten: dass es ja aus mir herauskommen soll und dass es irgendwie was Sinnvolles sein soll oder was ich gern tue oder so. (Weinen)
9.49 … aber Eigner ist zu klein: autonomie-unfähig, keine Eigensteuerung
(Weinerlich-traurig) Das weiß ich schon einigermaßen, aber scheinbar gibt’s da nicht genug. Oder scheinbar ist es nicht – ja, nicht genug da, dieses Gefühl, wo man genau weiß, wer man ist und was man will und wie man es machen sollte, was man machen sollte am besten. – Und bei mir ist das irgendwie gar nicht da. (Weinen) Ja.
Ronald: Das ist schon traurig auch, Peter. Und ich weiß genau, deine Traurigkeit ist auch echt. Das kann ich ja hören, das fühle ich auch.
Ja.
Ronald: Lass dich ruhig weinen, wenn du traurig bist.
(Weinen) Ja.
10.46 Ich nehme Sitzungen, um das Nicht-Wissen zu vertreiben und die Gefühle als Wissensgeneratoren einzusetzen
Ja, und dann …, das ist auch dann das Entscheidende, warum ich dann immer auch anrufe: dass ich mir sage: Na, Peter, die Gefühle rauszulassen und die Gefühle zu verstärken dadurch, dass du sie rauslässt oder so oder dass sie dir bewusst werden, das kann ja nur nicht so verkehrt sein. Das ist dann das einzige …, der einzige, der ausschlaggebende Grund dann, warum ich dann sage: Okay.
11.11 Gleichgültigkeit, halbe Sache, Begnügen mit Mittelmäßigkeit
Ja. Aber was mir …, was mir jetzt gerade einfällt: Was immer dagegen spricht, ist immer so eine „Leck mich am Arsch“-Stimmung oder Haltung: Ach, das ist das sowieso alles egal, oder: Lass mal alles so, wie es ist, ändere da jetzt nichts mehr dran, sieh zu, dass du … – das ist schon okay.
11.33 Grund für Sitzung: Milchglas, Nicht-Dasein – (Vor-Urschmerz)
Ja, und dann fällt mir auch der dritte Punkt ein: Alles, was ich tue, ist so wie durch Milchglas oder … Ah, da hatte ich eben ein gutes Bild, aber es ist wieder weg. Es ist so, als ob …, na ja, es ist immer wieder dasselbe: als ob ich nicht da bin, als ob ich nicht wirklich da bin (Vor-Urschmerz) , als ob ich nicht… (Vor-Urschmerz) (Röcheln) (Weinen)
12.39 Störgeräusch
Jetzt habe ich dich gerade wieder so deutlich gehört – irgendwas… – dieses physikalische Phänomen, weißt du, wovon wir gesprochen haben letztens.
Ronald: Das Rascheln oder was?
Ja, jetzt war wieder so ein Geräusch, aber okay, ist nicht so schlimm. Aber ich will es dir kurz sagen.
Ronald: Hm.
(Ausatmen)
12.57 Weiter Nicht-Dasein
Es ist immer wieder dasselbe: dass ich nicht eindeutig da bin und kein …, kein wirkliches Gefühl habe für mich oder für die Tatsache, dass ich da bin. Ich bin …, ich kann es einerseits nicht leugnen, aber alles, was ich tue, alles, wo ich mich bewege, alles, was ich tue – das ist so (Pusten) beliebig: Es könnte auch was anderes sein – es könnte auch was anderes sein in dem Moment. Ich bin mir gar nicht sicher! Das ist doch nicht normal, oder?
Ronald: Das ist nicht normal, Peter.
Nee, gut, okay. Und ich bin dann so wie – na ja, was ich auch immer wieder sage –: so abgehoben, ich beobachte mich selber, komme mir vor wie so durch Milchglas: dass ich mich selber so sehe oder … Ich bin irgendwie abgeschnitten oder abgehoben oder (Seufzen) (Weinen) (Pusten) gar nicht eindeutig da.
2. SPRECHEN ÜBER UNGEFÜHLTE, SCHRECKLICH-BEDROHLICHE ANGST
14.10 (Vor-Urschmerz) wegen Gleichgültigkeit und Resignation wegen Angst vor dem Leben. Begnügen mit Mittelmaß
Und dann habe ich so eine riesige Angst vor dem Leben. Und dann kommt dann dasselbe: Wenn ich dann so das abwäge: Na, rufe ich heute bei Ronald an oder nicht? Dann wäge ich immer so ab (Weinen), und dann kommt immer so … (Vor-Urschmerz) , dann kommt immer so eine Stimme (Weinen), die sagt mir immer: Ach, lass doch alles so, wie es ist, und: Es ist doch alles gut so.
14.54
Es ist natürlich nicht gut so, aber die Stimme sagt mir das so.
Ronald: Hm.
(Vor-Urschmerz) wegen riesiger Angst
Und dann …, und dann habe ich eine riesige Angst. (Vor-Urschmerz) Und dann merke ich, wie ich eine ganz große Angst habe (Weinen) vor irgendwas, was ich gar nicht weiß oder kenne. (Weinen)
15.24 Riesige Angst vor dem, was herauskommen könnte
Ich weiß bloß (Vor-Urschmerz) (Wimmern), daß ich große Angst vor irgendwas habe: vor irgendwas, was rauskommen könnte in dem Moment, wo sich …, wo ich …, wo dieses ganze Negative, die ganzen negativen Erscheinungen, die ich gerade beschrieben habe, wenn die plötzlich aufhören würden und ich irgendwie sozusagen auf dem Boden der Tatsachen kommen würde oder ein Gefühl bekommen würde für mich selber – in dem Moment, da würde was passieren, oder davor würde was passieren, wovor ich riesige Angst habe.
16.11 Gleichgültigkeit aus Angst
Und dann sage ich mir: Ach, lass doch alles beim Alten, es ist alles okay, lass es so, wie es ist, berühre nichts mehr, berühre nichts!
16.20 Kleine Eigner-Stimme hält dagegen – ist aber zu schwach gegen die starke Angst-, Gleichgültigkeits- und Mittelmaß-Stimme: Nichts berühren!
Ja, und dann kommt dann neben eine andere kleine Stimme (Seufzen), die das Gegenteil sagt, die sagt: Na ja, nee, nee, bleib da dran! Aber im Prinzip …, im Prinzip ist die andere Stimme viel stärker eigentlich, die alles so lassen will und überhaupt nichts mehr in Bewegung oder in Bewegung bringen will oder berühren will oder – ja, an…, wie sagt man? – berühren will, genau, …
Ronald: Hm.
… wo nichts mehr berührt werden soll.
17.05 Nich-Wissen Grund für Angst außer Angst vor Frauen
Ja, und dann merke ich, wie ich eine riesengroße Angst habe, aber ich weiß gar nicht, wovor ich überhaupt Angst habe. Ich kann nur sagen: Die Dinge, wo ich weiß, wovor ich Angst habe, das ist nach wie vor so: Frauen – da habe ich eine Riesenangst. Immer, wenn irgendwie die Gelegenheit sich präsentiert, dann merke ich irgendwie, wie … – meine Kumpels haben mich letztens besucht, dann waren wir im Restaurant und so, die Bedienung, und das war so eine kleine, hübsche Frau, und für die habe ich …, die fand ich irgendwie süß und fand ich gut irgendwie.
17.40 Nur bei Möglichkeit einer Nähe zu einer Frau packt mich die Riesenangst, Entsetzen. Keine Hoffnung, nur Gewöhnung an Angst
Aber in dem Moment, wo sich das so als möglich darstellt, dass ich vielleicht mal da zurückkehren könnte oder noch mal hingehen könnte oder … – da packt mich eine Angst, da packt mich ein Entsetzen, dass das absolut …, absolut unmöglich ist, dass ich irgendwie auf eine Frau zugehen kann und irgendwie schäkern oder flirten oder irgendwas. Ich weiß, dass ich da eine riesige Angst davor habe! Ja, die Angst ist so groß, dass ich da jegliche Hoffnung verloren habe, oder dass ich mich dermaßen dran gewöhnt habe.
18.27 Andere Angst: Angst, Nasti zu enttäuschen oder endgültig diese Trennung zu vollziehen oder einen großen Schmerz bei ihr auszulösen
Dann die nächste Angst, die ich habe, ist das mit Nasti. Das …, ja, wenn ich jetzt sagen wir mal das berühre, was auch immer das ist, wovon ich gerade gesprochen habe – dass ich eben gar nichts mehr berühren will und dass ich gar nicht mehr will, dass sich irgendwas bewegt oder verändert oder sonst was –, dann hängt das auch damit zusammen, dass ich dann so eine Angst habe, Nasti zu enttäuschen oder endgültig diese Trennung zu vollziehen oder sie …, ja, sie zu enttäuschen oder einen großen Schmerz bei ihr auszulösen oder so. – Da habe ich auch eine tierische Angst davor, da habe ich auch tierisch Angst.
19.19 Alle Ängste bewirken Rückzug, Inaktivität und Gleichgültigkeit
Deswegen würde ich …, lass ich dann immer alles beim Alten und darf nichts berühren. Und insofern darf ich dann auch nicht anrufen bei dir oder eine Sitzung machen. – Das darf ich alles nicht machen, weil da irgendwas in Bewegung kommen könnte oder berührt werden könnte, was offensichtlich ziemlich schmerzlich ist oder so, weil ich davor tierisch Angst habe.
19.46
Dann merke ich richtig, wie ich Angst habe.
Ronald: Fühlst du denn die Angst in dem Moment auch tatsächlich, Peter?
Fühlen? Nee, ich merke sie nur. Ich weiß nur in dem Moment, dass ich Angst habe, aber fühlen kann ich jetzt nicht sagen. Ich …, ich merke, dass ich Angst habe, ja, ich weiß, dass ich Angst habe.
Ronald: Aber du fängst jetzt nicht an zu zittern oder dir wird kalt oder so?
Nee, nee.
Ronald: … im Magen oder so? Also emotional fühlst du die Angst nicht? Du merkst nur, dass du sie hast.
Ja.
Ronald: Okay, dann komme ich am Schluss noch mal zurück.
Mhm. (Pause)
20.28 Ich fühle die Angst nicht wirklich, bemerke sie nur, weiß nur um sie
Ich merke nur, dass ich eine große, große Angst habe (Pause), dass ich irgendwie was berühren könnte, dass irgendwas in Bewegung kommen könnte oder …, was … – weiß ich nicht – schmerzlich? – Keine Ahnung! Es muss ja irgendwie mit Schmerz oder was weiß ich verbunden sein, sonst hätte ich ja keine Angst davor.
Ronald: Richtig, ja.
3. ABSTAND ZU MIR SELBST, ENTFREMDUNG
21.00 Ich habe zweifelsfrei echte und eigene Gefühle, aber ich weiß nicht, warum ich diese Gefühle habe, bringe sie mit keinem Wissen in Verbindung
Ah. (entlastendes Ausatmen) Ja … (traurig) (Weinen) Und da fällt mir ein: Dieser Abstand, den ich zu mir selber habe. Ich habe so einen Riesen-Abstand zu mir selber. Ich weiß … Und dann kommen irgendwelche Gefühle die ganze Zeit, wo ich überhaupt nicht leugnen kann, dass ich das bin: Na klar bin ich das, der diese Gefühle hat. Aber gleichzeitig ist es …, sind die Gefühle mir selber fremd. Ich weiß: Ich kann das nicht einordnen. Ich weiß nicht …, ich weiß nicht, warum ich diese Gefühle habe.
4. VOR-URSCHMERZ ÜBER FREUNDE-BESUCH
22.09 Etwas Wissen: Traurigkeit (Vor-Urschmerz) über Freundesbesuch
Hier (ein) Beispiel, was mich so traurig macht und woran ich auch gerade so denken musste: Jetzt waren meine Freunde mich besuchen. (Weinen)
Freunde wollen mir helfen und Abstand von mir zu mir selber verkürzen
Was mich … , ich bin so ein bisschen …, ansatzweise weiß ich dann, warum ich dann traurig werde: weil …, ich weiß nicht (Weinen), die kümmern sich so um mich, die … (Vor-Urschmerz) – als ob die …, als ob die das merken, was mit mir nicht stimmt (Weinen), als ob die merken, was mit mir nicht stimmt und mir helfen. Das ist so, als ob die diesen Abstand von mir zu mir selber – als ob die diesen Abstand verkürzen wollen oder einreißen wollen oder auffüllen wollen.
23.45
Es kommt mir so vor (Weinen) … , es kommt mir so vor, als ob die diesen Abstand wettmachen wollen und dass die mir insofern helfen, irgendwie … (Weinen) (entlastendes Ausatmen), ja, als ob die mir das geben wollen, was mir selber fehlt. (Ausatmen) Die merken irgendwie, was mir fehlt, und wollen mir das geben. (Weinen)
24.34 Sehnsucht und Heimweh, heule vor Freunden
Ja, das hat mich so berührt. Ich hätte die ganze Zeit heulen können, als die da waren. Einmal musste ich auch so losheulen, aber das ist okay – kurzzeitig –, aber ich hätte ganz anders heulen können. Einmal habe ich davon gesprochen, dass ich so …, dass ich so eine Sehnsucht oder so ein Heimweh habe. (Weinen) Das war so stark, da musste ich einfach losheulen.
25.11
Na, und dann der Abschied am Ende – ach, da hätte ich schon vorher so losheulen können. Die sind früh morgens abgereist und …, ach, da hatte ich schon gleich … (losheulen können). Und dann am Ende …, na ja der eine dann, der hat dann so eine Bemerkung gemacht von wegen, dass ich wie ein Weib bin und wie ein Weib pisse. Das nennt man wohl so Heulen …, das nennt man wohl Pissen bei Frauen – Tränen.
25.42 Emo-Diphtong: Freude und Schmerz darüber, daß ich Gefühle zeigen kann
Die anderen beiden, die sind …, die können damit umgehen, aber der eine, das ist nicht so ein enger Freund – aber der ist auch ganz lieb eigentlich –, aber der kann damit nicht umgehen. Da hat er irgendwie …, na ja, bei den anderen beiden, da kann ich heulen, wie ich will. (Lachen) (Weinen) (Röcheln) Ah. Ja, aber der Dritte, mit dem habe ich nicht so eine tiefe Beziehung.
26.16 (Vor-Urschmerz) über Abschied von Freunden
Und weil der so drauf war, dann habe ich mir gedacht: Ach, Scheiße, dann sieh zu, dass du jetzt nicht hier so ein Theater machst oder nicht heulst. Ja, und dann habe ich sie sozusagen vom Acker gejagt: „Haut ab!“, habe ich gesagt. Aber die können das schon einschätzen, die wissen, warum ich so harsch gesprochen habe, weil: Die wussten genau, dass ich ganz, ganz traurig bin. (Vor-Urschmerz) (Röcheln) (Husten) Ah. (gequältes Seufzen)
Ja, das hat mich sehr, sehr traurig gemacht. Aber ich konnte in dem Moment nicht so meine Gefühle gehen lassen oder zeigen. Hab dann für mich selber noch ein bisschen geheult, als die weg waren.
27.15 Grund des Anrufs: Will Gefühl mit Wissen in Verbindung bringen – auch, um Aktuelles und Vergangenes voneinander zu trennen und Steuerung in der Gegenwart zu haben (Lebensplan)
Aber ich würde ganz gern irgendwann mal verstehen, was mich überhaupt so traurig macht. Da fließt so vieles mit rein, wahrscheinlich auch einfach …, auch die Heimweh oder der Heimweh – ich weiß gar nicht: das Heimweh? -, …
Ronald: Das Heimweh.
… auch das Heimweh wahrscheinlich ganz einfach spielt da auch mit rein, ja – aber nicht nur.
27.58 Die Freunde wissen mehr von mir als ich und wollen es mir geben
Es hat mich gerade …, es macht mich so traurig (Weinen), wie die sich so um mich kümmern und es so gut mit mir … (meinen) oder mir helfen wollen oder so ähnlich. (Weinen) (Husten) Es kommt mir so vor, als ob die genau wissen, was mit mir los ist, als ob die mich kennen und mir genau das geben wollen, was mir fehlt.
Ronald: Was ist denn das? Was geben sie dir denn, Peter?
Na, die geben mir diese Verbindung zu mir selber, im Prinzip. Also nicht direkt, aber indem sie …
28.57 Die Hilfe der Freunde ist nicht nur handwerklich, sondern kommt aus einem Mitgefühl. Handwerk ein Symbol für etwas mir grundsätzlich Fehlendes
– Nur mal ganz einfach ein Beispiel: Sie helfen mir handwerklich halt, ne? Und das ist ja auch so eine … – also: als ob sie mich vervollkommnen irgendwie: Mir fehlt irgendwas, und sie stoßen in diese Lücke, sie … (Pause) – als ob sie irgendwas auffüllen oder sowas ähnliches. – Sie tun das, was ich nicht kann und … – Aber nicht … , es ist nicht einfach so (Weinen), es ist nicht einfach so, weil da jemand irgendwas nicht kann und das machen wir mal so, sondern das ist mit Gefühl verbunden irgendwie. (Vor-Urschmerz), das ist irgendwie bloß so ein Symbol oder so ähnliches (Pause) – als ob sie mehr …, als ob das nicht nur diese handwerkliche …, das Handwerkliche in dem Moment ist – was weiß ich, keine Ahnung, irgendwas: einen Nagel in eine Wand …, das ist ja scheißegal jetzt, was –, aber als ob das nicht nur eine reine materielle oder handwerkliche Hilfe ist, sondern da schwingt viel mehr mit irgendwo drin oder, ja, doch: als ob die mich darin erkennen, dass mir irgendwas Grundsätzliches fehlt, nicht nur das Handwerkliche, sondern irgendwas Grundsätzliches und … (Vor-Urschmerz) , als ob sie mir das geben wollen, wovon ich jetzt spreche: dieses Grundsätzliche und dass das nur so eine Art Symbol ist oder so oder …
Ronald: Ich verstehe, ja: Mittel zum Zweck.
31.32 Ja: Mittel zum Zweck, genau. Ja, als ob sie … (Vor-Urschmerz) (Röcheln) (Husten) Ah. (gequältes Seufzen) (Husten)
32.01 Exkurs Störgeräusch Atmen Ronald
Jetzt höre ich dich wieder nur atmen irgendwie. Ich will es dir ja nur … (sagen). Es stört mich nicht besonders, aber ich will es nur so kurz sagen, diesen rein technischen Aspekt jetzt.
5. URSCHMERZ. KEINE LIEBE ALS GRUND DES NICHT-WISSENS
32.15 Zu großer Schmerz, drohender Urschmerz, Befürchtung des Zerreißens
Na, ich wollte jetzt gerade was sagen, aber dann hätte es mich wahrscheinlich zerrissen: ein großer Schmerz, ah. (Ausatmen)
Ronald: Versuch es trotzdem mal, Peter!
Ich gehe dem Gefühl nach: Liebe und Wärme und Orientierungshilfe der Freunde: Urschmerz. Ich kann mich ohne Liebe gar nicht selbst wahrnehmen (Ich bin nicht da ohne Liebe)
Ja. (Pause) Ja. (Vor-Urschmerz) (Ausatmen) Ah. Ja, mir kommt das so vor, als ob die …, als ob die mir so die Liebe oder die Wärme geben wollen (Weinen), die ich nicht habe oder die ich nie hatte oder die ich nie bekommen habe (Urschmerz) (Röcheln) (Husten) und als ob es diese Liebe ist oder diese Wärme oder diese Substanz oder sowas ähnliches, die mir fehlt, damit ich wieder ich …, mich selber fühle oder mich selber überhaupt wahrnehme oder mich selber nicht mehr so gebrochen wahrnehme wie hinter so einem Milchglas oder nicht mehr so mir selber fremd bin.
34.03 Grund der Entfremdung: keine Liebe. Dadurch Gefühlsverdrängung – Totales Nicht-Wissen und Orientierungslosigkeit
– Ich bin mir total fremd im Prinzip. Ich kann nicht leugnen, dass ich da bin. Ich kann nicht leugnen, was …, ich kann vieles nicht leugnen, aber mir fehlt ein klares Gefühl dafür, dass ich da bin und wer ich bin und was ich will und was ich nicht will und wie ich leben sollte, was ich tun sollte und was ich nicht tun sollte. – Dafür habe ich kein Gefühl. Ich bin einfach nicht da. Ich habe einfach nur einen Riesen-Abstand zu mir selber: wie künstlich … – Ich schaue wie künstlich auf mich drauf, bin überhaupt nicht da und lebe gar nicht aus mir selber heraus. Ich lebe gar nicht aus mir selber heraus einfach so. Ja.
(Pause) (Pusten) (Atmen)
35.27 Freunde wollen meine Wissens-Leere auffüllen (Urschmerz)Ja, das ist so, als ob die das fühlen. Es ist so, als ob die das wissen und dass sie mir da helfen wollen (Weinen) an der Stelle – da wollen sie mir helfen. Die wollen einfach sozusagen das auffüllen, was ich nicht habe. Die wollen das einfach so in mich hineingießen sozusagen, was ich nicht habe. (Husten) Ja, die merken irgendwie (Weinen), dass jemand dem Peter das geben muss. (Urschmerz) Ja.
36.22
Und dann sagen sie sich wahrscheinlich: Okay, dann geben wir ihm das ein bisschen, also: ganz schön. (mehr als ein bißchen) (Ausatmen)
Ja.
Ja.
(Pause)
Ja. (Husten)
6. LANGE ENDBESPRECHUNG, LANGE SACHLICHE ERÖRTERUNG – MIT RÜCKFÄLLEN IN GEFÜHLE
37.04 Will zum Ende kommen – alles ist erst mal gesagt
Ja, so ist das. (Husten) Ja. (Ausatmen) Ja, ich habe alles gesagt.
Ronald: Das habe ich jetzt nicht mehr akustisch verstanden: Was hast du alles gesagt?
„Ich habe alles gesagt“, wollte ich gerade sagen: Ich habe alles gesagt, was zu sagen ist im Moment. (Husten)
Ronald: Meinst du jetzt generell in der Sitzung oder zu diesem Punkt jetzt zu den Freunden?
Na, generell in der Sitzung jetzt, ja: generell zu meinem ganzen Zustand.
Ronald: Ja.
Ich habe eigentlich alles gesagt. Ich würde mich jetzt nur noch wiederholen.
Ronald: Heißt das, daß du damit jetzt aufhören willst für heute?
Na ja, nicht unbedingt, du weißt ja: Wir reden ja noch. Du sagst noch …
Ronald: … Du sagst, du hast alles gesagt, dann …, das ist ja gut und okay und richtig so. Und das sollst du ja auch: in der Sitzung alles sagen, was du zu sagen hast und sagen (fragen?) willst.
38.10
Ich habe soweit alles gesagt. Wir müssen ja nicht sofort aufhören.
Ronald: Nee, nee, deswegen ja meine Frage. Ich habe auch noch ein paar Punkte, …
Ja, ja, genau …
Ronald: … die ich noch aufgreifen will.
Genau, genau – wer weiß, vielleicht ist ja noch irgendwas, genau.
Ronald: Hm.
Ja. Ja. (Ausatmen) Ja, ja.
38.35
Ronald: Ich kann ja dann …
– Ja, genau. Du kannst ja …
Die Bedeutung von Freunden: als Selbst-Ersatz, als freundliche Fremdsteuerung/Heteronomie
Ronald: Lade deine Freunde öfter ein, wenn sie dir das alles geben können, was du selbst nicht hast!
Ronald: Ich kann ja den letzten Punkt daran gleich anknüpfen, äh, an den Besuch von den Freunden: Wenn dir das so gut tut und wenn die dir sogar das geben, wovon du das Gefühl hast, dass sie dir das geben, was dir fehlt und was du brauchst, dann solltest du die ruhig öfter einladen, dass du die öfter zu Besuch bei dir hast.
Die Freunde wollen mir das geben (was ich noch nie gehabt habe)
Ja, die haben auch gleich angekündigt … – denen hat das auch gefallen –, die haben auch gleich angekündigt, dass sie … – na ja, so oft können sie auch nicht kommen, aber im Frühjahr wollen sie gleich kommen.
39.10
Und dann sind sie auf dem Heimweg durch die Slowakei gefahren, durch die Hohe Tatra, und da ist ein schönes Skigebiet, und haben sie gesagt: Ja, da können wir uns ja diesen Winter vielleicht noch treffen.
Ronald: Ja.
Ja.
39.23 Die böse Stimme erscheint: Ich will gar nicht, dass jemand mir gut tut! Dass jemand mir Gutes tut, gibt es gar nicht!
Ja, aber als du da an…, als du angefangen hast, zu sprechen – du hast gesagt: wenn die dir so – ich weiß gar mehr, was hast du noch mal gesagt? Wenn die … ?
Ronald: Wenn dir der Besuch …
Ah ja, genau: …
Ronald: … wenn der Besuch dir so …
Warte mal! (Ich will selbst darauf kommen). Du hast gesagt: Wenn dir der Besuch so gut getan hat … – und da erinnere ich mich in dem Moment, wo du das sagst, da sperrt sich sofort alles schon wieder in mir drin: Da kommt da wieder eine Stimme, die sagt: „Wieso denn?“ Und was heißt „dir gut tun“? Ich will gar nicht, dass man …, dass jemand mir gut tut und, äh …
40.02
– ja, so eine Stimme kommt dann sofort wieder, sofort: Wer bin ich denn, dass ich das verdient hätte, dass jemand mir Gutes tut oder überhaupt mir Gutes getan wird? Daß da … – das gibt’s gar nicht, sowas darf’s gar nicht geben, sowas gibt’s gar nicht, und sowas darf ich gar nicht erwarten und sowas darf ich gar nicht wollen – so eine Stimme kommt dann sofort wieder.
Ronald: Ja, das ist wieder diese Stimme, die dir alles abspricht. Ich sag’s jetzt mal symbolisch: die Stimme deiner Mutter, ne, …
Ja, das habe ich auch gerade gedacht, bevor du es gesagt hast.
Ronald: … also die introvertierte Stimme deiner Mutter, …
Ja, ja.
Ronald: … die da aus dir herausspricht, ne.
Mhm. Ja, ja. Aber …
Ronald: Laß dich nicht von dem abhalten, was dir guttut! (Fehler? Nicht die böse Stimme sprechen lassen? – Aber ich lasse sie sofort sprechen, aber sie ist sowieso stärker, man kann sich von ihr gar nicht „abhalten lassen“)
Ronald: Aber lass dich da nicht davon abhalten, das zu tun, was dir gut tut. Und du hast jetzt die Erfahrung gemacht …
Na ja, aber sofort …, sowie ich höre: „gut tun“, da …, da protestiert diese Stimme. Die ist so stark in mir drin: „Das gibt’s nicht, das darf’s nicht geben, das darf’s gar nicht geben, was du da erzählst: ‚gut tun‘! – Das gibt’s nicht: ‚gut tun‘, das gibt’s nicht, das darfst du nicht, weil es das gar nicht gibt! So was gibt’s gar nicht!“
41.25 Weiter böse Stimme: für dich gibt es nichts Gutes!
„Du bist nicht auf der Welt, dass es dir … , dass es dir gut geht oder dass dir gut getan wird oder es irgendwas Gutes gibt oder … – Das ist alles ein Riesen-Luxus! Diesen Luxus, den … – das gibt’s nicht, das ist nicht für dich oder für uns oder … – Diesen Luxus, den gibt es nicht, schmink dir das ab! Du bist nicht auf der Welt, um irgendwas Luxuriöses zu kriegen. Das ist nicht … (der Sinn des Ganzen, nicht für dich) – nee!“
Böse, fremde Stimme vereinigt sich mit „eigener“ Stimme, wird verinnerlicht: Ich will das nicht (daß es mir gut geht); das Gute ist mir fremd
: So stark ist diese Stimme, ich … (habe keine Chance) – das darf es für mich nicht geben! Ich will das nicht. Das gibt’s nicht! Es ist nicht vorgesehen, das ist …, das ist mir so fremd.
Zweimal mit dem Gedanken des Gutgehens konfrontiert und diesen entrüstet zurückgewiesen (Helke und Einar)
Und dieser Gedanke, dass es mir irgendwie gut gehen kann oder sollte oder könnte, das erinnert mich schon wieder an diese beiden Sachen:
42.30
einmal Helke: da ging es mal darum: Sie will, dass es ihr gut geht. – Das fand ich abartig, oder das fand ich so skandalös: dass sie von sich sagt, dass sie will, dass es ihr gut geht. Oder dann hat sie irgendwann oder vielleicht mir mal irgendwie gesagt: „Ja, und dir soll’s gut gehen.“
42.52 Und dann die andere Sache, wo in der …, in der … (Therapie), in Paris, beim Institut, der Einar mir gesagt hat am Ende der Sitzung, wo nichts stattfand (sarkastisches Lachen): Ja: „Take care!“ irgendwie – das fand ich irgendwie eine Frechheit in dem Moment. Was heißt „Frechheit“? Mir fällt kein besseres Wort jetzt ein. Aber das fand ich auch skandalös: Wieso kann der mir wünschen „take care“!?
Ronald: Hm.
43.20
Das gibt’s nicht! Auf mich wird kein „take care“ genommen oder so.
Ronald: Ja.
Das gibt’s nicht!
43.32
Ronald: Um dich kümmert sich keiner, …
Ja, und …
Ronald: … wie es deine Freunde jetzt mit dem Besuch gemacht haben, …
Ja, um mich kümmert sich …
Ronald: … was dich traurig gemacht hat.
Janov-Kritik: meine Reaktion auf Einar konnte nicht stattfinden
Ja, genau, das gibt’s überhaupt nicht! Wieso wünscht der mir, dass ich aufpassen soll oder dass ich mich kümmern soll oder … (Pusten) – das gibt’s nicht! Das fand ich so deplaciert irgendwie … oder sagen wir mal so: Das hat so viel in mir ausgelöst, aber das hat ja keinen Raum gehabt dann dort bei Janov.
Ronald: Hm.
Ah. (erschöpft)
Zusammenhang mit Freunden und böser Stimme: Die Freunde geben mir die Liebe, die mir nie jemand im Leben gegeben hat
Ronald: Das ist ja jetzt, was du jetzt …, heute gefühlt hast: …
Erst jetzt …
Ronald: … den Schmerz darüber, …
Genau.
Ronald: … weil die Freunde dir das gegeben haben, was du nie bekommen hast: …
Genau.
Ronald: … Liebe, Verbindung, Zuneigung, dass sie sich um dich kümmern – das hat ja nie einer in deiner Kindheit gemacht.
44.17
(Weinen) (Röcheln) (Husten)
Ja. – Ja. (Ausatmen)
44.40 Der extreme Liebesmangel (oder Mangel an Gutem, das es für mich nicht gibt) führt zur Verdrängung und zum Begnügen mit dem Mittelmaß, Verzicht, Resignation: Laß alles beim Alten, ändere nichts, schreibe keine Zettel usw.!
Und deswegen darf ich das auch nicht wollen, oder deswegen scheue ich davor (zurück), und deswegen will ich auch dann eben diese ganzen Gefühle nicht zulassen, die sich damit verbinden. Und deswegen rufe ich dann auch nicht bei dir an. Deswegen sage ich: „Nee, lass doch alles so, wie es ist, alles okay, alles ist gut, vertiefe jetzt nichts!“
45.00 Angst vor der Öffnung und vor jeder Veränderung. Die starke böse Stimme hindert/schützt mich daran/davor
Oder: Dann habe ich so eine riesige Angst davor: „Berühre das nicht, berühre das nicht! Lass es so, wie es ist, berühre jetzt nichts mehr, vertiefe jetzt bloß nichts mehr!“ oder: „Bring bloß nichts mehr irgendwie jetzt zur Sprache!“ oder was auch immer. „Lass es jetzt, um Himmels Willen! Lass alles so, wie es ist. Genieße! … “ – was heißt „genieße!“? – Ja, das ist ein großes Wort, aber: „Genieße irgendwie das, was du jetzt irgendwie hast, und baue jetzt bloß nichts aus!“ Oder alles das, was ich auf der anderen Seite will – dass ich mehr zu mir selber komme oder mehr mich selber fühle oder mehr da bin –, das alles (verneint und verbietet die Stimme): „Nein, mach das nicht! Mach das nicht!“ – Diese Stimme ist so stark! (Ausatmen) Die ist so stark, diese Stimme! Ah. (erschöpft)
46.10
Ronald: Auf den Punkt wollte ich auch noch mal zurückkommen: Das ist ja immer so gewesen: diese Riesenangst, dass da etwas passieren könnte, was rauskommen würde, äh, und das war immer unklar, was das eigentlich sein könnte …
Ja.
Ronald: … oder würde, was da passiert und rauskommt, …
Ja.
Ronald: … nur so pauschal: dass da Chaos ist oder irgendein Weltuntergang oder irgend so was.
56.34 Ich korrigiere Ronald. Für ihn hängt die Angst mit der Waschmaschine zusammen, während sie bei mir erst einmal nur sagt: „Berühre das nicht, vertiefe das nichts mehr! Laß es beim Mittelmaß!“ Er hat recht, aber ich sehe und ahne die Waschmaschine jetzt noch gar nicht. Die würde bestimmt/vielleicht dann auftreten, wenn ich die Angst vor der Öffnung schon abgebaut habe. Aber soweit bin ich hier noch nicht – ich sehe den Zusammenhang noch nicht
Nee, nee, das ist was anderes, Ronald.
Ronald: Das ist was anderes? Was denn jetzt?
Ja, das ist was anderes.
Ronald: … fragen … (unverständlich)
Ja, genau. Nee, nee, das hattest du letztens auch schon so gesagt, und da habe ich dann auch schon gesagt: „Nee, nee, das ist was anderes.“
46.44
Ronald: Was ist denn jetzt der Inhalt der Angst?
Vielleicht hängt das ja miteinander zusammen, aber das ist was anderes.
Ronald: Ja, aber du weißt nicht, was es ist?
Angst vor etwas Monströsem und daß das herauskommen, daß ich das entdecken könnte (das wäre dann die Waschmaschine o. drgl., aber das sehe ich hier nicht)
Ja, ich kann nur .., ich kann nur Vermutungen (anstellen) – warte mal: Ich habe so eine tierische Angst, dass irgendwas rauskommen könnte, dass irgendwas passieren kann, dass irgendwas in Bewegung geraten kann, dass irgendwas …, dass irgendwas … (passiert).
47.13 Das, was herauskommen könnte, könnte auch mit jener „Arroganz“ (und der daraus folgenden Vereinsamung) und anderen Dingen zu tun haben (ich könnte als Arroganter auch alles durcheinanderbringen – auch eine Art Waschmaschine), aber …
Und früher – da vor ein, zwei Jahren so –, da war es immer so, dass ich irgendwie Chaos …, oder dass ich irgendwie ähm arrogant bin – davor hatte ich Angst: dass ich als arrogant gelte, dass dann niemand mehr da ist für mich und … – es mag sein, dass es irgendwie zusammenhängt, aber jetzt eigentlich nicht, und dass ich alles durcheinanderbringe, dass ich …, – dass ich plötzlich eine Ordnung durcheinanderbringe, dass ich alles durcheinanderbringe, dass ich alles … – das stimmt, das gibt’s in mir, ja, das stimmt, und das war früher auch so, und vielleicht hängt das ja auch zusammen.
47.58 … jetzt ist meine Angst total diffus: vor irgendetwas Monströsem, Abstraktem – Angst vor der Angst
Aber jetzt stellt es sich so da: Jetzt habe ich Angst, einfach nur Angst, irgendeine diffuse Angst vor irgendwas, was mich unmittelbar …, unmittelbar bedroht als Schmerz oder als … – ich weiß nicht, wie ich das nennen soll. Das kann aber nur sowas wie Schmerz sein oder …
Ronald: Ja.
Ich spreche jetzt selbst von der Waschmaschine, vor der ich tierische Angst habe (Also hatte Ronald doch recht – aber ich konnte das nicht sehen, weil ich noch Angst vor der Angst habe. Ich lasse gar nicht die Vorstellung von dem zu, das mir solche Angst macht.)
… wie … – ja, wie …, das kann durchaus auch sein wie einfach was Körperliches, wie …, wie mir körperlich irgendwie ich tierisch in …, wie so in eine Waschmaschine gerate oder irgendwas, wo tierisch was passiert, was …, was mich bedroht oder was mich …, ja, wo ich tierisch in Bewegung gerate oder irgendwo sowas.
Ronald: Hm.
48.50
Das ist nicht nur Schmerz, das ist (Pusten) auch irgendwas Körperliches könnte das sein. (Schwindel, Kontrollverlust?) Aber wie gesagt: Ich weiß nicht so genau, was …, was es ist, aber …
Ronald: (Setzt an)
Ja?
Ronald: Konkretisiere die Angst, sprich sie aus!
Ronald: Ich habe dich ja schon gefragt, ob du diese Angst auch fühlst. Du sagst, du spürst die nur, …
Nein, ja!
49.08
Ronald: … du weißt, dass die Angst da ist, und deswegen empfehle ich dir wieder, was ich dir immer empfohlen habe: das einfach erstmal nur auszusprechen: „Ich habe Angst, ich habe Angst, ich habe Angst!“ – ohne zu wissen, wovor du jetzt Angst hast.
Ja, ja.
Ronald: Und: Das muss ja was Bedrohliches sein, sonst hättest du ja keine Angst davor, verstehst du?
49.23
Ich habe Angst vor … – sagen wir es einfach mal so: Ich habe Angst vor großen Gefühlen.
Ronald: Ja.
Ich habe Angst …
49.31
Ronald: Okay, aber das ist äh okay, dann jetzt erstmal nur die Angst davor auszusprechen.
Ja, ja, ja, ja, ja.
Ronald: Traurigkeit ist echt, laß auch diese zu!
Ronald: Hm. Und das ist äh das gleiche mit der Traurigkeit, nur: Da bist du ja näher dran, und die Traurigkeit kannst du ja fühlen. Also (ich will) noch mal wiederholen, was ich vorhin gesagt habe: Es ist gar keine Frage, dass diese Traurigkeit echt ist.
Aha.
Ronald: Sowas fühle ich ja und spüre ich ja, …
Ja.
Ronald: … ob das jetzt ein echtes Gefühl ist oder kein echtes Gefühl, …
Aha.
Ronald: … was man mit mir in einer Sitzung fühlt.
Ja.
50.00
Ronald: Und äh, das hat es auch schon (gegeben): dass der Inhalt der Traurigkeit ja mehrere Dinge sein können. Und ein Ding hast du ja schon angesprochen: die … ja, dein Heimweh, und dann, dass du da vielleicht alleine bist. Aber dann können auch noch viele andere Punkte Inhalt dieser Traurigkeit sein. Und wann immer du traurig bist: Lass die Traurigkeit zu, lass dich weinen, und sprich es einfach aus, was kommt.
50.18 Aber auch die Traurigkeit ist bei mir oft abstrakt. – Zurück zur Problematik, daß ich nicht weiß, warum ich traurig bin: der Abstand zu mir selbst
Ja, ja. Ja, aber das … – wie du gerade gesagt hast, die Inhalte, was das sein könnte –, das ist ja auch mein Problem: dass ich teilweise gar nicht weiß, warum ich überhaupt traurig bin. Das ist ja wiederum an dem Punkt dann eben dieser Abstand zu mir selber, unter dem ich ja so leide.
Ronald: Ja …
50.37
Ich weiß gar nicht, warum ich traurig bin!
Ronald: Ich kann dich jetzt kaum mehr verstehen. – Was? Der Abstand zu dir selber – was hast du gesagt?
50.45
Jetzt besser? Hörst du mich jetzt?
Ronald: Jetzt ist es besser, ja.
50.47 Das Maß der Traurigkeit ist identisch mit dem Maß an Nicht-Wissen: je trauriger, desto weniger wissend, desto mehr entfremdet
Na ja, ich sage: Das scheint das gleiche Maß zu sein: Ich bin im gleichen Maße …, im gleichen Maße weiß ich gar nicht, worüber ich überhaupt traurig bin – obwohl ich …, ich kann nicht leugnen, dass die Traurigkeit echt ist, ja, die ist ja irgendwie da, stimmt –, und im gleichen Maße, wie ich nicht weiß, warum ich überhaupt traurig bin, im gleichen Maße bin ich von mir selber entfremdet und betrachte mich selber oder sehe mich durch Milchglas oder … – Ich …, das ist offenbar das gleiche Maß irgendwie.
51.19
Ronald: Ich verstehe, ja. Aber das ist ja genau der Schritt zu dir, …
Ja, ja.
Ronald: die Traurigkeit erst mal …
Zuzulassen…
Ronald: … anzuerkennen: daß das dein Gefühl ist – das tust du ja auch, das ist ja echt. Deshalb habe ich das noch mal wiederholt, unterstrichen: dass es dein echtes Gefühl ist …
Ja.
Ronald: Laß die Traurigkeit auch ohne Grund zu – und du wirst Bewußtsein erlangen, die Gründe erfahren und die Entfremdung verringern, …
Ronald: … und dass du da Gründe für hast. Und das ist dann ja der Schritt dahin, dieses Milchglas zu durchbrechen und diesen Kontakt aufzunehmen zu dir selber, indem du diese Traurigkeit zulässt und erstmal nur fühlst, ohne zu wissen warum.
Ja, ja, ja, ja, ja.
Ronald: … erst mal da …
51.49 … aber ich darf nichts gegen die Entfremdung haben. Ich darf das Mittelmaß genießen und mich damit begnügen, durchaus auch genießen – aber nichts vertiefen und versuchen, mein Ziel des Eigners zu erreichen
Ja, ja, aber dann kommt wieder …
Ronald: (unverständlich)
– warte mal, ich muss dich wieder unterbrechen –, dann kommt wieder sofort, wenn ich das höre und wenn ich mit dir darüber spreche, kommt sofort wieder die andere Stimme, die mir sagt: „Lass es alles, wie es ist, ändere nichts mehr daran!“ Die sagt: „Nein! Nein!“
52.10
„Meinetwegen …, okay…“: Die sagt – so weit geht sie noch dann, dass sie mir entgegenkommt und sagt: „Okay, du kannst ja traurig sein, dann heulst du eben ein bisschen vor dich hin, aber vertiefe das nicht mehr, berühre das jetzt nicht mehr!“ – Diese Stimme kommt andauernd.
52.26
Ronald: Ja, das ist die Stimme der Angst, ja, …
Ja.
Ronald: …, weil du da was berührst, was sehr schmerzlich sein wird wahrscheinlich für dich.
Aha.
52.40 Ronald kommt auf die Angst vor Frauen vom Anfang (Bedienung in Restaurant) zurück
Also dann noch mal an den zwei Punkten, wo diese Gefühle ausgelöst werden: äh, diese Angst mit der Frau im Restaurant. – Du brauchst die ja nicht anzusprechen, du kannst ja ruhig noch mal hingehen und dich von der bedienen lassen und einfach das mal dich haben lassen, diese Angst …
Ja ja ja ja, aber …
Ronald: … und den Gedanken und damit nur spielen erstmal.
52.57 Angst ist so groß, daß ich nicht einmal Ronalds Vorschlag annehmen kann
Ja, ja, aber Ronald, ich muss dich jetzt gleich wieder unterbrechen, weißt du: Das ist unmöglich für mich! Es ist utopisch! Ich darf das gar nicht! Ich darf das aus verschiedenen Gründen nicht: erstmal meine eigene Angst, dann zweitens darf ich das Nasti nicht antun. Es ist absolut … – warte mal –, es ist absolut utopisch. Es ist utopisch!
Meine Angst ist so groß wie meine Entfremdung, lebendig wäre ich nicht entfremdet
Und ich begreife auch langsam jetzt: Genau im selben Maße, wie das utopisch ist, das ist genau wiederum das gleiche Maß, was mich von mir selber entfremdet. Ich darf gar nicht so lebendig sein. Und wenn ich so lebendig wäre, dann würde ich dieses ganze Künstlichkeitsproblem gar nicht mehr haben. Ich weiß das!
Ronald: Richtig, Peter, vollkommen richtig.
(verzweifelte Wut) Ich weiß das!
Ronald: Ja.
Lebendigkeit kommt gar nicht in Frage, ist tabuisiert
Ich weiß das absolut! Dann wäre ich ein normaler Mensch. Ich weiß es! Aber …, aber irgendwas verbietet mir, ein normaler Mensch zu sein. Ich darf das gar nicht (Pause, suche nach Wort) envisager – wie heißt das auf deutsch? – in Blick nehmen. Oder ich darf das gar nicht anpeilen oder zielen, abzielen, oder ich darf das gar nicht in Blick nehmen. Ich darf das gar nicht …, ich darf das gar nicht in Erwägungen ziehen und nichts. Ich darf das gar nicht.
54.19
Wenn du mir sagst: „Ach, geh doch zurück ins Restaurant, setz dich einfach dahin ohne …“ – Ich verstehe, was du sagst, aber bis dahin, da ist so viel dazwischen noch. Ich darf das gar nicht!
54.31 Frustration über Lebensverbot
Das kotzt mich auch langsam an, weil das immer, immer dasselbe ist seit Jahren.
Ronald: Hm.
Es ist immer dasselbe! Aber ich … – es ist so, wie es ist, ich kann es nicht ändern.
54.42
Ronald: Ja, Peter, ich habe dir das ja nur vorgeschlagen …
Ja ja ja, Ronald, hör mal auf jetzt.
Ronald: ….
Warte mal, Ronald, das ist überhaupt …, …
Ronald: … das ist für dich utopisch …
… das ist gar …
Ronald: … das ist der Grund, warum du so distanziert und abgetrennt bist.
Das ist gar kein Vorwurf an dich, …
Ronald: Nee, nee, …
… bloß ich muss –
Ronald: … das habe ich auch nicht so empfunden.
Nee nee, genau. Ich muss dann eben sofort reingrätschen in dem Moment, weil das eben wichtig ist, dass da …, dass ich da …, dass ich das …, dass ich das gar nicht …, – das kommt für mich nicht in Frage, sagen wir es mal so.
55.12 Böse Stimme: Leben ist Luxus, Luxus ist nicht angebracht, Luxus scheidet sowieso von Anfang an aus als Arroganz
Das ist wieder dieser Luxus oder so. Das kommt für mich nicht in Frage. Es ist dieser Luxus, ich darf den nicht haben.
Dazu kommt meine Angst
Und gleichzeitig ist es diese riesige Angst, die dann sofort wieder an die Oberfläche kommt oder so, die ich dann sofort wieder fühlen würde: Diese Angst, die lähmt mich total! Das ist, wie als ob ich eine Spritze kriege, die mich völlig lähmt!
Ronald: Hm.
Als ob ich … – ja –, als ob ich eine Spritze aus Angst kriege. Und …, und dann darf ich nichts mehr tun! Und ich darf auch gar nicht daran denken, dass ich da irgendwas ändern könnte oder sollte. – Nein, nein, du musst alles so lassen, wie es ist!
Ronald: Angst ist Kern meines Problems
Ronald: Na ja … – das kommt auch heute wieder in der Sitzung raus –, daß das der Kern deines Problems ist: diese Angst.
(Pause)
Ronald: Die…
Warte mal, verstehe ich dich richtig? Warte mal, lass mich mal drauf eingehen, kurz.
Ronald: Ja.
56.18 Sachliche Erörterung des Grundproblems Angst
Du sagst, dass der Kern meines Problems ist die Angst. Okay, dann – warte mal – lass mich mal das jetzt anwenden auf mich selber.
Ronald: Hm.
(Pause)
56.30
Also, ich müsste normalerweise ausgreifen, ich müsste in die Welt rausgehen, ich müsste Dinge tun, die lebendig sind, in denen ich lebendig bin und und und …
Und ich …, und das kann ich alles nicht, weil mich die Angst daran hindert.
Ronald: Genau – exemplarisch an dieser Frau in diesem Restaurant da hast du es erlebt.
56.56 Die Entfremdung kommt nur von der Angst vor der Lebendigkeit
Ich hab …, irgendwie habe ich …, habe ich eine tiefe Angst vorm Leben oder wovor auch immer.
Ronald: Hm.
Und das …– warte mal, warte mal –, und diese ganze Milchglasgeschichte und diese ganze Entfremdungsgeschichte, die kommt im Prinzip nur zustande, weil ich diesen Schritt zur Lebendigkeit nicht tun kann, weil die Angst mich davor abhält.
Ronald: Hm.
Ist es ungefähr so, wie du meinst?
Ronald: Ja, so meine ich das.
(langsam, verstehend) Aha. Okay. Aha. Aha.
57.41 Traurigkeit bei Vorstellung, daß mir jemand die Angst nimmt, den Abstand zum mir selbst und dem Leben überbrückt und ausfüllt
Und meine Freunde …, und meine Traurigkeit darüber …, und ich bin offenbar traurig darüber, dass ich nicht lebendig sein darf oder nicht lebendig bin. Und wenn dann jemand kommt (Weinen) und mir sozusagen diese …, dieses überbrückt oder auffüllt oder – genau! – dieses überbrückt dahin, dass ich zu mir selber komme oder mir das gibt, dass ich wieder ein vollständiger Mensch bin – das macht mich traurig?
Ronald: Hm.
Und das ist …, hängt insofern mit der Angst zusammen (Pause) – genau. Das könnte genauso gut eine …, na ja, ja, als ob jemand mir die Angst auch ein bisschen nimmt. Genau, als ob mich jemand dahin führt zum richtigen Leben, dass ich keine Angst haben brauche oder sowas ähnlich, dass der mir die Angst nimmt oder mich bei der Hand nimmt und mich dahinführt zum richtigen Leben.
58.48
Ronald: Genau, Peter, und das ist ja, was du auch gebraucht hättest – jetzt generell. Und stattdessen – nur exemplarisch in diesem Beispiel –: die Szene auf dem Boot: Da haben sie dich auch noch ausgelacht dafür, dass du Angst davor hattest, ne, …
(Husten) Ja. Ah. (Ausatmen)
Ronald: … statt dich in den Arm zu nehmen und zu trösten, zu sagen: „Du brauchst da keine Angst zu haben, ist alles in Ordnung, ich bin ja da und ich beschütze dich.“
59.15
Ja. Die haben mich bloß ausgelacht. (Pause) (Atmen)
59.26 Bild/Symbol von Graben vorm Haus: Graben ist Abstand zum Leben, Entfremdung; Freund füllt ihn mit Erde aus – überbrückt helfend den Abstand zum Leben
Und einer meiner Freunde (Lachen) ist komisch: Da habe ich so einen Zaun rausgehauen, so ein tiefes Betonfundament, und das hat so eine Art Graben ergeben. Und der hat dann das so aufgefüllt mit Erde, die er woanders weggenommen hat. Als ob das irgendwie einen tieferen Sinn gehabt hätte. Komisch.
Ronald: Hm.
Als ob das dieser Graben ist, der mich vor mir selber entfremdet. Da drüben bin ich, und hier stehe ich und gehöre eigentlich darüber. Als ob das so eine Art Brücke ist zu mir selber, als ob der das so gar nicht aus Zufall getan hat, … (Weinen)
Ronald: Hm.
… diesen Graben da aufzufüllen. Seltsam. (Ausatmen) Komisch.
1.00.30 Komme zum Ende. Habe die Dinge durch sachliche Erörterung ein bißchen verstanden und die Zusammenhänge hergestellt
Ah, na ja. Gut.
Ronald: Damit habe ich jetzt erstmal von meiner Seite alle Punkte angesprochen, die ich ansprechen wollte.
Ja, als ob das so ein bisschen so alles so eingeordnet wird oder ich ein bisschen mehr verstehe, was passiert, aber noch lange nicht vollständig, aber so ein bisschen halt, dass ein bisschen Zusammenhänge erkennbar werden, das stimmt.
Ronald: Du nimmst die … – Entschuldigung, ja?
Ja, als ob da irgendwelche Zusammenhänge so erkennbar wären – werden jetzt langsam, weißt du?
1.01.00 Ronald spricht von der Audioaufnahme der Sitzung
Ronald: Mhm, werden, ja. Du nimmst doch die Sitzung nach wie vor auf, ne?
Ja, ja.
Ronald: Du kannst sie dir ja dann noch mal anhören, die Sitzung, weil: Da habe ich heute doch ganz wichtige Punkte angesprochen in dem Sinne, wie du bis jetzt gesagt hast: dass da mehr das gesamte Bild erkennbar und deutlich wird, was dich davon abhält, Kontakt zu dir zu haben und da zu sein, ne.
1.01.28 Der Abgrund der Angst entmutigt mich, mich mit ihr zu beschäftigen. Jede produktive Auseinandersetzung mit der Angst (z.B. Ronalds Vorschläge) wird schon von vornherein verhindert (böse Stimme der Mutter)
Ja, ja, aber siehst du: wenn du sowas sagst, dann habe ich auch wieder Angst jetzt, daß ich immer wieder dasselbe sage und langweile. Aber das ist so wichtig! In dem Moment, wo du das sagst, dann sperrt sich alles in mir dagegen. Da habe ich …, da brüllt eine Stimme: „Nein, das wirst du nicht tun! Nein, du …, das darfst du nicht! Alles, was jetzt da an der Stelle vorangeht oder tiefer geht, das wirst du sein lassen! Das machst du nicht!“
Ronald: Hm.
1.02.00
Genau, was du vorgeschlagen hast – „Nein, das darfst du nicht. Auf keinen Fall darfst du das!“
Ronald: …
Was?
Ronald: Tu es trotzdem! Höre nicht auf diese Stimme! Du hast ja Zeit und die Möglichkeit …
Ja, aber weißt du, diese Stimme – ich muss sie aber trotzdem immer auch sprechen lassen, …
Ronald: Ja, klar, ja, Peter, ja ja! Nein, auf jeden Fall!
… diese scheiß Stimme!
1.02.20 Ich habe die böse Stimme verinnerlicht. Wut dagegen
Ich sag zwar, das ist eine scheiß Stimme …, ich sag zwar, dass es eine scheiß Stimme ist, aber die steckt in mir drin! Das bin ich selber!
Ronald: Na ja, das ist …, diese Stimme, wie ich das jetzt symbolisch ausgedrückt habe, ist deine Mutter, die du introvertiert hast, und dass die Idee dich davon abhalten will, du selber zu sein und Kontakt zu dir aufzunehmen.
Ja, genau! Absolut! Aber die ist so stark! Ich habe die wirklich so sehr verinnerlicht, als ob ich das selber bin! (Wut)
Ronald: Ja, Peter.
(verzweifelte Wut und gleichzeitig Resignation) Die ist so stark, diese scheiß Stimme! Und die ist eigentlich …, sie ist eigentlich überwältigend. Im Prinzip hält die mich so dermaßen von mir ab oder in Schach.
Die verinnerlichte Stimme („Luxus!“) und die Angst vor der Waschmaschine – beide halten mich in Schach und in der Starre. Selbst wenn ich den Mut hätte, der bösen Stimme zu widersprechen, würde ich wegen meiner eigenen Angst unbeweglich bleiben
Ronald: Ja, das sind die zwei Seiten der Medaille: Das eine ist die Angst, die dich abhält, und das andere ist diese Stimme, die dich abhält, zu dir zu kommen – allgemein ausgedrückt.
Ja, ja, ja, ja, ja.
Ronald: … wie gesagt … diese Gefühle …
Ich verstehe.
Ronald: … zu fühlen …
Ich verstehe, ich verstehe, ja, genau, das sind beide …
Ronald: Die Stimme sagt dir: Das ist Luxus: Das darfst du nicht! Und die Angst sagt dir: Das darfst du nicht, das ist zu gefährlich.
Weil das zu turbulent oder zu viel …, zu viel Schmerz oder was auch immer – ja, genau.
Ronald: Hm.
Ja, ja, ja.
Na, gut.
Ronald: Okay, dann könnten wir heute damit aufhören.
Ja.
Das Geschäftliche
Ronald: Dann haben wir wieder eine Stunde.
Aha.
Ronald: Das sind dann 60. Dann hast du bei mir noch ein Plus von 430.
1.03.40 Ronalds Schlußwort: Ermutigung
Es ist gut, dass du mich angerufen hast, Peter.
Ja, aber …
Ronald: Laß dich von der Stimme nicht abhalten, …
Gut.
Ronald: … die dir sagt: Das ist Luxus, und das darfst du nicht, ja.
Ja, und: „Alles soll beim alten bleiben“, sagt die mir auch.
Ronald: Ja, genau, ja. – Das willst du auf der anderen Seite ja nicht, dass das so bleibt.
Nee, nee, ich will irgendwann mal bisschen durchsehen.
Ronald: …
Ich will irgendwann mal …, vor allen Dingen will ich irgendwann mal durchsehen. Ich will einfach mal begreifen, was ich eigentlich wirklich will und was ich bin und wer ich bin – das will ich irgendwann mal begreifen!
Ronald: Hm.
Stimmt’s?
Ronald: Ja, klar! Gar keine Frage, das ist eigentlich selbstverständlich, dass man das weiß, ja.
1.04.19
Na, aber ich weiß es nicht. Und du weißt auch, dass ich das nicht weiß, stimmt’s?
Ronald: Ja, ja, das ist ja das Problem.
Du weißt, dass …
Ronald: Deswegen solltest mich auch weiter anrufen, weil du das noch nicht weißt. Ja, das solltest du wissen.
Ja, und das ist jetzt nicht abstrakte Intello-Scheiße, stimmt’s?
Ronald: Nein nein, (Lachen) das erlebst du ja tagtäglich an dir.
Ja, okay, gut.
1.04.39 Ermutigung
Ronald: Also! Ruf mich wieder an, Peter!
Ja, weil meine Mutter, die sagt mir nämlich …
Zur technischen Störung
Ronald: … zu dieser Störung: Ich habe in dem Moment, wo du das gesagt hast, überhaupt nicht geatmet und gar nichts gemacht. Es kann auch sein, dass es vom Internet kommt, dass da manchmal Störgeräusche durchkommen.
Aha. Gut. Aber wie gesagt, ich sag’s …, mir ist es lieber, dass ich es sage.
Ronald: Nein nein, sag‘s immer! Es kann ja eine reale Störung hier bei mir sein, und das kann ich ja dann beseitigen. Wenn dich das stört, musst du das sagen, Peter.
Ja, weil …, weil: Nachdem ich es gesagt habe, dann ist es dann mir auch im Prinzip egal, aber ich muss es sagen.
Ronald: Ja, nein, ja, das will ich ja damit gar nicht Frage stellen …
Ja.
Ronald: … oder abstellen – im Gegenteil.
Ja.
Ronald: Ich gebe dir nur eine Rückkopplung, damit du guckst: Vielleicht ist bei dir irgendwas oder – wie gesagt – im Internet. Ich achte ja darauf, dass ich hier keine Störgeräusche verursache, ne.
Ja.
Ronald: Weil: Mich würde das ja auch stören. – Okay, Peter, melde dich wieder!
Ja.
Alles klar, Ronald. Bis bald, tschüss!
Ronald: Bis dann!
Tschüss. Danke.
Schluß
Ah. (Ausatmen) Ah. (Gähnen) Ah. Ah. (erschöpft) Ah. Ah. (erschöpft)

