Stunde der Tiefenwahrheit vom 2018_08_29


Kompletter Text samt Überschriften (Kapitel und Abschnitte), Kommentaren und Analysen

Zusammenfassung
Das ganze, unbearbeitete Video

Titel der Liegung:
2018_08_29 KI noch kein Rücktritt von Trennung Bindungsabriß zu schrecklich – Alternative Stumpfsinn Traurigkeit doch dritter Aspekt zu hohe QUANTITÄT AN URSCHMERZ endloser Schrecken Urschmerzüberlastung Nasti alleine lassen (fremdzentriert) – Was soll ich nur tun Wimmern Flehen Näherung Ur-Trauma Ersticken aber nur unvollständige Verschmerzung – endgültige unlösbare Verzweiflung Selbstmordgedanken – rational-realistische Resignation – Minimal-Eigner wenigstens Simulation Leben zweifelhafte Kreativität – Fazit ambivalent noch Therapie-Paradigma noch keine New Deal Sterbebegleitung aber pessimistisch-realistisch

Formatierung zur besseren Lesbarkeit:
Überschriften:
Kapitel sind fett und unterstrichen
Abschnitte sind fett
Kommentare und Analysen sind (fett in Klammern gesetzt und kursiv)

Zusammenfassung hier

Erfaßt am 3. bis 7.4.2026 auf Basis Youtube-Text- bzw. Untertitelerfassung

Nicht der genaue Wortlaut! Müßte noch überarbeitet und korrigiert werden.

Zeitstempel:
Die Zeitstempel stammen bis 35.25 vom ungekürzten Original-Video. Dieser Stempel ist gegenüber dem gekürzten Youtube-Video um 5.06 Min. nach hinten versetzt (das Youtube-Video beginnt 0.00 mit dem Telefonsignal, dieses ist im ungekürzten Video bei 5.06 Min. zu hören).

Ab 32.20 (Aber das Los-werden, „Aber es ist unvorstellbar. Es ist unvorstellbar (Weinen)“), spätestens aber abder Endbesprechung wir der Zeitstempel des Audios verwendet; dieser ist gegenüber dem Youtube-Video um 4.27 nach hinten versetzt. Endbesprechung nach ungekürztem 4K-Video ab 35.25, im Audio ab 34.45)

1.38

Peter: Okay, Synchroschlag (im ungekürzten Original-Video). Achtung, fertig, los.

3.25

Trinken wir noch ein bisschen Wasser.

Ah, Scheiße.

4.27 (0.00) Technischer Beginn
(Telefonsignal im Audio – entspricht im Youtube-Video 0.00 und im ungekürzten 4K-Video 5.06)

Ja, Ronald.

Ja, da bin ich. Kannst du mich hören?

Ich höre dich gut. Ja, ist nicht zu laut, ne?

Peter: Nee, aber es ist immer eher die Tendenz zu laut, weißt du?

Ronald: Ok, dann mach ich mal das Mikrofon jetzt noch ein bisschen weiter weg. Und jetzt?

Na ja, es ändert sich nicht viel, aber es geht schon so. Wenn ich wieder so sensibel werde, Ronald, dann sage ich es in dem Moment, weißt du?

Ronald: Okay. Ja, also ich kann dich gut verstehen. Wir können anfangen.

Effektiver Beginn

1. Ich will aus dem Stumpfen heraus. Verzweifelte Suche nach Steuerung als letztes Lebenszeichen?

5.40 Sofortiges, längeres Weinen

Peter: Gut. Okay, können wir anfangen. (Weinen) (Verzweiflung) (Ausatmen) (Stöhnen)

6.43 Technischer Exkurs

Ach so, bevor ich es vergesse: Wahrscheinlich machen wir nicht so lange, ich könnte nur bis 16:00 Uhr. Um 16:00 Uhr müsste ich aufhören. Spätestens um 15:45 Uhr müsste ich dir Bescheid sagen. Man weiß ja manchmal nie.

Ronald: Ok.

7.14 Habe es immer noch und wieder mit dem Stumpfsinn zu tun; verzweifelt, daß ich nicht lebendig und kreativ werden kann und mich nur um das schiere Überleben kümmern muß

Ja, ich habe mir diesmal was vorgenommen. Seit ein paar Tagen will ich irgendwas schaffen oder verändern. Da gibt es immer zwei Sachen: Einmal will ich irgendwie rauskommen aus diesem Stumpfsinn, aus diesem Tod. Es kann nicht wahr sein, dass ich überhaupt nicht lebendig bin und nicht kreativ sein kann, dass ich immer nur für mein Überleben sorgen muss und selbst das mir so schwerfällt. (Ausatmen)

8.24 Zweifel am Willen

Wobei ich da, wie gesagt, immer Zweifel habe, ob ich das überhaupt will.

8.30 Der Minimal-Eigner ist noch da, stimmt traurig, aussichtslos

Aber dann gibt es eben diese besagte kleine Stimme, von der du gesagt hast, dass ich ihr folgen soll. Das ist die eine Seite. Aber dann (Weinen) gibt es diese andere Seite, wo ich nur traurig bin, wo ich wahnsinnig traurig bin und gar nicht weiß, wie ich da jemals rauskommen werde.

2. Wissenserörterung geht bis zu einer geometrischen Lagebeschreibung: die zwei Daseinsformen meines Lebens: Stumpfsinn oder Traurigkeit (letztere eine Form der Lebendigkeit). – Also doppelter Fortschritt: a) Durch Sitzungen immer wieder lebendig und b) Ich weiß etwas (Steuerung ist möglich (mich für die Traurigkeit entscheiden anstatt des Stumpfsinns))

9.04 Erörterung: Zwei Optionen diesseits des Stumpfsinns: Lebendigkeit oder Traurigkeit, letzteres bestimmt aber total – stellt aber die Lebendigkeit dar

Warte mal ganz kurz. Dieser Stumpfsinn scheint zwei Ausgänge zu haben: Einmal diese kleine Stimme der Lebendigkeit und dann diese Traurigkeit, die immer unter dem Stumpfsinn liegt. Scheinbar muss ich in diese Traurigkeit reingehen, weil die ja irgendwie wiederum eigentlich auch die Lebendigkeit ist.

9.42 Bestätigungsbedürfnis

Stimmt’s?

Ronald: Ja, Peter, das ist richtig.

Peter: Die Lebendigkeit ist einerseits (Weinen), dass ich arbeiten kann und offensiv sein kann, dass mich nicht andauernd irgendwas runterdrückt. Aber andererseits ist die Lebendigkeit ja auch diese Traurigkeit, stimmt’s?

Ronald: Ja, Peter.

Beides, ja?

Ronald: Das ist deine lebendige Reaktion auf das, was geschehen ist und geschieht mit Nasti jetzt in der Gegenwart; das ist ja nur der Auslöser für etwas ganz anderes.

3. Zur geometrischen Lagebeschreibung kommt nun aber neben Stumpfsinn und Traurigkeit ein Drittes Element, ein Dritter Punkt oder Aspekt hinzu: keine Daseinsform (Qualität), sondern die Quantität der einen Daseinsform, nämlich der Traurigkeit (die sich nun in endlosen Schrecken verwandelt): diese Quantität ist zu hoch, ich muß sie verdrängen, verliere dadurch Wissen und Steuerung

10.21 Erörterung vorläufig abgeschlossen, aber etwas Drittes kommt hinzu, nämlich das Quantitative: das Ausmaß der Schwierigkeit (Was aber nichts anderes ist als die Überlastung mit Urschmerz. Die Struktur ist klar und verstanden, aber das Gefühl darin ist zu groß); deshalb ist es aussichtslos, ich bin realistisch pessimistisch

Peter: Ja. (Weinen) Und das dritte, was ich sagen wollte, was dann aber da, das habe ich ja soweit begriffen, das ist so die große Draufsicht halt. Mhm. Das habe ich soweit verstanden jetzt (Weinen), aber…, aber jetzt kommt was hinzu, was also auch nicht neu ist, aber das kommt jetzt hinzu, daß … – hinzu kommt sozusagen das Ausmaß der, also die die Verfahrenheit der Lage. Die Lage ist so, wie wir gesagt haben jetzt, aber als Drittes kommt jetzt hinzu, dass diese Lage, die ist so zementiert irgendwie, die ist so aussichtslos. Ich kapiere es zwar soweit, okay, gut, will mir gebe mir auch Mühe, ich will das auch machen, der Sache folgen sozusagen.

11.21 Ich kann weder die Traurigkeit in ihre wirkliche Tiefe fühlen, noch kann ich dem Minimal-Eigner folgen – ich mache es einfach nicht, bleibe immer nur im Stumpfsinn (Das Große Nein ist am Werk gegen den eigenen Vorsatz, den therapeutischen Richtlinien zu folgen – diese Art von Selbstbestrafung) Rational-realistische Resignation bzw. Prophezeiung: Das Ausmaß des katastrophalen Gefühls ist zu groß

Aber dann bin ich immer wieder (Weinen) stehe ich vor der Tatsache, dass da daran gar nichts zu ändern ist, dass ich gar nicht erstens dieser Stimme nachgehen kann, zweitens, dass ich diese Traurigkeit überhaupt nicht wirklich fühlen kann oder dass das alles Ausmaße sind, die wo ich dann am Ende wahrscheinlich (Weinen), wo ich am Ende wahrscheinlich da nicht rauskomme und wo das dann immer so sein und bleiben wird. Dann sagt zwar eine kleine Stimme: Das ist scheiße und das ist traurig und das ist schlimm, aber die muss sich geschlagen geben durch diese Ausmaße. Die muss sich geschlagen geben. (Weinen)

12.11 Das Gefühl ist so überwältigend, daß ich es genauso wenig realisieren kann, wie ich es nicht fühlen kann. Der Bindungsabriß ist viel zu schrecklich für mich – unvorstellbar. Wenn die Trennung von Nasti die Voraussetzung für meine Vitalisierung ist, kann mit einer solchen absolut nicht gerechnet werden, weil ich mich nicht trennen kann. Eine „Selbstermächtigung“, eine „Aneignung“ kann also nicht stattfinden, der „Eigner“ bleibt nur ein Traum – das ist meine realistische Einschätzung und nicht etwa nur „ein altes Gefühl“, in dem ich noch stecke (Na gut, es ist natürlich ein altes Gefühl, ja, aber die damalige Überlastung durch das Gefühl – weswegen und wegen dessen Verdrängung es ja noch heute in mir ist – ist auch heute noch wirksam. Auch das ist klar, ja. Aber der psychologische Spruch, wonach man damals Überlastendes heute wahrnehmen und fühlen („integrieren“) kann und wonach ein Erwachsener mehr fühlen kann als ein Kind, der scheint auf mich nicht zuzutreffen. Oder liegt es an etwas ganz anderem? Liegt es vielleicht an der Glukose? Kann mein Gehirn gar nicht an die Integration gehen, weil es strukturell und metabolisch durch die Glukose dazu verunmöglicht wird? Oder liegt es an noch etwas ganz anderem? Denn: Ich fühle ja die ganze Zeit den Urschmerz, ich gehe ja eigentlich maximal in jenes „Ausmaß“ hinein. Die Therapie funktioniert ja eigentlich; diese sieht ja eigentlich gut aus. Was könnte es noch sein, das mich die Verschmerzung vervollständigen und eine tatsächliche Veränderung herbeiführen lassen könnte, das mich die Wand, vor der ich stehe, und diesen großen Ball an Gefühlen in mir auflösen lassen könnte? Was könnte es sein, daß ich Nasti nicht aus meinem Leben gehen lassen kann? Es ist in der Tat eine absolut festgefahrene Lage. Es ist wirklich unmöglich. Etwas Riesiges will sich einfach nicht auflösen)

Und das gleiche ist ja, dass ich diese Traurigkeit und diese Trennung – dass ich das gar nicht realisiere eigentlich. Ich realisiere, das ist so schrecklich für mich. Das ist so grausam. Immer wieder das gleiche, aber es ist so. Und Nasti tut auch einfach so. Die tut so. Na ja, ich weiß es ja gar nicht. Vielleicht hat sie ja sogar recht. Vielleicht ist das ja alles bloß … (Schattenboxen und ich muß bloß endlich zu ihr zurückkehren).

12.40 Verlorenheit im Nicht-Wissen; ich weiß nicht, was ich tun soll und was mit mir geschieht, wohin es mich treiben wird. Für Nasti ist alles klar und einfach: Wir gehören zusammen; notfalls muß sie eben nur ein paar Jahre darauf warten, bis ich das einsehe

Es kommt mir so vor wie so …, dass ich wieder zurückkehre irgendwie. Ich weiß es ja gar nicht, wie es weitergeht, ehrlich gesagt. Die tut so, als ob …, die wartet nur auf mich. Die die die tröstet sich immer dann das nächste halbe Jahr, dann noch ein halbes Jahr. Es geht ja nur schon fast zwei Jahre jetzt. Die die tröstet sich mal hinweg, die sagt sich immer: „Ja, wird schon irgendwann mal wieder gut werden.“

4. Der qualitative Inhalt dessen, was eine zu hohe Quantität hat und verdrängt werden muß, deutet sich an: die Trennung, d.h. das Hinaussegeln in den Kosmos auf Nimmerwiedersehen, der endgültige Abriß von seinen Geliebten, das Abschiednehmen für immer

13.09 Falls es aber tatsächlich auf eine Trennung hinauslaufen sollte, wird das der reine Horror sein. Ich halte erstaunlicherweise die Beziehung zu einer anderen Frau für denkbar: Das – Nasti in die Einsamkeit zu stoßen – wäre dann aber der Horror – weswegen ja auch gar nicht an eine andere Frau zu denken ist. Das, was so unvorstellbar ist, ist die Realisierung der Trennung in der Fremdzentriertheit: Ich stelle mir vor, daß Nasti vor die nackte Tatsache gestellt wird, daß ich eine andere Frau habe und sie verlasse und alleine lasse: Dieser very moment ist es, der die Überlastung darstellt; an dieser Stelle brennen alle Sicherungen durch: die Einsicht, das Realisieren der Verlorenheit: daß das tatsächlich eintritt, was überhaupt nicht sein darf: daß man verlassen wurde: daß man tatsächlich völlig alleine in den Kosmos hinaussegelt auf Nimmerwiedersehen, der endgültige Abriß von seinen Geliebten, das Abschiednehmen für immer

Und ich habe ganz ehrlich gesagt auch so einen richtigen Horror davor, falls das mal wirklich richtig eine Trennung, was weiß ich, wenn ich mal eine neu andere Frau kennenlernen sollte, spätestens dann ist ja die Trennung dann wirklich besiegelt. Dann wird selbst sie das einsehen müssen dann – wenn das mal passieren sollte, das weiß ich halt nicht. Aber da habe ich auch so eine riesen Angst davor: dann diese Ausmaße: Wenn sie das so begreifen müsste, wenn sie das nicht mehr so vor sich hinschieben kann und sich vertrösten kann auf die Zukunft – das ist so schrecklich.

5. Kurze Entdrängung (Abriß-Vorverschmerzen: Ersticken)

13.52 Todesangst (Ich glaube, bläuliche Lippen im Video zu erkennen). Kurzer Ansatz von Urschmerzüberlastung (Ersticken)

Dann habe ich dann auch Angst, dass sonst was passiert. Ich habe so eine Angst davor. (Weinen) (Ersticken)

6. Wiederverschließen und dadurch erneute Wissenserörterung, aber die rein schematisch-geometrisch-kognitive Lagebeschreibung hat keinen Sinn, gibt nicht genug Steuerungsinformationen, weil der Dritte Aspekt – die zu hohe Quantität des Schmerzes der Informationsbeschaffung im Wege steht – ein Verdrängen bewirkt. Der Schmerz läßt sich nicht entdrängen, weil er zu katastophal ist: Ich kann ihn nicht aushalten (Vor-Urschmerz) (Wimmern)  

14.07 Der Schmerz ist zu groß – das ist das Dritte, das zur kognitiven, geometrischen Lageanalyse (Draufblick) dazukommt. Ich verstehe die Situation als Struktur, aber das bringt gar nichts, erlöst mich nicht, weil der Riesenschmerz und die riesige Traurigkeit trotz jahrzehntelangem Fühlen und Abfließen kein Ende nehmen. – Warum nicht? …:  

Vor allen Dingen habe … es ist aber ein riesen Schmerz. Ein Riesenschmerz. Der ist einfach zu groß. (Weinen) Moment, das was ich gesagt habe, da kommt ein drittes dazu. Dieses Dritte ist, daß das einfach zu groß ist. (Weinen)

14.28 … Weil ich den Schmerz des Abrisses nicht aushalten kann: Es ist schlimmer als jedes Bild („Hölle“). Das heißt nichts anderes, als daß ich ihn nicht fühlen und infolge dessen auch nicht auflösen (verschmerzen) kann (Das ist abermals sowohl tatsächlich ein „altes Gefühl“ als auch ein realistische, von viel Erfahrung unterfütterte Einschätzung. Ich würde gern wissen und höre mir jeden Vorschlag an, wie ich das fühlen könnte. Und ehrlicherweise spiele ich sogar selbst immer wieder mal mit diesem Gedanken, indem ich mir vorstelle, daß der Kontakt mit Nasti tatsächlich abbricht. Ich kann mir das sogar kurz vorstellen. Aber dann gibt es sofort eine Blende: das Bild wird weiß und blendet aus: Ich löse mich auf, ich höre auf zu existieren. Ich kriege noch mit, daß ich mutterseelenallein und verlassen bin – und dann reißt der Faden, dann gibt es einen Filmriß. Ich habe in diesem Moment gar keine Chance oder Gelegenheit, etwas zu fühlen oder zu „verschmerzen“: Da gibt es nur noch soaring – wofür ich sogar noch dankbar sein muß: daß ich das nicht länger erleben muß. Dann habe ich ein Nahtoderlebnis. Die Dankbarkeit drückt sich bein Neil Young so aus: „Into paradise I soared. Unable to come down for reasons I’d ignored“ (Through My Sails – musik. Illustration))

Ich kann diesen Schmerz nicht aushalten. (Weinen) Ich kann das nicht. (Vor-Urschmerz) (Wimmern) Ich kann es einfach nicht. Ich kann es nicht. Ich kann es nicht. Es ist so schrecklich für mich. (Weinen) Ich kann es einfach nicht: diese Verbindung abreißen zu lassen. Das ist die Hölle. Das ist … – nein, ist nicht ist nicht die Hölle – es ist unvorstellbar. Es ist unvorstellbar. Ich kann es mir nicht vorstellen, diese Verbindung abreißen zu lassen, diese ganz bestimmte Verbindung. – Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich kann mir das nicht vorstellen. Und entsprechend kann ich das auch nie umsetzen oder realisieren, also die Tat umsetzen. Und so bleibe ich dann wahrscheinlich ewig in diesem Stumpfsinn drin.

7. Weil die Informationen nicht das Steuerungszentrum (Ich) erreichen und keinen Rest-Eigner bilden können, wird versucht, ersatzweise auf der Metaebene Informationen zu erlangen: eine theoretische Diskussion findet statt: Ist eine Entdrängung durch Fühlen möglich oder muß ich in den Kosmos wegdriften? Dabei findet eine minimale Entdrängung statt

15.47 Bestätigungsbedürfnis. Ronald weicht aber der Frage aus, er bestätigt nicht die Überlastung und Unmöglichkeit des Fühlens, ignoriert die Weißblende, den Filmriß (Aber was soll er machen? Kann er sagen?: „Ja, Peter, ich weiß, daß du das gar nicht fühlen kannst, weil du ja, bevor du etwas fühlen könntest, ins Paradies davonsoarst.“ Ja, er könnte, sollte das vielleicht sogar so sagen. Warum nicht? Es ist doch sowieso so – es ändert nichts daran, es kann nicht schlimmer werden. Stattdessen sagt er: Solange ich den Schmerz nicht fühlen kann, bin ich im Stumpfsinn. – Ja, toll, das weiß ich die ganze Zeit – er sagt ja selbst, daß ich das „erkannt“ habe. Die Frage aber lautete, ob er es auch so sähe, daß ich, weil ich mir eine Trennung nicht einmal vorstellen kann, wahrscheinlich ewig in diesem Stumpfsinn drin bleiben werde. Vielleicht denkt er, mir Mut machen zu müssen und mich animieren zu müssen, weiter zu fühlen. Aber ich habe mit dem Fühlen keine zu großen Probleme – ich fühle die ganze Zeit, er muß mich nicht unbedingt weiter dazu ermutigen. Aber es ist schwierig, weil er damit die Therapie abbrechen würde. Aber genau das passiert ja einige Wochen später sowieso! – Ich breche sie ja ab und ersetze sie durch eine Sterbebegleitung („New Deal“). Gut, er überläßt mir das, ok, das ist nicht falsch. Ich glaube nicht, daß es eine Gegenübertragung gibt und daß mein Schmerz für ihn zu groß ist. Er handelt therapeutisch nicht falsch, überläßt mir, die Einsicht zu entwickeln. Wichtig ist ja nur, daß er sich vom Wahrheitsbegleiter zum Sterbegleiter umwidmen läßt und mich weiter in den Tod begleitet – ob er sich nun davon eine Heilung (Verschmerzung) verspricht oder nicht)

Kann das sein? Ja, hä?, das ist der Zusammenhang, hä?: Solange ich nicht …,

Ronald: (unverständlich) … ja, Peter, …, du hast ja erkannt (?): Ja, der Stumpfen ist ja Ausdruck davon, dass du dieses Gefühl, diesen Schmerz nicht fühlst …

Aha.

Ronald: … und verdrängst stattdessen.

16.00 Es berührt mich (Vor-Urschmerz), daß Ronald mir den Vorgang beschreibt und bestätigt: Ich fühle nicht und verdränge. Das löst aber ein Gefühl aus. Deswegen wird aber nicht die Therapie funktionieren, weil ich ja die ganze Zeit fühle. Sie wird nicht funktionieren, weil ich nicht genug, nicht vollständig fühlen und verschmerzen kann. Ich weine hier über die Aussichtslosigkeit. Das ausgelöste Gefühl ist ein letzte Bedürfnis nach Errettung und Erlösung: Er soll mir sagen, was ich tun soll und kann

Peter: Aha. (Weinen) (Vor-Urschmerz) Ja, aber … Oh, jetzt eben wollte ich dich fragen: „Ja, Ronald, aber was soll ich denn tun?“ oder . – Das wollte ich dich jetzt fragen. Ich ich schaff’s doch … (Weinen), ich schaff’s doch wirklich nicht. Es ist wirklich so, wie ich es sage.

Ronald: Ich glaub dir Peter, ich weiß das.

8. Die minimale Entdrängung setzt sehr viel Schmerz frei. Ich kann ihn wahrnehmen, werde dabei aber ultrasensibel: Ich brauche zwar die positivierende Übertragung, diese löst aber gleichzeitig wieder zu viel Schmerz aus

16.31 Ultrasensibilität – ich ertrage nicht, daß Ronald mir glaubt (Wahrscheinlich ist der Mechanismus: „Wenn du mir glaubst, warum tust du dann nichts und läßt mich sterben?!“). Ich brauche Ronalds Bestätigung und Unterstützung (Mindestbindung, positivierende Übertragung) – gleichzeitig aber ertrage ich genau das nicht)

Peter: Ah, jetzt werde ich wieder so sensibel. Jetzt werde ich wieder so sensibel. Es ist so schrecklich: Einerseits brauche ich so eine Unterstützung von dir oder deine Hilfe. (Weinen)

9. In der positivierenden Übertragung liegt die letzte Illusion einer Informationsbeschaffung: „Was soll ich denn nur tun?! (Vor-Urschmerz) (Wimmern) (Flehen)“

16.49 Ich wende mich noch einmal in einer letzten Hoffnung auf Hilfe an Ronald mit der Frage, was ich tun soll oder könnte – es ist die letzte Hoffnung, daß eine Verbindung mit mir hergestellt werden könnte, daß mir die Hand gereicht und die Gemeinsamkeit wieder hergestellt würde

Ich wollte dich gerade fragen, was soll ich denn nur tun?! (Vor-Urschmerz) (Wimmern) (Flehen) – und dann werde ich aber gleich so sensibel in dem Moment. Dann brauche ich zwar deine Hilfe, aber dann … – wahrscheinlich muss die …, sieht die Hilfe dann so ganz ganz vorsichtig aus oder ganz minimal oder so.

10. Die Illusion zerplatzt: Die Information („du mußt dich trennen“) kann mir nicht helfen, mich nicht freundlich fremdsteuern, weil sie zu brutal und nicht brauchbar ist

17.17 Einsicht (aber nicht im positiven janov’schen Sinne): Ich schaffe es nicht, Nasti so zu enttäuschen – das könnte ich nie tun (und damit bleibe ich isoliert – sowohl im „alten Gefühl“ als auch in der erwachsenen Realität)

Fakt ist eins, ich …, ich schaff das nicht. Ich schaff es einfach nicht. Ich schaff es einfach nicht. Ich schaffe es nicht. Ich könnte sie nie so enttäuschen. Ich könnte sie nie so vollständig von mir stoßen oder … – das ist …, das …, das ist unvorstellbar für mich. Es ist unvorstellbar. Das ist so grausam.

11. Durch die Teilverschmerzung durch Vor-Urschmerz, Wimmern und Flehen entstehen Information: ein Mini-Eigner regt sich erstaunlich deutlich und will sich tatsächlich von Nasti lösen

17.47 Ein Mini-Eigner ist tatsächlich noch da: Er will nicht mit Nasti telefonieren, aber Konflikt mit Mitleidendem. Der Mini-Eigner fungiert wieder als reiner Befehlsgeber (Pseudo-Autonomie) und unterdrückt brutal den Mitleidenden, der Nasti auf keinen Fall zurückstoßen will. Der Mitleidende bleibt leidend zurück. Auf die Idee, daß er auch nicht leidend sein kann, kommt er nicht, weil der den Urschmerz nicht loswerden kann

Einerseits merke ich ja, dass ich, wenn sie mich anruft, dann …, dann merke ich ja: Ich will gar nicht mit ihr sprechen, oder ich beende dann relativ schnell das Gespräch, aber während ich es beende oder (Weinen) im letzten Moment oder danach – die erste Sekunde danach –, da werde ich so furchtbar traurig, dass ich das so beendet habe oder dass ich sie so zurückstoße oder so. 18.21

Die will doch nur irgendwas haben von mir. Das ist doch alles …. (absurd, weil das so wenig ist und sie es bekommen sollte). In dem Moment, wo ich mit ihr spreche: Das ist so schrecklich, wie gespalten ich bin. Ich bin so gespalten. Ich muss mich so unterdrücken. Ich muss mein Mitleid oder was das ist oder …, das muss ich so sehr unterdrücken. Aber dann gibt’s offenbar auch eine echte Stimme, die das nicht will oder die das Telefonat beenden will. – Da gibt’s auch bestimmt eine echte Stimme, ja, ganz bestimmt. Und die setzt sich dann immer durch am Ende: Die sagt dann: „Nasti, so, okay, ich muss jetzt das und das machen …“ – Und das ist so schrecklich. Sie ruft an, sie will irgendwas – und ich stoße sie so zurück.

Ronald: Hm.

12. Die Vorstellung der Lösung von Nasti und deren Aussprechen löst zunächst den reinen Gedanken an Urschmerz, Wimmern und Flehen aus – und nur in Bezug, in der Übertragung auf Nasti (Fremdzentriertheit). Weil ich wieder auf der kognitiven Ebene bin, fehlen wieder die Informationen aus der zu hohen Quantität, und ich habe wieder Erörterungs- und Bestätigungsbedarf

19.11 Fremdzentriertheit: Nasti müßte bzw. würde heulen und mich anflehen, bitten und betteln – genau wie ich es müßte bzw. würde, wenn ich selbstzentriert wäre (Ich fühle durch sie, aber gleichzeitig gelingt es mir aber auch, mich genau dadurch vom Gefühl fernzuhalten). Das ist der Urschmerz, den ich vielleicht gerade noch fühlen kann. Ich flehe ja tatsächlich manchmal (Wimmern) (Winseln) (Jaulen)

Ich rede gerade mal … (ein paar Sekunden?), und sie weiß das (was?), und deswegen …, und deswegen … – sie müsste immer heulen, sie müsste mich immer anflehen oder irgendwas …, sie müsste immer wieder fragen, ob es …, ob wir uns nicht doch treffen und sie müsste immer wieder fragen und sie müsste bitten oder betteln. Das macht sie natürlich nicht. Das macht sie nicht. Es müsste so sein, das sind ihre Gefühle, und das weiß ich alles, ah. (Ausatmen) – Es ist so schrecklich.

19.52 Ich komme kognitiv wieder auf den dritten, quantitativen Punkt (neben den beiden Modi der geometrischen Lage) zurück: die Überlastung

Also dieser dritte Punkt, wonach das alles so unvorstellbar ist, wo ich mir das nicht vorstellen kann, dass ich …, dass ich diese Trauer zulasse oder so, diesen Schmerz oder dass ich oder auf der anderen Seite, dass ich jemals die Lebendigkeit wieder zurückerringe oder überhaupt erringe – das kann ich mir nicht vorstellen.

(Bestätigungsbedürfnis)  

Verstehst du, was ich meine?

Ronald: Ja, Peter, ja, ich verstehe.

20.18 Die Lage ist nach all den Jahren leicht zu verstehen – aber nicht zu ändern. Die Qualität der Gefühle ist zu ertragen – aber nicht die Quantität

Es ist so unvorstellbar – beides (erwachsen werden und das Leid bei Nasti zu bewirken) ist so unvorstellbar. Ich habe es zwar kapiert soweit, wie das aussieht, die Lage, aber ich kann es mir nicht vorstellen, weil das so schrecklich ist für mich

13. Ich versuche, mich durch Antizipation des Schmerzes diesem zu nähern und die Informationen und den Urschmerz zu entdrängen

20.35 Ich versuche, mein Leid zu antizipieren, wenn ich zwar Rest-Eigner sein kann auf dem Lande (Lennon-Cover-Aufnahme), aber das Leid nicht verschwinden wird, um es vielleicht lindern zu können

Und ich weiß insofern auch alles. Ich will heute Abend aufs Land rausfahren, und habe ein paar Stationen und nehme meine Kameras mit und nehmen das mit meine Gitarren und dann ich will da ein bisschen was machen, so Aufnahmen und sonst was alles. Ich habe dann meine Projekte, die ich gern vorantreiben will und wahrscheinlich auch werde.

14. Die Entdrängung funktioniert zum Teil: „Es ist so schrecklich“ (Wimmern) (Vor-Urschmerz)

20.54 Die Antizipation funktioniert (Wimmern) (Vor-Urschmerz): Der Mitleidende wird sich nicht vom Befehlsgeber und Pseudo-Autonomen unterdrücken lassen, er wird in wenigen Stunden heulen und jammern (Es wird ihn jedenfalls danach zumute sein, bzw. ist das nur, was der Anti-Eigner hier befürchtet. In der Tat werde ich schön an meinen Lennon-Covers arbeiten können in Suhrhof (Video hier einblenden als musik. Illu.) und eben bei Matthias eben nicht die ganze Zeit heulen – was natürlich wiederum nicht heißt, daß ich nicht fast die ganze Zeit innerlich heulen könnte oder daß es den Schmerz in mir nicht mehr gäbe)

Aber ich kenne mich, ich weiß (Weinen), es ist so schrecklich (Wimmern) (Vor-Urschmerz), und ich will es auch gar nicht einsehen. (Heulen)

15. Da es keine vollständige Endrängung samt Verschmerzung ist, entsteht wieder Erörterungsbedarf (Orientierung per Kognition) und Hilfsbedarf (freundliche Heteronomie/Fremdsteuerung)

21.10 Solange der Fötus das ihm Angetane nicht verschmerzt hat, will er vom „lebendigen Eigner“ nichts hören

Ich will es auch gar nicht einsehen, dass das so kommen muss und dass ich das so machen muss. Da gibt’s eine ganz andere Stimme in mir wiederum. Die sieht das gar nicht ein. Die versteht das gar nicht. die Lage, was ich so geschildert habe, die will das gar nicht verstehen. Die will das gar nicht.

21.43 Die ewige Qual der ewigen totalen Unsicherheit: Ich weiß nicht, was ich wirklich fühle und will, was wirklich vor sich geht. – Wie soll ichs auch wissen? Wie soll ich auch meiner sicher sein? (Darunter habe ich immer am meisten gelitten: das ewige Hin und Her, welche Stimme in mir nun recht hat: mich trennen oder bei Nasti bleiben? – Beide Stimmen waren zu wenig deutlich. Aber deutlich konnten sie nur werden, indem ich – wie es immer wieder so schön heißt – sie zulasse, d.h. sie wirklich fühle. Das aber war – zumindest in der nötigen Vollständigkeit – wegen besagter Quantität nicht möglich) Das anfängliche geometrische Verstehen der Lage – die beiden Möglichkeiten mit Nasti oder ohne Nasti – war also doch kein echtes, aber immerhin ein halbes Wissen. Der Fötus durchkreuzt den Plan bzw. die technisch-geometrische Zeichnung

Und deswegen weiß ich das gar nicht, ob das die Lage ist, die ich selber so geschildert habe. Manchmal denke ich, ja, so ist die Lage, dann verstehe ich das ein bisschen, aber dann kommt so eine Riesenstimme, die mir sagt: „Nein, so ist es ja alles gar nicht!“ (Ausatmen)

(Pause)

22.06 In der verzweifelten Lage der Unsicherheit und des Nicht-Wissens brauche ich Hilfe – eine „freundliche Fremdsteuerung“ (So etwas kann es natürlich nicht geben. Aber bestimmte Interventionen können zu einer notwendigen, provisorischen Steuerung beitragen, die zumindest nicht die Autonomie noch mehr verringert. Der Wahrheitsbegleiter kann durch gefühlte Bestätigung den Wahrsager in seiner Wahrheit bestärken. Er stellt in diesem Momenten eine Verbindung her, die an die vermißte Verbindung erinnert. Diese Erinnerung ist Teil der für die Autonomie nötigen Information)

Und das ist wieder der Moment, wo ich so (Weinen) irgendwie deine Hilfe brauche an der Stelle. Ich weiß zwar nicht so was genauer, aber dann merke ich, dass ich dann am Ende bin und dass ich dann irgendwie eine Art Hilfe brauche. Ich bin dann am Ende.

Ronald: Ich weiß, Peter, dass das sehr schrecklich für dich ist …

Peter: Und dann brauche ich …

Ronald: … und daß du … – ja?

22.30 Der Mini-Eigner will die „freundliche Heteronomie“ in Teil-Autonomie verwandeln, indem er die gebrauchte Hilfe so gut wie möglich formuliert und indem er so gut er kann das antizipiert, was der Helfer ihm sagen wird – wenn er es tatsächlich gut mit dem Mini-Eigner meint. (Das kann der Mini-Eigner tatsächlich oft antizipieren, er will selbst darauf kommen, will sich ganz konkret in der Situation selbst erobern („ermächtigen“, Laska). Aber er braucht dennoch die Präsenz des Wahrheitsbegleiters, dessen „positivierende Übertragung“ – er braucht die „Mindestbindung“, einen Mindest-Input von außen, der keine Droge ist, sondern nur die Informationen ins Fließen bringt. Der Junkie bekommt keine Informationen von außen, sondern wird nur ermutigt, sein Informationsmangel auszudrücken und zu versuchen, die Neuronen zu verbinden – vorzugsweise durch vorsichtiges Auslösen von Gefühlen, denn die geometrisch-kognitive Lagebeschreibung war ja ungenügend; der „dritte Punkt“ – die Quantität an Schmerz – muß angegangen werden)

Und dann brauche ich irgendwie eine Art Hilfe, aber ich muss mal überlegen, worin die bestehen könnte, die Hilfe. Ich will es mir zwar nichts von niemanden erzählen lassen, was mein Leben ist und so weiter, aber manchmal brauche ich so eine Art Bestätigung oder dass du zumindest die Sicht deine Sicht darlegst oder so mit sagst: „Ja, Peter, das ist so, du willst lebendig sein, und du musst da auf dem Weg weitergehen und du das ist nun mal die Lage, die du selber geschildert hast. Das ist deine Situation“ – aber oder eben auch nicht – je nachdem, was du denkst, weißt du?

Ronald sagt exakt das, was ich vermutet habe, daß er es sagt: Du mußt der kleinen Stimme folgen, die eigentlich weiß, daß du dich trennen mußt von Nasti (diese Seite, sagt er, auch wenn sie sehr klein ist, hat recht). (Die kleine Stimme ist aber so verschwindend klein, daß sie Ronalds Bestätigung auch kaum als Stärkung benutzen kann (Besser wäre es vielleicht, daß Ronald mir sagt: „Ich weiß, wie verzweifelt gespalten du bist und unter der Situation leidest.“ Vielleicht hätte er hier gar nicht für eine der Stimmen Partei ergreifen sollen. Ich habe ihn nun aber genau danach gefragt … Er hätte aber vielleicht trotzdem gar nicht auf die Frage antworten sollen, sondern mit einem empathischen Verständnis für meine Verzweiflung mehr Verbindung hergestellt und Gefühle ausgelöst und mich somit „abgeholt“)

Ronald: Doch, Peter, ich denke das, dass das so ist.

Peter: Aha.

23.24

Ronald: Und das sage ich ja noch mal – wie das letzte mal schon –: dass du auf diese kleine Stimme hören solltest, …

Peter: Aha.

Ronald: … die dir dann auch sagt, wenn du mit ihr telefonierst, dass du das Telefonat eigentlich beenden willst, ne.

16. Die freundliche Fremdsteuerung entpuppt sich als Illusion; dem Ratschlag des freundlichen Heteronomen kann aufgrund der überdeutlichen Präsenz des traumatisierten Fötus nicht gefolgt werden: erneute Totalorientierungslosigkeit

23.36 Der Fötus hängt wie irre an der einmal bekommenen Bindung und will und kann sie nie wieder loslassen. Er ist so traumatisiert, daß er sich fremdzentriert und in Nastis Gefühlen steckt, diese darf er nicht re-traumatisieren – das geht nicht; deswegen …

Peter: (skeptisch) Nja. Ja, aber das ist aber so schrecklich. Ja. Ja. Ja, aber irgendwie …, irgendwie gibt gibt’s eine Stimme in mir, die sagt, du darfst das nicht, du darfst diese Verbindung nicht abreißen lassen. Du darfst das nicht, du darfst nicht so ein Schmerz verursachen und das das darf es nicht geben. Es gibt’s nicht. Sowas gibt es nicht. Das darf es nicht geben.

24.15 … bin ich total verloren zwischen den Extremen Mini-Eigner und Fötus; die Steuerung geht verloren, ich irre wie verflucht über die Ozeane wie der Fliegende Holländer – aber zusätzlich auch noch steuermannlos

Und da bin ich so dermaßen verloren. Ich bin so dermaßen verloren und so … Ja, ich bin total verloren. Ich weiß überhaupt nicht am Ende, also richtig …

Ronald: Du meinst, du darfst so einen Schmerz bei ihr nicht auslösen? Oder was meinst du?

17. In der Verzweiflung wird ein Kompromiß aus Eigner-Aktivität (zweifelhafte Kreativität) und Nicht-Trennung gesucht („halbe Sache“); dieser wird aber verworfen, weil der Mini-Eigner zu stark ist, ihn als unrealistisch erkennt (Folge wäre wieder nur Stumpfen). Der „zu starke“ Mini-Eigner ist aber nicht stark genug, als daß er keine kognitive Bestätigung bräuchte

24.37 Eine Kompromiß-Stimme mischt sich zwischen die Extreme und will halbe Sachen machen (Aber vielleicht hat sie recht), aber da …

Peter: Ja, beides. Also …, na ja, vor allen Dingen schiebt sich dann im so eine Stimme dann davor, die dann sagt: „Nee, das geht doch gar nicht darum. Das stimmt doch gar nicht. Du musst …, das muss nicht sein. Das muss nicht sein. Du musst es nicht beenden und das ist das ist eine falsche Einschätzung der Lage oder so. Das muss nicht sein. Mach doch einfach alles so weiter!“

25.06 … droht dann doch wieder der Stumpfsinn; es ist schwierig, einen solchen Kompromiß zu finden – der Mini-Eigner empört sich auch dagegen, braucht aber dafür Ronalds Bestätigung

Und alles so weitermachen, heißt ja dann wiederum auch, den Stumpfsinn zu ertragen oder … – es ist ja alles nur Stumpfsinn. Ich befinde mich ja permanent im Stumpfsinn. Das ist zwar weit weg, meine Ziele und meine Vorstellungen und meine Träume und Wünsche sind so weit weg, aber trotzdem fühle ich ja irgendwie, dass das nicht normal ist und dass ich nicht in dem Stumpfsinn sein will. Stimmt’s?

Ronald: Ja, Peter, das ist richtig …

18. Durch kognitive Bestätigung gestärkt und ermutigt, dreht der Mini-Eigner nun ciskognitiv am großen Rad der Empörung, versucht sich durch Wut durchzusetzen, muß aber sofort wieder den Schwanz einziehen, fühlt die Eiseskälte der Trennung nahen und zieht sich zur illusionären Informationsbeschaffung wieder in die kognitive Erörterung zurück, die ihm sagt, daß der Dritte Aspekt (die Urschmerzquantität) zu stark ist

25.35 Die Frustrationswut (Empörung) des Mini-Eigners

Ich will doch gar nicht in dem Stumpfsinn sein, aber es ist so: Ich bin in dem Stumpfsinn. Ich bin da drin. (Wut) Ich weiß es! Ich bin in dem Stumpfsinn.

(Pause)

26.03 Exkurs: Ich friere und muß mich zudecken

Ich friere ein bisschen. Ich glaube, ich muss mir mal eine Decke holen. Ganz kurz mal, ja?

26.37 Weiter im Text: Der Dritte Punkt, die Dritte Dimension (die Quantität des Urschmerzes) zwingt zur Kapitulation (Resignation)

Ah. Ja, na ja, ich wie ich an am anfangs gesagt habe: Ich verstehe die Lage ein bisschen, aber dann kommt diese dritte Dimension rein. Die die dritte Dimension, die heißt: „Es ist unvorstellbar, es ist nicht machbar, es ist nicht …, es ist nicht machbar, ich bin …, stehe wie von der Wand oder es ist nicht machbar.“

27.07 Ronald bleibt dabei und anerkennt nicht die tatsächliche Überlastung durch Urschmerz: „Du machst alles richtig: Du fühlst und sprichst aus, daß alles zu viel ist.“ (Genau das, so sage ich es ja, reicht eben nicht aus. Und tatsächlich fühle ich ja hier auch gar nichts, sondern treffe nur eine nüchterne Feststellung (Ronald läßt die Schlange sich wieder nur in den Schwanz beißen: Ich solle weiter auf der Stelle treten und immer wieder das versuchen und weitermachen, was ich die ganze Zeit ohne Ergebnis tue. Vielleicht wäre es hier wieder besser gewesen, er hätte mich in meiner Ausweglosigkeit bestätigt)

Ronald: Du hast es aber jetzt richtig gemacht schon: dass du das gefühlt hast und dann das ausgesprochen machst: „Es ist zu viel, ist zu groß, kann den Schmerz nicht aushalten“, und das ist der wichtige Weg, da rauszukommen.

Peter: (skeptisch) Mhm. Mm.

Ronald: Indem du das versuchst, trotzdem zu fühlen.

Ja, ja.

Ronald: Das dann eben dabei aussprichst, was du eben in der Sitzung ausgesprochen hast.

Peter: Mhm.

19. Die Frustrationswut als Lebendigkeit löst sofort wieder den Gegenschlag aus; angesichts der der dahinterliegenden zu hohen Urschmerzquantität wird erneut durch Sterben verdrängt. Der Anti-Eigner trägt den Sieg im Kampf um die Steuerung davon: Ich bin vor Urschmerzüberlastung „gerettet“

27.30 Ich verstehe die Mechanik, die ganze therapeutische Technik und Theorie, aber das und Ronalds Ermutigung können nichts daran ändern, daß die Frustrationswut als letztes Lebenszeichen sogleich wieder – wie immer – den Tod auslöst; das hatte sich schon durch das Frieren angekündigt (Ronalds Intervention hatte also tatsächlich wenig Sinn)

Na, ich weiß, ich verstehe, aber jetzt im Moment bin ich so wieder tot. Wahrscheinlich wechselt sich das immer ab so – jetzt bin ich wieder tot. Jetzt bin ich wieder zu tot.

28.07 Der Tod als Rettung vor dem grausamen, schier unendlichen Kampf zwischen Rest-Eigner und Anti-Eigner. Der Anti-Eigner siegt und genießt seinen Sieg: die Qual hört auf (Sehr erstaunlich, wie man sich dann eben doch aus der Bredouille herausziehen kann; wie man dann doch seine – kurzfristige, falsche – Ruhe findet. Ich kann es kaum glauben, aber es ist tatsächlich so: Man blendet plötzlich alles aus. Aber es ist ein rein körperlicher Vorgang: Plötzlich überkommt einen diese Schwere; niemand „zieht sich“ hier „aus der Bredouille“)

Ja, dann ziehe ich mich in den Tod zurück, und dann finde ich den Tod auch gut, weil dann merke ich nichts mehr, dann spüre ich nichts mehr. Dann hört diese ganze Qual oder diese furchtbare …, dieser furchtbare Schmerz, der hört dann auf. Na ja, tot, das geht ja, weil man da gar nichts mehr fühlt.

20. Die „Rettung“ aber funktioniert nur kurz, sie bedeutet nämlich nur erneuten Stumpfsinn, jetzt jedoch radikalisiert zu Öde und Ekel

28.38 Die Qual aber hört nur kurzzeitig auf, denn ich bin ja nicht ganz gestorben, mein inneres Reptil hat mich ja überleben lassen und mich mit einem Minimal-Eigner ausgestattet, d.h. zum Zombie gemacht. Diese Mischung aus Tod (Nahtod) und Minimal-, reinem Überleben ist der Stumpfsinn. Der hält die Spaltung und damit die Qual aufrecht, weil er wiederum die letzte Lebensäußerung, den letzte kleinen Protest auslöst: das Ekelgefühl über die Öde des Stumpfsinns (Stagnation, keine Resignation mehr)

Aber mein Problem ist ja dieses Stumpfsinn, dieser Stumpfsinn. Ich bin dann … – das ist sozusagen, wenn ein Toter leben muss, dann empfindet der das als Stumpfsinn. (Ich hätte es besser nicht sagen können. Ein zum Leben gezwungener Toter – ein Zombie.)

Mhm, ich bin tot und muss leben. Ich sterbe nicht ganz, nicht wirklich, und dann muss ich als Toter leben. Und das ergibt dann diesen Stumpfsinn. Nur Stumpfsinn. Schrecklich. Schrecklich. Es ist so öde und es ist so eklig. Dieser Stumpfsinn ist so eklig.

21. In der Alternative aus Pseudorettung und Lebensekel, die keine ist, sondern die endgültige und unlösbare Verzweiflung, entstehen folgerichtig Gedanken an Selbstmord als der einzig wirklichen Lösung 

29.31 Angesichts dieser Perspektive auf nur noch eklige und immer wiederkehrende Öde Suizidalität als nächster Entwicklungsschritt nach der Stagnation

Dann lieber gleich sterben. (niedergeschlagen) Dann lieber ganz sterben. (niedergeschlagen) Und deswegen habe ich auch immer so eine Selbstmordgedanken: Dann will ich lieber ganz sterben.

22. Rationale Resignation: Einsicht, daß der Schmerz zu groß ist und ich nie verschmerzen und ich selbst (Eigner) werden kann (realistisch-prophetisch)

30.00 Einsicht in die Ausweglosigkeit (realistisch-prophetisch)

Aber es sieht so aus, als ob ich nicht rauskomme aus diesem Stumpfsinnen. Es ist immer wieder nichts als Stumpfsinn. (niedergeschlagen)

30.21 Ich ziehe Ronalds Ermutigung in Zweifel und lehne sie ab: Seine Technik wird mir nicht helfen: Der Schmerz wird nie weggehen, weil nicht daran zu denken ist, daß ich den Schmerz loswerden kann …

Am Ende der Sitzung wirst du mir wieder sagen: „Ja, Peter, fahr jetzt raus, nimm alles mit, mache! Verfolge deine Projekte, mache!“ Aber dann fällt mir immer wieder sofort ein: Gut, auch wenn ich das mache – es wird immer immer da sein, der Schmerz, immer immer immer präsent sein bei allem, was ich tue: Immer immer wird der Schmerz da sein und die Trauer – immer immer immer. (Weinen)

23. Durch die Erinnerung des Minimal-Eigners daran, wie es sein müßte (Konditionalsatz: wenn ich Eigner wäre, hätte ich oder müßte ich das Ziel haben, den Schmerz loszuwerden), werde ich an die traurige Tatsache erinnert, wie sehr minimal mein Eigner ist, und weine ich

31.12 … auch wenn ich dieses Ziel haben müßte (Das bedeutet: Ich habe dieses Ziel nicht mehr, ich kann es gar nicht mehr haben, weil ich eingesehen habe, daß es nicht erreichbar ist). Bei „müßte“, bei dieser Resignation, weine ich immerhin noch als Abschied von mir selbst – vorläufig letzte Äußerung des Minimal-Eigners

Ich müsste den loswerden wollen. Ich müsste …, ja, ich müsste das Ziel haben (Weinen), dass ich den Schmerz loswerden will, aber daran ist gar nicht zu denken.

(Pause)

24. Durch das Weinen gewinnt der Minimal-Eigner etwas an Volumen und wird der Lebensgeist wenigstens so weit geweckt, daß ich Leben simulieren will. Daß mein Leben nur eine Simulation sein soll, löst eine weitere Ciskognition aus, und ich nähere mich in der Entdrängung meinem Ur-Trauma (Ersticken). Eine Verschmerzung kann aber nicht stattfinden, weil der Rachen noch verpanzert ist

31.36 Ich will aber gegenüber Ronald und mir selbst brav und treu sein und wenigstens so tun, als würde ich leben: Ich werde einen Rest von Lebendigkeit („Kreativität“) mobilisieren, also Pseudokreativität veranstalten, Zombie-Kultur pflegen (hier Lennon-Cover-Video einspielen). Das letzte Pfeifen des Minimal-Eigners rührt mich selbst und bringt mich an die Wurzel des Problems: mein Ersticken (Dabei kommt es sogar zu einem Ansatz von Verschmerzung. Er bleibt aber im Rachen stecken. Wir haben es hier mit einer entscheidenden und alles erklärenden Situation zu tun (Grund des Scheiterns): Das Ersticken ist das Ur-Trauma. Zu ihm zieht, treibt es mich immer wieder in meinem Rest von Lebenswillen zurück. Das Szenario sieht hier eine Verschmerzung vor. Der Leben-wollende will verschmerzen, er will alles sagen, seine ganze, tiefe Wahrheit endlich ganz und gar aussprechen, herausschreien – das ist das Szenario. So weit, so gut. Aber ein Ersticken zu verschmerzen, ist nicht ganz leicht … (schwarzer Humor, falls man es nicht verstanden hat), weil das „Wiedererleben“ (falscher Ausdruck für Überhaupt-es-erleben, für Zu-Ende-erleben und dadurch überhaupt erst einmal und zum ersten mal zum Leben zu kommen) eben erneut in der erwachsenen Realität zu einem Ersticken führt. Ja, ich weiß: Das tut es nicht, der Erwachsene bricht dieses Ersticken instinktmäßig ab, er läßt sich nicht wirklich ersticken und sterben. Aber genau darin – in diesem angeblichen Vorteil des Erwachsenen gegenüber dem Kind, der ja laut Janov die Heilung erlaubt – liegt das Problem und der Grund für das schließliche Scheitern bzw. für das Versagen der Therapie: Gerade dieser Abbruch des Erstickens ist gleichzeitig der Abbruch der Verschmerzung; darin liegt der Grund für die Unvollständigkeit der Verschmerzung. Der Erwachsene mag viel mehr Schmerz aushalten (integrieren) können als das Baby, ja, aber ein Ersticken hält er auch nicht aus, da steht das Reptil davor. Es aushalten zu können, hieße ja, zu sterben. Jetzt werden die Primärtheoretiker sagen: „Ja, du kannst aber immer wieder ein Stück davon verschmerzen; auch wenn die Verschmerzung unvollständig ist, ist es eine Verschmerzung.“ Und das glaube ich eben nicht. Ich weiß ganz genau, was eine Verschmerzung ist und wie sie aussieht. Ich habe es sehr oft praktiziert und dann im Projekt auch dargestellt: Das Fühlen des Urschmerzes ist dann immer von einem tiefen, entspannenden Ausatmen gefolgt. Nur das ist Verschmerzung. Das Retten in letzter Sekunde vor dem Ersticken hat keine solche Folge und bewirkt keine wirkliche, nur eine teilweise Entspannung. Diese würde kommen, wenn das Ersticken wirklich zugelassen wird – im Tod. Und genau diesen Tod genieße ich ja auch (siehe oben). Aber weil mein Ur-Trauma nur ein Teil-Tod, ein Nah-Tod war, ist das nicht wirklich zu genießen, sorgt das Reptil für neue Spannung. Der Tod wäre also keine Entspannung – so er überhaupt zugelassen würde. Er ähnelt zwar dem lebendigen Eigner in seiner Pseudo-Entspanntheit, und insofern könnte man von einer Heilung sprechen. Aber es ist natürlich keine – nur eine unvollständige Heilung bzw. Verschmerzung. Dadurch bleibe ich im ewigen Kreislauf, in der Dauerschleife aus Leben-wollen und Sterben gefangen)

Ich kann nur so tun, als ob ich lebe. Ich kann es versuchen, und ich werde es auch versuchen. Ich will ja selber den Stumpfsinn los haben. Ich werde es versuchen, ja (Weinen) (Ersticken) (kein wirklicher Vor-Urschmerz, aber trotzdem ein Ansatz von Verschmerzung: kurze, nicht tiefe Ausatmung).

25. Durch das Stecken-bleiben des Ur-Trauma-Schmerzes im Rachen, die Vorausschau auf die Unverschmerzbarkeit und die Unvorstellbarkeit des Urschmerzes (und damit seine Vorstellung) wird die Ciskognition vertieft (Urschmerz im Ersticken), führt aber weiter zu keiner Verschmerzung, aber zu genügend Mini-Eigner-Volumen und Hoffnung, die Therapie fortzusetzen und sie noch nicht in eine Sterbebegleitung umzuwidmen. Angst vor der weiteren Therapie und dem Schrecken, den sie freisetzen wird

32.20 Aber das Los-werden des Schmerzes ist unvorstellbar; ich weiß, wie sehr, wie zu tief er in mir sitzt. Immerhin wird gerade damit ein Los-werden des Schmerzes eingeleitet (Weinen) (Ersticken), aber dieses muß aus den genannten Gründen unvollständig bleiben, d.h. ich werde den Schmerz nicht los

Aber es ist unvorstellbar. Es ist unvorstellbar (Weinen), es ist unvorstellbar (Weinen) (Ersticken). Ah (oberflächliches Ausatmen). Das ist unvorstellbar. (Weinen) (Ersticken) Unvorstellbar. Unverstellbar. Unvorstellbar. Ich kann mir das nicht vorstellen, dass ich … – Ich weiß es selber nicht mehr genau.

#pau

33.32 Auch wenn ich den Schmerz nicht loswerde und weiß, daß ich den Schmerz nicht loswerden kann (und auch nicht will, denn das würde meinen Erstickungstod bedeuten) und das Fühlen und die Tiefenwahrheit also keine Erlösung bringen kann, will ich es weiterversuchen, d.h. ich weiß es noch nicht wirklich. Ich widme die Primärtherapie noch nicht in eine Sterbebegleitung um; ich habe noch nicht final-rational-resigniert; das kommt erst in ein paar Wochen. Was soll ich auch anderes machen außer in der Wahrheit zu bleiben? Ob das nun zu einem entspannenden Ziel führt (Eignerschaft) oder ob das nun diesem Ziel dient und Primärtherapie genannt wird oder nicht, ist ganz gleichgültig. – Das wesentliche bleibt die Wahrheit, in der ich weiter bleiben werde – nur eben unter der realistischeren Bezeichnung „Sterbehilfe“. Auch in dieser kann man etwas gegen den Stumpfsinn tun; diese wirkt gegen diesen wenigstens kurzzeitig, aber nicht anhaltend. Aber wie lange auch immer es wirkt: Ich muß mit Tiefenwahrheitssitzungen weiter gegen den Stumpfsinn angehen; nur diese geben mir – wenigstens kurzzeitig – eine Erlösung vom Stumpfsinn (Wobei…: So „kurzzeitig“ kann es ja dann auch wieder nicht gewesen sein, denn seit ca. einem Jahr (also ca. seit 2025 – oder ist es schon länger her? 2023?), jedenfalls seit Abschluß der extremen Post-Covid-Depression) bin ich tatsächlich und effektiv nicht mehr im Stumpfsinn (ohne meine Lage aber deshalb auch als optimal bezeichnen zu wollen – alles andere als das, ich weiß um mein riesiges Defizit an Lebendigkeit). Woran denken wir bei „effektiv“ – natürlich an unseren Laska („mangelnde Effizienz der reich’schen Therapie“)

Ja, ich weiß nur, ich muss so weitermachen. Ich muss es versuchen und dann eben immer wieder eben das fühlen, wie jetzt …

33.41 Ich renne bei Ronald offene Türen ein, er bestätigt und ermutigt mich (Ihm wird aber wohl auch ein Stein vom Herzen fallen, mich so zu hören – das vermute ich jetzt, 2026, nur; es könnte sein, daß hier tatsächlich eine Gegenübertragung vorliegt). Aber eigentlich mißversteht mich Ronald, denn ich war jetzt schon wieder vom Pseudo-Eigner weg und beim Fötus, den ich verschmerzen muß. Ronald will hier quasi den Pseudo-Eigner stärken; er baut darauf, daß der Eigner sich von selbst wieder aufbaut, anstatt daß er mich in meiner realistischen Resignation bestätigt; nur diese bietet doch die Chance auf eine wenigstens teilweise Verschmerzung

Ronald: Genau, Peter.

… – was anderes …, was anderes kann ich nicht machen. Es gibt nichts anderes. Ich kann immer nur wieder versuchen und dem Stumpfsinn sozusagen entfliehen und etwas versuchen. Und dann aber, wenn dann immer die Trauer und der Schmerz da ist, dann muss ich das eben zulassen.

34.10

Ronald: Ja, Peter, so ist es richtig: …

Ja.

#ro … versuchen zu leben – immer wieder.

Mhm.

Ronald: Fahre aufs Land hinaus und nimm deine Sachen und mach, was du machen willst.

33.41

33.52 Ich weiß, daß der Mini-Eigner bei aller „Kreativität“ den Fötus nicht verdrängen kann: Angst vor Schmerz und schrecklicher Sehnsucht

Peter: Ja, ja, ja, ich weiß, aber ich habe so eine Angst davor. Es wird immer wieder so sein, dass ich so eine Sehnsucht entwickle und so ein … – Ich werde immer wieder nur an sie denken und überall, wo ich langkommen werde, werden sich Erinnerungen damit verbinden. Das wird überall so sein. Ich weiß es jetzt schon. Ich weiß es jetzt schon. Es ist so schrecklich. Es ist so schrecklich.

(längere Pause)

Schrecklich. (Ausatmen)

26. Endbesprechung: Alle Themen werden noch einmal kognitiv Revue passiert – doch es wird schließlich doch noch einen ciskognitivem Exkurs geben, und zwar dann in die tiefsten Gefühle der ganzen Sitzung

35.25 Ronald schlägt Sitzungsende vor (Es kommt mir wieder so vor, als würde er flüchten wollen, ich bin mir aber nicht sicher. Er bleibt jedenfalls eindeutig im Primär-Paradigma und unterstellt mir das gleiche (spricht von der „richtigen Lösung“, die ich „gefunden“ hätte), obwohl ich ja deutlich signalisiert habe, daß ich eine Verschmerzung nicht mehr für möglich erachte. Jedenfalls lasse ich mich nicht vom Sitzungsende überzeugen)

Ronald: Wir könnten eigentlich für heute damit schon Schluß machen, Peter.

Aha.

Ronald: Da machen wir mal eine kurze Sitzung.

Peter: Mhm.

Ronald: Es sei dann, du hast noch ein paar Punkte, die du ansprechen willst, aber du hast ja jetzt die richtige Lösung gefunden eben, ne.

35.01 Ich falle tatsächlich noch nicht vom Glauben ab, muß die Notwendigkeit einer Fortführung der Therapie einsehen, bin aber zumindest skeptisch; gleichzeitig bin ich aber auch erneut angeekelt-frustriert-empörend (Ja, die Hoffnung auf Therapielösung besteht eben noch – deshalb noch die naive Empörung)

Peter: Ja, aber das ist trotzdem schrecklich, und es kotzt mich an, dass es so sein muss. Es kotzt mich so an, aber offensichtlich ist es so. Und wenn ich das nicht einsehe, dann bleibe ich im Stumpfsinn.

Ronald: Ja.

Ich muss das einsehen. Ich muss das einsehen.

Ronald: Mhm.

35.20 Hoffnung, Einsicht und Glaube können aber die tiefere, rationalere Einsicht von der Urschmerz-Überlastung und Verschmerzungsunmöglichkeit nicht verdrängen. – Immerhin Traurigkeit und Weinen darüber (im Rahmen der Sterbebegleitung – aber das weiß ich hier noch nicht)

Ich muss das einsehen. Ich muss das so machen jetzt, ja, aber es ist … (Weinen), aber es übersteigt irgendwie meine Kräfte, ah.

35.34

Ronald: Ich weiß, Peter, es ist zu viel für dich, und das musst du auch mal beim Fühlen immer sagen: …

Aha.

Ronald: … „Es ist zu groß. Es ist zu viel. …

Ja.

Ronald: … Ich kann den Schmerz nicht aushalten“ – was du vorhin auch gesagt hast.

Ja, ich kann es auch nicht lösen. Ja.

35.53 Ich resümiere die Sitzung und ziehe eine Bilanz: Ich habe mein Ziel für die heutige Sitzung, die Stärkung des Mini-Eigners durch Empörung, nicht erreicht. Der Tod hat sofort zu sehr entgegengewirkt

Ich hatte mir eigentlich mehr vorgenommen für heute, aber okay, dann ist es eben so wie es ist. Ich wollte …, ich wollte eigentlich noch offensiver sein, aggressiver sein. Ich wollte die Lebendigkeit mehr sprechen lassen. Aber du siehst: Wenn es dann soweit ist, dann haut’s mich wieder nur um, dann sterbe ich wieder, dann werde ich wieder so unsagbar traurig.

Ronald: Hm.

36.28 Realistisch-rational-prophetisches Vor-Schlußwort: Ich kann das Band mit Nasti nicht zertrennen (Ein Kompromiß muß gefunden werden). Ich sehe hier zwar noch ein bzw. befolge Ronald und die Primärideologie, daß es kein Kompromiß geben darf und ich mich in der falschen Dichotomie für eine Seite, nämlich die radikal-brutale Trennung von Nasti, entscheiden muß. Aber daß ich das Band selbst zerreißen muß – das erscheint mir doch als unmöglich

Da ist immer …, da ist etwas da ist etwas, was einfach wirklich zu viel ist für mich. Das ist …, hängt immer zusammen mit diesem gewissen Band, was ich habe und was zwischen mir und Nasti ist. Dieses Band ist so stark und schön und fühlt sich so extrem richtig an und … Und das ist da, und das kann ich nicht aufgeben oder … Es kommt mir so vor, als ob ich das aufgeben müsste, als ob ich das selber zerreißen muss. Ja, es sieht ja wirklich so aus. Und …, und das ist so schrecklich.

37.24 Ich melde leise Zweifel an der Primärideologie an und  denunziere vorsichtig falsche Dichotomie und Schwarz/weiß-Sicht, stimme ihnen aber gleichzeitig noch zu, bin aber gespalten und verunsichert. Ich wende mich …

Vielleicht täusche ich mich ja auch, vielleicht ist das ja eine falsche Vorstellung, aber so stellt sich das für mich dar: Wenn ich lebendig sein will, sieht das so aus, als ob ich da dieses Band zerschneiden muss. Ja. Da weiß ich nicht, ob ich mich täusche oder das wirklich so sein muss.

37.49 … in meiner Verlorenheit und meinem Bedürfnis nach fremdfreundlicher Orientierung (freundliche Heteronomie) an den Primärideologen …, …

Was sagst denn du dazu?

… dieser wiederholt absolut korrekt die Primärinterpretation der Lage. Sie trifft tatsächlich vollkommen zu. Aber Ronald geht wieder nicht auf die zu hohe Quantität des Urschmerzes ein

Ronald: Ja, das ist ja, was dich gefangen hält: …

Aha.

Ronald: … diese alte Verbindung.

Mhm.

Ronald: Und das ist ja auch was dich an Nasti bindet und die ganze Zeit gebunden hat.

Mhm.

Ronald: Und das ist eben sozusagen dein altes Lebenselixier, diese Verbindungen, ne.

Mhm.

Ronald: Da hing ja ursprünglich dein ganzes Leben und auch deine Lebendigkeit dran.

38.23 In meiner Orientierungsnot baue ich die ganze Primärtheorie noch einmal auf. Es hört sich so an, als sei ich ein Anfänger, aber wenn ich tatsächlich so orientierungslos und verloren ist, muß ich mir die Theoreme wirklich genau vor Augen führen: Ich habe mit Nasti endlich die Bindung gefunden, die ich nie gehabt habe, und kann sie deshalb auch nicht wieder aufgeben

Peter: Mhm. Also du meinst also: Das, was ich mit Nasti hatte oder habe oder nicht loslassen kann, das ist im Prinzip das, was ich gehabt hätte oder hätte haben müssen – unabhängig von ihr viel früher als Säugling oder so. Da hätte ich das haben müssen. Und weil ich es da nicht gehabt habe, habe ich es dann später sozusagen mir lange lange lange gesucht, habe ich es irgendwann mal bekommen, und dann habe ich es sozusagen gehabt, aber dann kann ich es eben nicht mehr aufgeben, weil ich es einmal endlich mal kennenlernen durfte oder so.

Bedürfnis nach Orientierungshilfe. Ich frage, ob ich die Theorie richtig wiedergegeben habe

Kann das so zusammenhängen?

38.58

Ronald korrigiert mich – zurecht – und wiederholt die korrekte Sicht: Ich habe die Bindung nicht „nie“, sondern schon einmal gehabt, bevor ich sie verloren habe. Ich werde jetzt in meiner Trennungsabsicht an diesen Verlust erinnert

Ronald: Ja, nicht ganz.

Aha.

Du hattest ursprünglich die Verbindung gehabt …

Aha.

Ronald: … mit deiner Mutter, sonst wärst du ja gar nicht …

Aha.

Ronald: … geworden sozusagen.

Peter: Aha. Ich habe sie immer verloren oder so?

Ronald: Du hast sie aber eben verloren, und jetzt ist es deswegen so grausam und schrecklich, sie wieder zu verlieren, weil das den alten Schmerz anspricht.

39.17 Ronalds Sicht mag mich intellektuell und logisch überzeugen, aber mein („altes“?) Gefühl sagt mir, daß ich nie eine Bindung gehabt hätte. – Darin läge eben diese zu hohe Quantität des Urschmerzes. (Ich denke, ich habe hier recht: Ich war ein ungewolltes Kind, bin nur gegen einen Abtreibungsversuch auf die Welt gekommen. Ich war nie gewollt – im Gegenteil: man wollte mich abschaffen –, und das entspricht meinem „eigenen“ Nicht-Willen, meinem Großen Nein, die gegen eine Verschmerzungsmöglichkeit sprechen)

Weil im Moment kommt’s mir so vor, als ob ich das nie gehabt hätte. Ich kann mich nicht daran erinnern, das jemals gehabt zu haben. Für mich stellt sich so da, dass ich von Anfang an das nicht gehabt hätte und daß dann nur irgendwann mal – durch Nasti jetzt oder dass ich mich darauf einlassen konnte auf eine Beziehung mit einer Frau oder so – …, dass das dann zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt stattgefunden hat. – So kommt es mir vor.

39.48 Ronald erwidert: Die Erinnerung an die tatsächlich gehabte Bindung wurde nur durch den Tod ausgelöscht; deswegen kommt es mir jetzt so vor, als ob es sie nie gegeben hätte (alles sehr logisch und sicherlich auch zutreffend, allein …)

Ronald: Ja, so kommt es dir ja auch richtig vor, weil der Tod ja dazwischenliegt sozusagen.

Aha.

Davor …, davor war die Verbindung, und der Tod und der hat dann die Erinnerung daran ausgelöscht – scheinbar.

Aha.

40.01

Ronald: Und du hattest ja dann anschließend mit deiner Mutter diese Verbindung nicht mehr gehabt …

Ja.

Ronald: … die ganze Kindheit durch.

Peter: Ah ja.

Ronald: Du hast sie ja mit Helke auch nicht gehabt. Du hast sie erst jetzt mit Nasti wieder gehabt.

Peter: Ja. Verstehe. Also du sagst, es sieht eher …, also es wird wahrscheinlich so sein, dass ich mal die Verbindung gehabt habe mit meiner Mutter.

40.25 Du hast als ein Lebewesen – also eines solchen, das aus einem anderen Lebewesen hervorgegangen ist –  unbedingt eine Bindung haben müssen – eine bestechende und absolut überzeugende Logik. Ich aber …

Ronald: Ja, musst du ja, sonst hättest ja nicht leben können.

40.27 … melde trotzdem Zweifel daran an: Wie sehr Ronald hier auch recht hat und auch wenn ich tatsächlich diese Bindung einmal gehabt haben muß als Zweizeller, als Ur-Reptil oder Embryo – es geht trotzdem an der Sache vorbei: Es ändert nichts an der Tatsache der Unverschmerzbarkeit. Das Maß an Bindung wird zu klein gewesen sein, oder die Bindung war von Anfang an – als ungewolltem Kind – vergiftet; es war also nie eine wirkliche, eine liebevolle Bindung. Wenn diese – wie gering auch immer – vorgelegen hätte, dann wäre das die Grundlage einer Verschmerzung gewesen, dann hätte ich zu den 50 % von Ronalds Patienten gehört, wo die Verschmerzung halbwegs vollständig stattfinden konnte. Meine Bindung war aber wohl against all odds zu schwach und gering, so daß, als ich – abermals against all odds und nach 20 Jahren der harten therapeutischen Arbeit – einmal eine tatsächliche Bindung herstellen konnte – eine, die diesen Namen auch verdient und nicht wie eine von Anfang an pseudomütterliche Scheinbindung ist –, diese eben nicht wieder verlieren kann: eben wegen der Erinnerung an den Schrecken der Quasi-Bindungslosigkeit

Peter: (skeptisch) Na ja, gut – ja. Aber es kann auch sein – was weiß ich –, wenn ein Kind nicht erwünscht ist oder so, dass…, dass das Kind von Anfang an merkt, dass es zwar da eine physikalische Verbindung gibt – irgendwas –, …

Ronald: Hm.

Ich argumentiere jetzt nicht logisch, weil meine Einsicht zurücknehmend, aber im Prinzip trotzdem richtig

… aber es kann schon sein, dass diese Verbindung nie …, nie wirklich existiert hat. Das kann schon sein, oder?

40.50 Ronald stimmt mir jetzt zu: Die Bindung kann tatsächlich nur sehr schwach gewesen sein (zu schwach –und damit die Unverschmerzbarkeit und Verdammnis in meinem Fall – meint er hier aber nicht)

Ronald: Ja, daß sozusagen du von Anfang an ungewollt warst …

Ja.

Ronald: … und dass du das auch gespürt hast – das ist schon möglich, ja.

Weißt du, das war …

Ronald: Es kann auch sein, dass deine Mutter sogar versucht hat, dich abzutreiben.

Peter: Ja, z.B.!, weißt du. Und vielleicht speist sich mein Gefühl ja von …, davon: …

Ronald: Ja, (unverständlich)

… dass ich wahrscheinlich nie die Verbindung hatte. Deswegen ist es auch so brutal für mich jetzt, diese Verbindung jetzt wieder aufzugeben oder sein zu lassen, …

Ronald: Ja, Peter, ja.

… weißt du?

Ronald bleibt beim Ideologem als vermeintlichem Mutmacher: Daß es die Bindung nie gegeben hätte und die Bindungslosigkeit nicht verschmerzt werden könne, weil ich auf keine Grundbindung aufsetzen kann und die Quantität an Urschmerz zu hoch ist, sei meine momentan-subjektive Sicht der Dinge; diese kann sich zu einem anderen Moment aber wieder ändern, dann würde ich sehen, daß der Urschmerz tatsächlich auch bei mir verschmerzbar ist (Meine Überzeugung war tiefer und realistischer – nicht nur neurotisch –, als er denkt. Ich habe einfach wirklich gewußt, daß es nicht geht. Ob sie gänzlich realistisch war, weiß ich bis heute nicht, denn es hat ja durchaus noch positive Veränderungen gegeben, und heute geht es mir nicht mehr so katastrophal wie damals. Aber das tut es ja nur nicht, weil ich mich keiner Beziehung mehr aussetze und die Katastrophe nicht mehr getriggert werden kann. Es ist also jetzt kein Moment eingetreten, wo ich die Frage der Verschmerzbarkeit anders einschätze als damals. Ich denke, ich lag damals richtig: Die Therapie mußte bei mir scheitern wegen der zu hohen Quantität an Urschmerz)

Ronald: Dann, wenn du das so empfindest und siehst, dann wird’s auch so sein, Peter.

Aha.

Zumindestens ist es dann sozusagen deine Wahrheit erstmal – …

Ja.

Ronald: … so, wie du das subjektiv erlebt hast sozusagen.

41.34

Peter: Ja. Mhm. Klar muss ich Verbindung gehabt haben über die Nabelschnur – sonst was alles oder … –, klar, logisch. Das ist schon klar. Aber mein Gefühl ist so …, so eindeutig, dass, was ich vorhin diese dritte …, diesen dritte Aspekt (genannt habe), dass das unvorstellbar ist und dass es so solche Ausmaße hat, solche unglaublichen Ausmaße der Unmöglichkeit, …

Ronald: Hm.

… dass mich das so denken lässt: dass ich nie, offenbar nie diese Verbindung hatte. (Und entsprechend auch nie Eigner werden kann. „Nie wieder“ zu sagen, wäre verkehrt.)

Ronald bestätigt mich bzw. den Fötus in mir: Es ist unmöglich, die Verbindung aufzugeben (Subtext: aber jetzt kannst du es bei der symbolischen Beziehung)

Ronald: Ja, Peter, also es ist ja auch im Urkontext unmöglich, dass du diese Verbindung aufgibst oder gar abschneidest. Da hängt ja dein Leben dran – das willst du ja gar nicht, deswegen willst du es jetzt auch nicht.

Peter: Ja, genau. Genau. Mhm.

42.21

Ronald: Es ist auch unvorstellbar: Ein Baby kann die Verbindung im Uterus nicht unterbrechen – das geht gar nicht.

Mhm.

Ronald: Das ist unvorstellbar.

Mhm.

Ronald: Auch mein Nicht-Wille, mich von Nasti zu trennen, obwohl eine andere Stimme das für besser hielte, sei nur der des Fötus

Ronald: Und das will es auch gar nicht, weil es diese Verbindung braucht und weil das – du hast es ja jetzt auch mit Nasti erlebt – so richtig und gut ist, …

Mhm.

Ronald: … diese Verbindung – so sollte es eigentlich sein.

Mhm.

Ronald: Das ist der gesunde Ur-Zustand sozusagen, diese Verbindung.

42.48

Peter: Mhm. Genau. Und deswegen kommt mir das so absurd vor, das aufzugeben.

Ronald: Mhm.

Dieses theoretische Gespräch kann mein Gefühl, aber auch nicht meine Einschätzung ändern (Das Gefühl kann die theoretische Interpretation sowieso nicht ändern, diese kann und soll hier ja auch nur als Mutmacher fungieren, sich weiter den Gefühlen gegenüber zu öffnen, auf daß sie, die bisher irrational sind, sich tatsächlich verändern. Aber meine Einschätzung kann insofern eine rationale sein, als daß es zwar meine Gefühle sind, die deren Grundlage ist, aber ich weiß, daß es zu viel ist. – Es ist nicht leicht, das auseinanderzuhalten. Fakt ist, daß es tatsächlich sein kann – das ist sehr euphemistisch ausgedrückt –, daß Verschmerzungen unmöglich sind)

Aber das ist … Wir sprechen jetzt da zwar drüber, aber das heißt längst nicht, dass ich das wirklich eingesehen habe oder kapiert habe, dass … – mein Gefühl schreit dagegen an.

Ronald: Klar, muß es auch, Peter.

Mhm.

43.09

Ronald: Das ist sozusagen dein Leben, dein Lebenselixier, diese Verbindung, …

Mhm.

Ronald: … im wahrsten Sinne des Wortes.

43.17 Die Verbindung zu Nasti sei Lebendigkeit par excellence (Das ist nun aber sehr paradox – aber nicht neu hier –: Ich wollte mich ja trennen, um mehr Lebendigkeit zu bekommen. Jetzt kann ich mich aufgrund des drohenden Verlustes von Lebendigkeit nicht trennen. Das ist nur auf den ersten Blick paradox. Hier geht es um die Grundlebendigkeit, auf der alle andere Lebendigkeit aufbaut)

Peter: Ja. Ja. Ja! Das fühlt sich auch so an wie Lebenselixier. Das fühlt sich an wie das Leben. Es fühlt sich an wie Lebendigkeit. – Ja, das sage ich ja auch immer. Ich sage, da ist so eine schöne, lebendige, warme Verbindung da, ja, ja!, …

Ronald: Hm.

… die uns so eint und vereinigt. Und weder sie noch ich können uns das vorstellen, dass es aufhören soll. Und dann schreit eine riesen Stimme in mir: „Na, das soll jetzt ja gar nicht aufhören! Das soll ja gar nicht aufhören, soll ja gar nicht aufhören! Wie kommst du auf die Idee, dass es aufhören soll?! Das ist doch Quatsch!“ – Weißt du?

Ronald: Hm.

Eine tiefe Spaltung zwischen dem kleinen Trennungsbefürworter und dem großen Trennungsablehner

44.00 Und dann bin ich total durcheinander oder schizophren: Dann gibt’s ganz verschiedene Stimmen in mir drin, die das völlig gegensätzlich sehen. Ah (Strecken).

44.13 Ich will zum Ende kommen

Na ja, gut. (Ausatmen) Na ja.

Ronald: Also … – ja?

Nein … (ich habe nichts sagen wollen). Sag!

44.20 Ronald: Du warst durchaus auch aggressiv und hast insofern das Ziel für die Therapiesitzung erreicht (eine Empörung hat also stattgefunden) (Mir fällt hier ein ganz anderer Aspekt ein: Ich habe mir die Aggression zwar vorgenommen, aber mich dann nicht dran gehalten, bin mit meinen echten Gefühlen mitgegangen. Das ist zwar für einen Wahrsager normal und banal, aber dennoch ein gutes Zeichen. Denn es besteht durchaus die Möglichkeit der Korruption, den Wütenden zu markieren, wo man nur traurig ist. Aber das zeigt, daß es das Setting mit einem Begleiter oder mit einer (positivierenden) Übertragung ist, das zu einer tieferen Wahrheit zwingt)

Ronald: Ja, zwei, drei Punkte wollte ich noch ansprechen: Also du hast ja gesagt, du hattest dir eigentlich vorgenommen, heute wirklich viel aggressiver zu sein. Das hast du ja auch in der Email angedeutet: …

Aha.

Ronald: … diese Wut zu fühlen über dieses Stumpf-sein, …

Hm.

Ronald: … aber du bist ja heute aggressiv gewesen in dem Sinne, dass du das Ziel dir wieder vorgenommen hast, dass du leben willst, und dass du dir vorgenommen hast, dass du versuchen willst zu leben, …

(skeptisch) Na ja …

Ronald: (unverständlich) … (obwohl das) unvorstellbar ist.

(skeptisch) Ja, aber …

Ronald: Empöre dich weiter in diesem Sinne! Fahre raus und drehe deine Lennon-Cover-Videos! (Er sieht hier nicht, daß diese Art „Kreativität“ sehr oberflächlich ist. Die Ermutigungen des Eigners (oder zum Eigner) sind gut gemeint, aber es wäre vielleicht besser gewesen, mich in der quantitativen Überlastung und realistisch-pessimistischen Sichtweise zu bestätigen. – Frage der möglichen Gegenübertragung)

Ronald: Und deswegen noch mal sage ich: Nimm deine Sache und fahre aufs Land hinaus und versuch deine Projekte da zu machen. Versuch zu leben, Peter!

27. Ciskognitiver Exkurs in der Endbesprechung: Wie die Vorstellung von der bloßen Simulation meines Lebens in Kapitel 22, löst jetzt die eines Pseudo-Eigners, der ich nur noch bin und vom Grund dafür, nämlich den Bindungsabbruch als Fötus, Urschmerz aus

44.50 Ciskognition in der Endbesprechung: Ich kann es überhaupt nicht als Ermutigung annehmen (im Sinne von: „Tschakka! Ich packe es an!“), die Vorstellung von einem sehr oberflächlichen, also Pseudo-Eigner löst im Gegenteil jetzt die tiefsten Gefühle der Sitzung über die Trennung aus (Vor-Urschmerz) (Wimmern) (Winseln)s (Jaulen) (Schluchzen). (Aber darin lag der Grund für diese Intervention Ronalds, bzw. eine solche Reaktion jetzt kommt ihm als Therapeuten entgegen. Ich fühle hier ganz offensichtlich große Schmerzen – aber eine Verschmerzung findet dennoch nicht statt, nur bzw. immerhin eine Teil- oder unvollständige Verschmerzung. Jetzt könnte man zwar wieder sagen: „Ja, eins nach dem anderen! Du näherst dich der Verschmerzung.“ Aber das sehe ich eben nicht so. Sie wird nie vollständig stattfinden)

Ja, genau … (Weinen) – Das löst alles das löst alles nur Trauer aus, wenn ich sowas höre. (Weinen) Das löst nur Trauer aus. Für mich ist es alles nur traurig. (Vor-Urschmerz) Ich sehe nur Abschied (Wimmern) (Winseln)s (Jaulen) und nur so sowas. (Schluchzen) Ich sehe nur …, nur – in allem, was ich tue. (Hecheln) Wenn ich sowas höre, dann sehe ich, wie ich mein Auto hole, dann wie ich meine Sachen packe … – und es wird alles nur traurig sein. (Urschmerz) (Röcheln) (Teilverschmerzung – die Stimme wird ein kleines bißchen entspannter und tiefer)

28. Ich will dem Pseudo-Eigner nicht folgen, kein Leben simulieren, stattdessen den traumatisierten, rat- und hoffnunglosen Fötus zu akzeptieren und weiter sprechen lassen, auch wenn ich weiß, daß sein Urschmerz nie vollständig verschmerzt werden kann

45.56 Jetzt zu versuchen, ein Eigner zu werden (auf Ronalds Rat zu hören), also eben nicht meine wirklichen, zumindest absolut vorherrschenden Gefühle zu übergehen oder übergehen zu wollen, würde gerade bedeuten, das bißchen an Eignerschaft auch noch zu verlieren. Die Traurigkeit ist ja gerade das, was mich vom Major Tom unterscheidet: Der fliegt da draußen herum, ohne noch etwas zu fühlen; der mußte seine Gefühle abschalten, weil es zu brutal war

Es wird alles nur traurig sein, und ich will auch gar nicht, dass es nicht traurig ist. – Ich will das gar nicht, ich will das gar nicht verlieren.

46.09

Stell dir mal vor, es wäre nicht traurig. Dann würde ich mir wie David Bowie oder wie der Major Tom vorkommen, wenn das nicht so wäre, wenn ich jetzt einfach so losfahren könnte. Ich wüsste, ich würde nur ins Weltall rausfahren. Ich würde nur ins Weltall rausfahren. Ich würde mich nur vollständig verlieren.

Ich kann kein neues Leben führen und so tun, als würde sich etwas ändern. Alles kommt mir nur wie Pseudo-Eignerschaft vor – und das ist es ja auch tatsächlich. So zu tun, als könne ich ein Eigner sein, stieße mich erst recht in die dann absolute und totale Nicht-Eignerschaft (Soaring in den Kosmos – musik. Illu.) (Ich werde einen Kompromiß machen – nicht die schlechteste Entscheidung. Mein Landaufenthalt wird ja durchaus auch positive Aspekte haben: ich singe und spiele lustig Lennon-Songs – das kann man ja auch nicht leugnen, das hat ja schon etwas von einem wenigstens Mini-Eigner. Also das spricht alles für Ronald – er hat ja sicherlich auch nichts dagegen, ganz im Gegenteil, daß ich diese andere, extrem traurige Seite wahrnehme, das ist alles Teil seiner Therapie. Aber was er nicht sieht, ist, daß dieses Wegfliegen in den Kosmos ein definitives war und bleibt und jetzt in der Gegenwart eben nicht nur Teil einer Verschmerzung ist. Ich bin zu weit rausgeflogen und abgehoben, als daß ich mich noch einmal herabholen könnte)

Ich kann mir das nicht vorstellen, dass ich jetzt plötzlich so ein Art neues Leben führe. Das kann ich mir nur vorstellen als vollständig wegdriften in den Weltall, nur in diesen Weltall wegfliegen – vollständiges Losreisen, endgültiges …, endgültiges Wegreisen, Wegtriften, Wegfliegen – ich fliege weg auf immer und ewig. Ich fliege weg. Ich fliege weg. Ich fliege weg. Ich fliege weg. Es gibt nichts mehr, nichts mehr, nichts mehr.

48.00 In meiner Spaltung verzweifelte Ratlosigkeit will ich wieder Ronald um Rat fragen, aber …

Was mache ich denn bloß mit Nasti? Ich meine, wie gesagt, sie hängt ja so sehr an mir. Sie hat ja so eine große Hoffnung. Sie sie bekommt nichts mehr von mir: alles das, was sie möchte. Und sie kann es nicht aufgeben. Sie kann es nicht.

48.27 … mir fällt es gar nicht mehr ein, weil es die Trennung und den Sturz in eine riesige Hoffnungslosigkeit betrifft (Überlastung, Verdrängung per Fremdzentriertheit)

Jetzt weiß ich gar nicht mehr, was ich fragen wollte.

Ronald: Du wolltest wissen, was du mit Nasti machen sollst.

Ich gebe mir die Antwort selbst: Ich sehe die Lösung meines Ratlosigkeitsproblem darin, weiter zu fühlen, also die Therapie fortzusetzen. Ich bin also nach wie vor therapieoptimistisch, sehe mich immer noch im therapeutischen Paradigma, noch nicht in dem der Sterbehilfe. Ich hoffe auf ein Wunder: daß die Therapie „etwas ergeben“, etwas verschmerzen wird und mir mehr Wissen und eine neue Wirklichkeit erschließen wird (Ich bin noch ein tapferer, treuer Therapiebejaher)

Ja, ich weiß nicht, was wie ich da umgehen soll damit und … – es ist so schrecklich. Na ja, ich muss erstmal weitermachen. So, einfach nur fühlen, fühlen, fühlen und dann irgendwann mal wird sich vielleicht irgendwas dann ergeben.

48.58 Ich renne damit natürlich offene Türen bei Ronald ein (Er macht es sich einfach: Unter „deine Gefühle“ versteht er vor allem meinen Lösungswillen, also eine vorschnelle, oberflächliche Eignerschaft. Er übersieht, daß ja, was er eigentlich richtig sieht, die fremdzentrierten Gefühle (Nastis Tiefenenttäuschung und Sturz in die  Hoffnungslosigkeit) meine eignen Gefühle sind – daß sie meinen Eigner ausmachen.)

Ronald: Das meine ich auch. Du solltest erstmal deine Gefühle fühlen und nicht Nastis.

Ja. Ja.

Ronald: Du solltest mit ihr erstmal gar nichts weiter machen als das, was du machst jetzt.

49.11 Ich akzeptiere die Spaltung, gebe mich auf und hoffe auf Steuerung aus dem Unterbewussten, weiß aber, …

Ja. Ja. Ja – einfach so spontan das irgendwie …, ja, aus dem Unterbewussten heraus wahrscheinlich … (laufen lassen), einfach … (geschehen lassen).

(Pause)

49.35 … daß mich nichts von dem grausamen Schrecken des Abbruchs, des Losreißens befreien wird

Es ist so schrecklich, so grausam, so unvorstellbar grausam. Ah (Ausatmen).

(Pause)

49.51 Auch hier in der Therapiesitzung muß ich mich losreißen, was mir sehr schwer fällt (in die eiskalte Einsamkeit ohne Verbindung, nicht einmal die begleitende Ronalds, zurück); ich tue es trotzdem, die Stimme der „Vernunft“ ist noch vorhanden, aber …

Na ja, gut. Okay, dann … (machen wir Sitzugsschluß). Ich hab zwar keine Lust mich loszureißen jetzt, aber vielleicht hast du recht, vielleicht reicht das erstmal für heute.

Ronald: Hm. Ja.

50.03

Also, wie gesagt: Ich fahre jetzt ein paar Tage raus.

Ronald: Hm.

Heute ist Mittwoch, oder?

Ronald: Heute ist Mittwoch, ja.

50.14 … ich denke schon an eine baldige Fortsetzung der Sitzung – auch vom Lande aus (wo ich ja eigentlich „meine Persönlichkeit entwickeln“ (Röhler) will)

Peter: Nur … – ich würde mir ganz gerne die Möglichkeit offen halten, dass ich auch von draußen vielleicht mal anrufe, aber …

Ronald: Das kannst du, Peter, ja.

… ich werde trotzdem dann so schnell wie möglich bei dir Bescheid sagen, ne?

Ronald: Gut, ja, mach das, ja.

Peter: Ja?

Ronald: So ist es besser.

Aber es könnte wirklich … (passieren) – ich will es mir offen lassen. Ich will nicht generell absagen für die nächsten Tage, weißt du?, …  

Ronald: Hm.

… weil es kann sein, dass ich mal anrufen muss.

50.37 Ronalds verbleibende Punkte der Endbesprechung: Ihm ist natürlich klar, daß ich da nicht auf dem Lande fröhlich herumspringen werde und daß ich natürlich die Traurigkeit fühlen muß (Daß er das so sieht, ist völlig normal und im Rahmen der Therapie ganz selbstverständlich und selbstverständlich richtig so. Ich behaupte natürlich nicht, daß er mich als Kasper herumspringen sehen will. Ich sage nur, daß er das Ausmaß meiner Katastrophe unterschätzt. Ist es eine (bewußte oder unbewußte) Schutzunterschätzung? Weiß er es eigentlich schon besser und kann natürlich nicht von seiner Seite aus die Therapie beenden und zur Sterbebegleitung übergehen? Aber dagegen spricht, daß er mir einmal gesagt hat, er lehne auch Patienten ab, wo er eine Heilung nicht für möglich hält. Das scheint bei mir nicht der Fall zu sein, er scheint bewußt und ehrlich an meine Therapiefähigkeit zu glauben. Oder vielleicht hat er auch meine Therapieunfähigkeit erst unterwegs realisiert und kann mich jetzt nicht mehr als Patient entlassen? Doch, das könnte er – und mich weiter im Sterben begleiten. Aber eine solche Selbstumwidmung vom Therapeuten zum Sterbebegleiter kann man vielleicht nicht erwarten, das muß schon von mir kommen. Fakt ist, daß er die Umwidmung mitmachen wird)

Ronald: Kurz noch zwei Punkte, die ich ansprechen wollte: Also, das ist okay, dass es traurig ist, weil es ja auch wirklich traurig ist, Peter.

Ja.

Ronald: Du mußt diese Traurigkeit fühlen!

Ronald: Und das ist ja wichtig, dass du diese Einsicht hattest gleich am Anfang der Sitzung: dass unter dem Stumpfsinn diese Traurigkeit ist, die du fühlen musst, ohne aus diesem Stumpfsinn rauszukommen. (Sic – ein Lapsus, der seine eigene Hoffnungslosigkeit in bezug auf mich als Fall, aber eben auch die Tatsache einer Gegenübertragung verrät?)

Diese Traurigkeit ist zu groß. Daß ich aufs Land fahre und „meine Persönlichkeit entwickeln“ (Röhler) will, ist doch eigentlich doch nur eine Flucht vor dem Urschmerz (Ich bin mir natürlich nicht sicher, aber vielleicht wären hier ein Verweilen in Berlin und weitere Sitzungen angezeigt gewesen: Hätte ich es mit mehreren Marathon-Sitzungen vielleicht doch geschafft? – Ich glaube nicht.)

Peter: Ja. Na ja, aber wiederum: Alles das, was ich dann fühle, das bringt mir ja nichts anderes als diese Riesen…, als diesen riesigen Schmerz vor Augen. Und genau vor dem will ich ja flüchten, also den will ich ja nicht, weißt du?

51.16 Ronald: Du mußt sowohl sagen, daß dir der Schmerz zu groß ist und daß du ihn nicht fühlen kannst, also auch mußt du aber trotzdem versuchen, ihn zu fühlen (Das ist nicht nur unlogisch, mathematisch falsch oder naiv-optimistisch, sondern zeugt meines Erachtens von einer Verdrängung seinerseits und einer Gegenübertragung: Er macht den Vogel Strauß, und er stürzt sich in das Drehkreuz (Sandra in Kalifornien, Turnstile: Augen zu und durch) oder will mich in das Drehkreuz stürzen lassen. Das kann aber nicht richtig sein. Das Anhalten und Innehalten vor dem Drehkreuz wäre hier richtig: das Wahrnehmen der Bewußtlosigkeit und die Bewußtmachung der Angst vor dem Sterben, das auf mich hinter dem Drehkreuz erwartet. Der Schmerz ist wirklich zu groß (Es ist zwar tatsächlich „nur ein Gefühl“, aber eins, daß ich nicht haben kann (Erstickung und andere Gründe). Wenn man versuchen will, diesen Schmerz zu verschmerzen, dann müßte man vor dem Drehkreuz stehen bleiben. Das weiß ich. Mit einem „versuche es trotzdem“ (durch das Drehkreuz durchzurammeln), ist es nicht getan, wenn man noch an eine Heilung glauben sollte. Ich aber glaube ja eigentlich schon nicht mehr daran (weiß das nur noch nicht; das kommt in wenigen Wochen), ich „sage“ es nicht nur (daß der Schmerz zu groß ist), sondern weiß es eigentlich schon: daß der Schmerz tatsächlich zu groß ist)

Ronald: Ich weiß, ja. Deswegen habe ich dir vorhin auch gesagt und dich ermutigt und ermuntert, dann zu sagen: „Es ist mir zu viel, ich kann das nicht fühlen. Der Schmerz ist äh …“ – „Ich kann den Schmerz nicht aushalten“, hast du gesagt. – Versuche es trotzdem.

Mhm.

51.31 Therapeutisch völlig richtig, ermutigt mich Ronald, dem Schmerz nicht auszuweichen (Die Frage ist nur, ob wir uns hier noch im Rahmen der Therapie befinden. – Ja, noch ist der New Deal nicht da)

Ronald: Weiche dem nicht aus, denn sonst bleibst du in diesem Stumpfsinn stecken.

Peter: Mhm.

51.39 Das Geschäftliche und die Fortführung der Therapie Betreffende

Ronald: Okay, Peter, dann haben wir heute eine Dreiviertelstunde.

Mhm.

Ronald: Das sind dann 45. Dann hast du … – du hattest ein Minus bei mir von 180. 500 habe ich von dir bekommen. Da hast du noch Plus von 320 gehabt.

Mhm.

Ronald: Da hast du jetzt noch ein Plus von äh 200. Was ist das? (Er rechnet.)

Peter: Na ja, ich kann sowieso jetzt nicht rechnen. Du machst es ja mal zweimal sowieso.

Ronald: Hm.

Ich kann das sowieso nicht nachvollziehen jetzt. (Ausatmen)

52.11

Ronald: Okay, Peter, du meldest dich dann wieder. Es ist okay, du kannst es versuchen, von draußen aus anzurufen, wenn du das brauchst.

Ja.

Ronald: Wenn nicht – wann bist du denn wieder zurück? Nächste Woche?

Ja, ich bleib so fünf, sechs Tage draußen, ja.

Ronald: Okay, ja, also übers Wochenende, und dann Anfang nächste Woche bist du dann wahrscheinlich wieder da.

52.30 Ich habe eine solche Angst, heute noch in die katastrophalen Gefühle zu geraten, und will mich absichern, sogar heute noch eine zweite Sitzung nehmen zu können, weil ich das Ziel der Sitzung nicht erreicht habe (Bilanz)

Peter: Ja, aber noch mal: Falls ich heute noch mal anrufen … (will) – versuchen kann ich es ja immer? Falls … – Es kann das sein, dass ich noch mal irgendwie so richtig böse irgendwas … (fühlen werde) – Versuchen kann ich, oder?

Ronald: Ja, du kannst immer versuchen.

Peter: Versuchen kann ich, und wenn du nicht mehr da bist, dann habe ich ein Pech gehabt, ja?

Ronald: Gut.

Aber ich will doch noch etwas sagen: Eine zweite Sitzung heute noch kann notwendig werden, weil ich das Ziel der Sitzung nicht erreicht habe (Bilanz)

Ja, weil ich hatte mir so viel mehr vorgenommen, weißt du, eigentlich für heute, und ich merke, wie das alles noch so in mir drin ist, aber okay, jetzt hören wir erstmal auf.

Ronald stimmt mir zu, daß ich die Gefühle zu Ende fühlen muß, aber heute nicht mehr, ich hätte „die richtigen Einsichten und Konsequenzen daraus gezogen“, die Sitzung sei damit „abgeschlossen und abgerundet“. (Er mißversteht mich aber doppelt: Einmal auf einer harmlos-oberflächlichen Ebene: Ich habe von einer zweiten Sitzung gesprochen, und zweitens auf einer schwerwiegenderen Ebene: Ich habe keine „Einsichten“ gehabt; deshalb habe ich ja gesagt, daß ich das Ziel der Sitzung (eben das Wissen, die „Einsicht“) nicht erreicht habe. Er redet mir in seiner Gegenübertragung (oder einfach auch nur Müdigkeit – aber nach einer nur kurzen Sitzung wie dieser ist das unwahrscheinlich) ein, ich hätte mein Ziel für die Sitzung erreicht. Das alles spricht für Verdrängung seinerseits)

Ronald: Ja, aber es ist wichtig zu sagen …, im Gefühl zu bleiben, das zu Ende zu fühlen, und dann hast du ja die richtigen Einsichten und Konsequenzen daraus gezogen aus dem Gefühl, und damit ist das abgeschlossen und abgerundet die Sitzung, verstehst du.

Peter: Aha, okay, gut.

Ronald: Klar sind da noch weitere Gefühle da, das ist ja damit noch nicht zu Ende.

Einsicht in die Notwendigkeit des Abbruchs der Regulär-Sitzung und Verabschiedung

Ja. Ja, gut. Alles klar. Na gut.

Ronald: Gut, du meldest dich dann wieder, ne?

Okay. Ja, danke. Bis bald. Tschüss.

Ronald: Bis bald, tschüß!

53.28 ENDE

29. Selbstgespräch – pessimistisch-realistisches Nachwort. Ich konterkariere und relativiere das unter Kapitel 26. Gesagte: Jetzt kein eindeutiges Bekenntnis zu weiterer Therapie mehr, möglicher Übergang zur Sterbebegleitung

53.35 Es ist endlos schrecklich (Das ist natürlich auch und zuvörderst, aber nicht nur ein „altes Gefühl“, bzw. ist dieses alte Gefühl so beschaffen, daß es sich in die Endlosigkeit perpetuieren muß. Es ist rührend und beeindruckend, wie ich es aber trotzdem loswerden will oder glaube, loswerden zu können, indem ich „fühle“ und das Gefühl genau wahrnehme: als endlos schrecklich.)

Peter: Ah, schrecklich. Schrecklich. Endlos. Schrecklich. Endlos. (Weinen) Endlos schrecklich. Endlos, endlos schrecklich. (Weinen) Endlos, schrecklich. Endlos schrecklich – endlos.

54.04 Ruhiger, aber nicht weniger entschieden in der Aussichtlosigkeit und Unrettbarkeit

Endlos schrecklich. (niedergeschlagen) Endlos schrecklich. (Atmen)

(Pause)

54.45 (niedergeschlagen)

(niedergeschlagen) Hm.

(längere Pause)

55.08 Ich raffe mich auf, die Gegenwart verlangt Beachtung, ich habe viel (Wohnungen?) zu tun bis zum Abend (an dem ich rausfahren werde?)

Ah, schrecklich. Na ja, ich muss ja jetzt …, ich muss ja irgendwie jetzt weiter …, ich muss noch viel schaffen bis heute Abend. Ich muss viel schaffen bis heute Abend. Ich muss das schaffen! Oh, scheiße. Oh, scheiße.

55.24 Es fällt mir sehr schwer, in die Gegenwart mit ihren Aufgaben zu kommen, denn sie bedeutet, daß ich mich in ihr von Nasti trenne bzw. zumindest nicht bei ihr sein werde – das zerreißt mich wieder vor Schmerz (Fremdzentriertheit). Ich bitte Nasti um Verzeihung (Eine Bitte, die genau das Gegenteil auslösen würde: Das würde sie erst und nur wütend machen. Sehr verständlich: Sie würde sich abgrundtief verarscht vorkommen – so wie ich ja auch.)

Es ist so schrecklich. Es tut mir so leid. Ich würde … (Weinen) Oh, Verzeih mir Nasti, verzeih mir (Weinen), verzeih mir, dass ich so bin, wie ich bin.

56.00 Die Gegenwart ist schrecklich – wie die Vergangenheit: eine Trennung ist unvorstellbar

Schrecklich. Ich kann es mir nicht vorstellen, jemals diese Verbindung aufzugeben. Ich sehe es gar nicht ein. Und dann (Pause) – bleibt alles beim Alten und mache ich nichts: Stumpfsinn. Es scheint wirklich so zu sein, ah, (Flüstern) wie wir gerade gesagt haben.

Einsicht in die Unmöglichkeit einer Abhilfe (jedenfalls jetzt nicht – aber wohl auch für immer)

Na ja.

56.45 Ich reiße mich aus der Sitzung los; ich weiß, daß ich in dieser drinbleiben will und ewig könnte (auch, wenn es doch nur eine Allein-Sitzung jetzt ist) wie in der Beziehung mit Nasti

Okay, ich reiße mich los. Ich reiße mich los – auch eine Art osreißen, auch eine Art losreiße. – Ich will es nicht. Ich will auch da drin bleiben, auch mich (hier) nicht rausreißen.