Vorwort zur Serie „Monographien Emotionen“ (Katalog der Gefühle)


Grob gesagt: Tiefenwahrheit = Wahrheit (das Verbale) + Tiefe (das Emotionale). 

Aufgrund der Bedeutung der Emotionen werden diese in einer Video- und Audio-Serie „Monographien Emotionen / Katalog der Gefühle“ gesondert dargestellt, und zwar fast gänzlich losgelöst von biographischen Kontexten.   

Diesen Darstellungen werden nichtsdestotrotz kurze Kommentare – Interpretationen und Erklärungen – zur Seite gestellt.

Interpretationen und Erklärungen von in Tiefenwahrheits-Stunden Erlebtem sind von keiner großen Bedeutung und erfolgen hier nur aus Rücksicht auf den an Theorien gewöhnten und nach diesen süchtigen Menschen der Moderne. Die Zeit des Interpretierens und Erklärens – wie noch zu Zeiten der Psychologie – ist eigentlich vorbei. 

Es tun sich manchmal Interpretationen, doch sind sie nur Folge von tieferem Geschehen. Diese lassen wir natürlich auch zu. Ob die Interpretationen aber einer historischen Wahrheit entspricht – ob es überhaupt um etwas Vergangenes –, das ist völlig unerheblich. Es geht immer wieder nur um die Wahrheit – das, was man sieht und fühlt – und darum, alles Gefühlte und alle Bilder absolut schrankenlos zuzulassen: voll und ganz in der Wahrheit zu sein, d.h. sich selbst in den kleinsten Einzelheiten wahrzunehmen, ohne dies in den Rahmen irgendeiner Theorie einzuordnen. 

Wenn man sich z.B. sterbend wahrnimmt, so ist es ganz egal, ob das „sterben“ genannt wird – wir sagen es einfach so, weil es uns als unserem Gefühl und unserem Bild entspricht. Das könnte irgendeine Erfahrung widerspiegeln, und wir tendieren auch dahin, es so zu – interpretieren. (Solches Interpretieren wuchs sich früher zu Theorien und Ideologien aus). 

Aber es geht nur um das plastische innere Wahrnehmen und daß dies uns zu unserem Selbst, zum Selbst-Bewußtsein, verhilft: Einfach alles so wahrnehmen, wie es ist, wie wir es fühlen und in Bildern sehen – um mehr geht es in der Tiefenwahrheit nicht. Es zählt nur, was wir in uns drin haben und aufsteigen lassen. Woher dieses kommt, ist von keinem sonderlichen Interesse. Was zählt, ist daß es aufsteigt: Es geht nur darum, etwas – am besten alles – aus uns rauszulassen, die ganze Wahrheit zuzulassen oder: auf irgendetwas zu reagieren. 

Von „Reaktion“ zu sprechen ist auch schon Theorie, das stimmt. Unser Eindruck ist aber, daß auf uns eine Aktion ausgeübt – uns etwas angetan wurde, auf das eine Reaktion bisher ausgeblieben ist. Wir tragen viele Dinge mit uns herum, die uns nicht loslassen. Wenn dies eine „Theorie“ ist, könnte sie wenigstens richtig sein. 

Die Tiefenwahrheit ist aber keine weitere, etwa psychologische, Theorie; sie ist erst recht nichts Spirituelles oder Esoterisches. 

Es stimmt also, daß, wenn hier Interpretationen und Erklärungen gegeben werden, dies in eklatantem Widerspruch zur Theorielosigkeit der Tiefenwahrheit steht, ja. Auch stimmt, daß Interpretationen und Erklärungen nur Spekulationen und absolut nicht beweisbar sind. 

Warum lassen wir diesen Widerspruch stehen? Weil wir uns 1. beim ohne Theorie und Ideologie nicht sein könnenden Publikum irgendwie verständlich machen wollen, und weil 2. wir selbst sogar von Psychologie geprägt sind und aus dieser stammen (auch wenn wir sie unterwunden haben). Wir sind keine Fanatiker, die das verleugnen würden.

So gesehen unterdrücken wir zwar nicht alte psychologische Reflexe, aber dies heißt mitnichten, daß in der Tiefenwahrheit Laberei irgendeiner Art stattfindet.